Entscheidung Längengrad

Ein Uhrmacher im Wettlauf um die Bestimmung des Längengrades

Nach siegreichen Gefechten mit der französischen Mittelmeerflotte liefen Admiral Shovells Kriegsschiffe bei dichtem Nebel auf Heimatkurs. Zu spät erkannten die Navigatoren, dass sie die Position in Bezug auf die Scilly-Inseln falsch berechnet hatten.

Entscheidung Längengrad Quelle: ZDF

Diese Inselgruppe, etwa zwanzig Meilen vor der Südwestspitze Englands liegend, führt wie ein steinernes Grab auf Land's End zu. Die Nacht des 22. Oktober 1707 brachte 1700 englischen Marinesoldaten den Tod. Der Untergang von Admiral Shovells Flotte war der dramatische Höhepunkt in einer nicht enden wollenden Kette von Unglücken in der Schifffahrt jener Zeit, zu der selbst die besten Kapitäne nicht imstande waren, ihre genaue Position auf See zu berechnen. Noch immer war keine Methode gefunden, den geographischen Längengrad zu bestimmen. Da man ausschließlich nach der geographischen Breite navigieren konnte, waren die Schiffe auf wenige sichere Passage beschränkt, wo sie leichte Beute für Piraten waren, die dort nur zu warten brauchten.

Lösung im Lauf der Sterne?

Die Nachricht vom Untergang der Flotte Shovells traf die englische Admiralität wie ein Schlag. Das britische Parlament setzt eine horrende Summe aus - im heutigen Wert mehrere Millionen Euro - um das Längengradproblem ein für alle Mal zu lösen. Die Suche nach dem Längengrad fesselte die besten Wissenschaftler jener Zeit, darunter zunächst Galileo Galilei und schließlich Männer wie Isaac Newton und Halley. Doch abseits der etablierten Wissenschaftler tüftelte ein einfacher englischer Uhrmacher namens John Harrison an einer Lösung, die den Durchbruch bringen sollte. Dieses Kapitel der Wissenschaftsgeschichte, in dem der Uhrmacher Harrison gegen die wissenschaftliche Elite seiner Zeit gegenübertrat ist die faszinierende Geschichte eines Wettlaufs zwischen der geballten Intelligenz der höfischen Wissenschaft und dem Handwerk eines einzelnen Mannes, das zu einer Zeitenwende führte.

Gelehrte Männer wie Newton und Halley glaubten damals die Lösung im Lauf der Sterne zu finden. Harrison hingegen war überzeugt, das Problem nur auf dem Wege exakter Zeitmessung mit einer neuartigen Uhr lösen zu können. Ein Vorschlag, der von der Wissenschaftsaristokratie verlacht - und schließlich boykottiert wurde. In einer Zeit, in der Uhren als genau galten, wenn sie nur wenige Minuten am Tag falsch gingen, schuf Harrison in Jahrzehnte langer Arbeit Präzisionsinstrumente, die große Klimaunterschiede und starke Schiffsschwankungen verkraften konnten und dennoch nur Abweichungen von 10 Sekunden in 30 Tagen aufwiesen. Trotz seiner Erfolge legten ihm seine Widersacher immer wieder Steine in den Weg, um eine Auszahlung des Preisgeldes zu verhindern und ihre "wissenschaftliche" Lösung als die einzig richtige Antwort auf das Problem zu präsentieren. Ein Leben lang sollte Harrison für die Akzeptanz seiner Erfindungen kämpfen müssen, um den Seefahrern endlich das lang ersehnte Instrument zur sicheren Navigation zu schenken und das begehrte Preisgeld zu gewinnen.

Die Grundlage für GPS

Seit jenen Jahren ist die Zeitmessung immer mehr zum entscheidenden Faktor für die weltweite Navigation geworden. Auf ihr basiert heute das Globale Positions-System GPS, ein weltumspannendes Navigationssystem, das durch ein Satellitennetz gestützt wird und aufgrund von Zeitdifferenzen im Millionstel Sekundenbereich den Standort an jedem Punkt der Erde auf wenige Zentimeter genau bestimmen kann. Heute wird dieses hochmoderne Positionssystem nicht nur für die sichere Navigation in der Schifffahrt eingesetzt, sondern es ist auch die Grundlage für GPS-gesteuerte Hightech-Waffen. Aufnahmen aus der US Falcon Air Force Base in Colorado geben Einblick in das hermetisch abgeriegelte Kontrollzentrum, von dem aus das US-Militär die GPS-Satelliten steuert, die mit einem präzisen Zeitvergleichs-System zur genauen Zielbestimmung eingesetzt werden.

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