Erbarmungsloses Duell

König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. im Dauerclinch um die Macht

So etwas hatte die Welt noch nicht gesehen. Heinrich IV. und der Papst Gregor VII. liefern sich ein erbarmungsloses Duell. Ausgerechnet die beiden Männer, die für Ordnung und Recht sorgen sollen, richten ein politisches Chaos an. Ein Chaos, das das Mittelalter mehr erschüttert hat, als alles andere.

Papst Gregor VII. und Heinrich IV. von Angesicht zu Angesicht Quelle: ZDF

Es geht wie immer um Herrschaft und Macht. Um die Frage, wer der oberste Herr auf Erden ist: Kaiser oder Papst. Der, der Soldaten und Land besitzt? Oder der, der das Tor zum Himmel aufschließt? Rom ist die Machtzentrale des Abendlandes. Von hier herrscht der Papst über die Christenheit. Ihm allein untersteht die Kirche. Er ernennt Bischöfe und verteilt geistliche Ämter. Darüber kommt es zum Streit. Denn auch der König ernennt und setzt Geistliche in Ämter ein. Männer, die für ihn auch weltliche Aufgaben übernehmen. Eine Zivilverwaltung, wie wir sie kennen, gab es damals nicht.

Stadtbild Rom im Sonnenuntergang Quelle: ZDF

Provokation des Königs

Heinrich widersetzt sich dem Papst. Demonstrativ setzt der König Bischöfe in ihre Ämter ein - eine Provokation. Die Autorität des Papstes ist untergraben, Gregor VII. ist empört. Er erwartet Unterwerfung. Der Streit eskaliert. Heinrich fordert vom Papst, er solle zurücktreten. Jetzt gibt es kein Halten. Kraft seines Amtes exkommuniziert der Papst den deutschen König, er wirft ihn aus der Kirche, aus der Gemeinschaft der Christen. Als der Bote die Nachricht bringt, ist Heinrich außer sich. Exkommunikation ist das äußerste Mittel. Der zu Jähzorn neigende junge König, dessen Ziel es ist, Kaiser zu werden, rast vor Wut. Will er sein Ziel erreichen, bleibt nur ein Ausweg: er muss sich mit dem Papst versöhnen.

Heinrich IV. zieht samt Hofstaat über die Alpen Quelle: ZDF

Es ist ein strenger Winter, als König Heinrich IV. mit seinem gesamten Hofstaat über die Alpen zieht. Wochen sind sie von Deutschland unterwegs: ihr Ziel die Begegnung mit dem Papst in Oberitalien. Heinrich setzt alles daran, die Exkommunikation rückgängig zu machen. Nur wenn er wieder in die Kirche aufgenommen wird, kann der König eines Tages Kaiser werden. Er muss dem Papst gegenübertreten. Der hält sich in Oberitalien auf in der Burg von Quattro Castella am Fuße des Apennins auf. Doch Papst Gregor VII. weicht Heinrich aus. Ein Katz und Maus-Spiel beginnt. Um nichts in der Welt will er dem König, den er aus dem Amt jagen möchte, begegnen.

Unter gewaltigem Druck

Heinrich lässt nicht locker. Trotz Schnee und Kälte setzt er seine Reise fort. Seine Späher sind gut informiert. Sie berichten ihm, wo der Papst sich aufhält. Der hat sein Quartier gewechselt und sich auf die Burg von Canossa zurückgezogen. Der Papst steht unter gewaltigem Druck. Gelingt es Heinrich, vor ihn zu treten, kann er nicht mehr ausweichen. Dann muss er seinem Erzfeind vergeben. So schreibt es der streng geltende Brauch vor.

Heinrich hat die hohen Alpenpässe hinter sich gelassen. "Bald krochen sie auf Händen und Füßen vorwärts, bald ... fielen sie hin und rutschten ein ganzes Stück den Berg hinunter. Die Königin aber und die Frauen ihres Gefolges", so beschreibt ein Chronist die Reise, "wurden auf Rinderhäute gesetzt und von den Bergführern hinab gezogen". Schließlich gelangen sie nach Oberitalien.

Heinrich vor dem Burgtor von Canossa Quelle: ZDF

Verharren in Demut

Dem Papst ist klar, dass kein ehrlicher Büßer vor ihn treten wird, sondern ein Heuchler, der große Pläne hat. Er sucht noch in letzter Minute, die Begegnung zu vermeiden - vergeblich. Jetzt ist er gezwungen, seinen Feind aufzunehmen. Drei Tage und drei Nächte verharrt Heinrich vor dem Burgtor in Demut. Der berühmte Gang nach Canossa findet seinen Höhepunkt. Dann ist es soweit: Gregor ist gezwungen, den Büßer zu sich zu rufen.

Heinrich IV. kniet vor dem Papst Quelle: ZDF

Am 28. Januar 1077 öffnen sich die Tore für Heinrich IV. Eine Niederlage für den Papst, der den König vernichten wollte. Gregor demonstriert Gnade vor aller Welt, wie es das Zeremoniell vorschreibt. Und weiß doch: hier steht kein reuiger Büßer vor ihm, sondern ein Politiker, der mit allen Mitteln seine Macht zurückhaben will. Die mächtigsten Männer der Welt, die sich abgrundtief hassen und deren Kampf gegeneinander noch lange nicht beendet sein sollte.





Heinrich siegt mit Waffen

Mit dem Gang nach Canossa ist Heinrich IV. noch lange nicht am Ziel. Die großen Kämpfe warten noch auf ihn. Drei Jahre nach Canossa fordert König Heinrich seinen Erzfeind erneut heraus. Der hatte ihn nochmals exkommuniziert. Aber diese Waffe war stumpf geworden. Heinrich kriecht nicht ein zweites Mal vor dem Papst. Er greift zum Schwert. Nach dreijähriger Belagerung Roms greifen die Truppen des deutschen Königs an. Der Widerstand der mit dem Papst verbündeten Heere ist schnell gebrochen. In diesem Kampf siegt Heinrich auf ganzer Linie.

Die bunkerartigen Geheimgänge hinter meterdicken Mauern in der Engelsburg, die dem Papst Schutz geben sollten, werden zu seinem Gefängnis. Der Untergang des Mannes, der die Welt regieren wollte, scheint besiegelt. Erbarmungslos verfügt der König, dass der Papst für abgesetzt erklärt wird. Für Heinrich dagegen ist endlich der Weg frei zum Ziel. Gregor muss ohnmächtig mit ansehen, wie der verhasste König am 31. März 1084 zum Kaiser gekrönt wird. Diesem Tag hat Heinrich jahrelang entgegengefiebert.

Heinrich IV. wird zum Kaiser gekrönt Quelle: ZDF

Dennoch siegt der Papst

Heinrich nimmt sich, was Gregor ihm verweigerte: Krone und Reichsapfel. Dazu das Szepter, die Insignien der kaiserlichen Macht. Und wer krönt ihn? Der von Heinrich eingesetzte Gegenpapst Clemens III., eine Marionette. Und doch siegt das Papsttum auf ganzer Linie. Denn indem Heinrich sich von dem neuen Papst krönen lässt, räumt er dem Papsttum wieder alle Macht über den Kaiser ein.

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