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Erdhügel als magische Orte

Freiluftobservatorien oder Kultstätten mit übersinnlicher Kraft

Im Great Circle kennzeichnen gleich vier Hügel den magischen Ort der Hopewell. Durch niedrige Wälle verbunden, erscheinen die hohen Aufschüttungen wie ein majestätischer Vogel mit ausgebreiteten Flügeln.


Dr. Barbara Mann, Wissenschaftlerin: "Die ursprünglichen Erbauer dieser Erdanlagen waren die Mond-Augen-Leute. Wir nennen sie Mond-Augen-Leute, weil sie den Himmel beobachteten, um die richtige Zeit für das Pflanzen und Ernten zu bestimmen. Dies sind Observatorien. Je nachdem, wo man steht, ergeben sich unterschiedliche Ausrichtungen. Der Kreis mit dem Achteck verfolgt bestimmte Mondstillstände, wenn es scheint, als ob sich der Mond rückwärts in die falsche Richtung bewegt. Das passiert alle 18,6 Jahre. Man muss schon ein sehr geschulter Astronom sein, um das zu erkennen."

Riesiges Freiluftobservatorium?



Neue Messungen der geometrischen Figur bestätigen die Exaktheit der 2.000 Jahre alten Peillinien. Am Rand des großen Kreises ist ein langgezogener, flacher Hügel. Von seiner Mitte aus läuft die Hauptpeillinie längs durch die gesamte Anlage auf den maximalen nördlichen Mondaufgangspunkt zu. Alle weiteren Messlinien gehen vom Achteck aus. Sie weisen auf die extremen Mondauf- und untergangspunkte hin - wie sie im Zyklus von 18,6 Jahren zu beobachten sind. Die Sternkundigen gaben ihr Geheimwissen mündlich an die Lehrlinge weiter. Angesichts der Dauer mancher Gestirnszyklen ist es kein Wunder, dass sich die Ausbildung zum fertigen Astronomen immer über Jahrzehnte hinzog.

Ob die weitläufige Anlage tatsächlich als Freiluft-Observatorium erdacht wurde, lässt sich nicht mehr schlüssig beweisen. Eine andere These lautet, die Hopewell wollten die Himmelsenergie in ihre Stätte lenken. Eine Vermutung, die Forscher aus dem indianischen Glauben ableiten. Demnach könnten die Kulthandlungen im Oktogon das Ziel verfolgt haben, die magische Kraft des Ortes immer wieder zu beschwören, um sie so zu bewahren.

Höhepunkt archaischer Baukunst

Dafür sprechen die Sperr-Riegel vor den Öffnungen des Achtecks. Sichtbare Bollwerke als Hindernis für Dämonen. Denn die bewegen sich bekanntlich nur in gerader Linie fort. Menschen hingegen konnten das Innere ungehindert betreten und an den kultischen Feiern teilnehmen. Mit der Außenwelt verbunden war das Heiligtum durch eine Straße - ein weiterer Höhepunkt archaischer Baukunst:


Die Great Hopewell Road - immerhin 100 Kilometer lang. Vom Achteck führte der sakrale Weg direkt nach Südwesten - 60 Meter breit, von Wällen begrenzt - immer geradeaus. Nach damaliger Vorstellung ein Symbol für Heiligkeit und Stärke. Nach Überresten der längst verfallenen Trasse suchen Ausgräber schon lange. Ohne Erfolg, liegt sie doch unter Ackerland begraben.

Über Stock und Stein

Wie konsequent geradeaus die Prozessionsstrassen damals angelegt waren, zeigen die Konstruktionen der Anasazi-Indianer im Südwesten der USA. Selbst Felsen haben sie überwunden. Mit Treppen und Haltegriffen in den steilen Wänden machten sie den Weg gangbar. Der hundert Kilometer lange Highway der Hopewell endete in einem heiligen Bezirk. Die Anlage - ein Observatorium mit Achteck und Kreis - ist das exakte Gegenstück zu Newark. Acht monumentale Erdwerke reihten sich einst am Ufer des Scioto-Flusses aneinander. Von der imposanten Architektur blieb nur ein wallbegrenztes Viereck erhalten - ein eigener Bezirk, nur für die Toten, circa 2000 Jahre alt.

Um 400 nach Christus stellen die Hopewell ihre Bautätigkeit in Ohio ein. Erst Jahrhunderte später entstehen in der Region wieder komplexe Erdwerke. Ausgefallene Formationen, die den Beginn einer neuen Ära markieren. Wissenschaftler vermuten: Es folgt eine Zeit der Sesshaftigkeit.

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