Erfahrungen beim Durchqueren der Wüste

Filmautor Bernd Liebner berichtet

Für diese Expedition haben wir uns mit 16 vierradangetriebenen Autos, die mit Zusatztanks, verstärktem Fahrwerk und modernster Technik ausgerüstet sind, in diese Wüste hineingewagt. In vier Wochen haben wir damit mehrere tausend Kilometer fernab von jeder Piste durch die Dünen zurückgelegt und nach Überresten untergegangener Städte gesucht.

Auf die in allen berühmten Reiseberichten immer wieder beschriebenen Skelette als einzige Wegweiser, sind wir nur an den Rändern der Wüste gestoßen.

Unberührte Flächen

Einmal haben wir drei Tage lang auf Hunderten von Kilometern keine Spur von Menschen, Tieren oder Pflanzen entdecken können, nur unendlich weite, graue Kies- und Schotterflächen oder riesige Dünen mit den wunderbarsten Sandformationen, die uns das Gefühl vermittelt haben, dass wir uns in Gebiete vorwagen, die noch kein Mensch vor uns betreten hat. Unvorstellbar in einer Zeit von Beobachtungssatelliten, amerikanischen Flieger- und russischen Generalsstabskarten, die unsere Welt bis ins kleinste Detail genau darstellen, dass es immer noch so große Flächen gibt, die noch vom Menschen völlig unberührt sind.

Erst im Nachhinein wird mir bewusst, was wir dort alles erlebt haben. In der Situation selbst waren wir viel zu beschäftigt mit unseren Dreharbeiten, dem Freischaufeln und Herausziehen unserer Autos, mit dem mühsamen Rauf und Runter über riesige Dünenkämme, der Suche nach fahrbaren Wegen durch die nicht enden wollenden Dünenfelder, sowie dem Auf- und Abbauen unserer Zelte. Die Abende, wenn der Sonnenuntergang nahte, waren besonders hektisch und anstrengend, denn dann war das Licht so wunderschön, dass wir am liebsten alles auf Video aufgenommen hätten, doch wir mussten weiterfahren, um irgendwo einen Rastplatz zu finden. Und darüber was ein schöner Rastplatz ist, gab es meist so viele Meinungen wie Expeditionsteilnehmer.

Schwärme von Mücken

Denjenigen, die immer noch mehr Kilometer fressen wollten, war kein Plätzchen schön genug, sie wollten bis in die Dunkelheit weiterfahren und machten in der Dunkelheit irgendwo halt. Einmal stellten wir erst in der Nacht fest, dass wir uns in der Nähe einer Wasserstelle befinden mussten, weil Schwärme von Mücken über uns hereinfielen. Das traf besonders diejenigen, die sich im Herzen der Wüste angewöhnt hatten, keine Zelte aufzubauen, sondern einfach mit dem Schlafsack im Freien zu schlafen.

Manchmal sahen wir erst am nächsten Morgen, wenn wir besonders früh aufgestanden waren, um uns auf Flugaufnahmen vorzubereiten, dass wir am trostlosesten Fleckchen der letzten Tagesreise genächtigt hatten, der so langweilig war, dass es sich nicht einmal lohnte, dort den Sonnenaufgang zu drehen, geschweige denn, Luftaufnahmen zu machen. Dann war es aber meistens schon zu spät, noch etwas länger zu schlafen, weil in der absoluten Stille jedes kleinste Geräusch die anderen Expeditionsteilnehmer aufweckte, die dann mit dem Aufgehen der Sonne ihr schnelles Frühstück herunterwürgten, und weiterfahren wollten.

Fahrsüchtige Autofahrer

Man denkt immer, fahrsüchtige Autofahrer können nur ein Problem auf der Autobahn sein, nein, in der unendlichen Weite der Wüste, wo ihnen keiner im Weg ist, sind sie noch viel schlimmer. Das Fahren durch die Dünen, das besonderen Mut und viel Geschicklichkeit erfordert, wenn man nicht immer wieder stecken bleiben will, kann zu einer zur Sucht werden. Aber auch die grandiosen Landschaften, auf die wir immer wieder gestoßen sind, sobald es nur etwas hügelig oder bergig wurde, können süchtig machen.

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