Erfolgreiche russisch-deutsche Prußenforschung

Ehemaliges Ostpreußen im Fokus ehrgeiziger Projekte

Ein Hafen war auch der Schlüssel zum Erfolg Königsbergs. Der Handel blühte in deutscher Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus Königsberg Kaliningrad, nur noch wenig erinnert an die alte Hauptstadt Ostpreußens. Deutschen Wissenschaftlern war die Stadt Jahrzehnte verschlossen. Aber plötzlich steht die verdrängte deutsche Geschichte im Fokus ehrgeiziger Projekte.

Karte vom Prußen-Land Quelle: ZDF

Die Hafengegend wird nach historischem Vorbild auferstehen, und sogar das von den Sowjets gesprengte Schloss soll wiedererrichtet werden. Deswegen ist auch das russische Medieninteresse groß, als eine hochrangige Delegation der Deutschen Forschungsgemeinschaft die unterirdischen Ruinen des Königsberger Schlosses besichtigt. Russische Archäologen graben die bei der Sprengung erhaltenen Kellergewölbe des Schlosses aus. Hier sollen die Kisten mit dem Bernsteinzimmer und der Schausammlung vor ihrer Evakuierung gelegen haben.

Ruine Königsberger Schloss Quelle: ZDF

Zeichen der Hoffnung

Doch den Besuchern geht es nicht um Schatzsuche, sondern um den Ausbau deutsch-russischer Wissenschaftsbeziehungen, wie in Wiskiauten, speziell im ehemaligen Ostpreußen, wo die Schatten des Krieges besonders lang sind. Hitlers Befehl, Königsberg "bis zum letzten Atemzug" zu verteidigen, kostete zigtausenden Russen und Deutschen das Leben. Projekte wie die gemeinsame Suche nach der prußischen Urbevölkerung und die Schlossgrabung sind ein Zeichen der Hoffnung.

Rätselhafter Tunneleingang bei Schlossruine Königsberg Quelle: ZDF

Neben "Weltkriegsschrott" kommen auch ältere Funde zum Vorschein und ein rätselhafter, bisher unbekannter Tunnel. Ein Geheimgang Richtung Fluss. Wurden die Kisten mit der Schausammlung hier abtransportiert? Und, vielleicht ist das Bernsteinzimmer doch noch irgendwo versteckt, wie manche spekulieren? Hat es ebenfalls Königsberg nie verlassen? Unwichtig, meint der Leiter der russischen Expedition, Professor Vladimir Kulakow. Wichtig sei ein Erfolg der Prußen-Forschung.

Immer weiter in die Tiefe

Deshalb ist am Brunnen in Fläche B hoher Besuch aus Moskau angekommen. Nikolaj Makarow, der oberste russische Archäologe, informiert sich. Zum Thema Wasser fällt auch dem Professor nicht viel ein: "Ihr müsst eben mehr herauspumpen als nachläuft". So einfach ist das. Immer tiefer stößt das Grabungsteam vor, denn sie wollen die Brunnenfassung endlich freilegen. Aber die Lage wird nicht klarer. Wieder ein Kleinfund: ein Mahl- oder ein Schleuderstein? Zum Überlegen bleibt keine Zeit, das Wasser läuft unaufhaltsam nach. Sie hoffen auf eine Brunnenfassung aus Holz, die ließe sich auf das Jahr genau datieren, und kämpfen sich verbissen immer weiter in die Tiefe.

Brunnenloch Quelle: ZDF

Dann ist der Brunnen der Pruzzen für einen kurzen Augenblick sichtbar: Viele Wochen geomagnetischer und archäologischer Arbeiten und körperlicher Schufterei für ein Foto und dem Triumph, dem versunkenen Volk ganz nah gekommen zu sein. Hier tauschten sie ihr wertvollstes Gut: Bernstein gegen das Silber der Wikinger. Ein friedliches multikulturelles Zusammenleben zum Wohle der Geschäfte. Wiskiauten war mehr als ein "Jahrmarkt". Es ist die fehlende Perle in der Kette der Ostsee-Handelsmetropolen. Stützpunkt eines Netzwerkes von Norwegen bis zum Schwarzen Meer.

Antworten auf viele Fragen

Trotz aller Rückschläge ist Chef-Archäologe Claus von Carnap-Bornheim mit seinem Grabungsleiter Timo Ibsen hochzufrieden. Er hat Pionierarbeit geleistet, hat viele Probleme überwunden und Antworten auf ebenso viele Fragen gefunden. Die wichtigste: Die Siedlung der Prußen ist entdeckt. Die Grabungen werden weitergehen. Das alte Volk bekommt langsam wieder ein Gesicht und eine historische Dimension.

Karte Lageplatz Siedlung Quelle: ZDF

Die vereinte Suche von jungen deutschen und russischen Wissenschaftlern nach den gemeinsamen Wurzeln markiert einen hoffnungsvollen Neuanfang. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Durch das Wiederauffinden der Prussiaarchivalien und Grabungen mit modernsten Methoden haben sie die vergessene Kaufmannsstadt eines untergegangenen Volkes wiederentdeckt. Die einmalige, durch den Krieg zerrissene und verschollene Prussiasammlung über die ostpreußische Vorzeit wird wieder zusammengeführt. Als bewusstes, kollektives europäisches Erbe. Für Timo Ibsen war die Skizze von Max Ebert tatsächlich eine Schatzkarte.

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