"Ergebnisse sind eindeutig"

Acht Fragen an Professor Albert Zink

Professor Albert Zink ist Spezialist auf dem Gebiet antiker DNA. Zusammen mit Carsten Pusch und weiteren internationalen Kollegen konnte das zehnköpfige Team um den Ägyptologen Zahi Hawass den Nachweis erbringen, dass die Mumie in Grab 55 auch tatsächlich Echnaton ist. Außerdem haben die DNA-Analysen eindeutig gezeigt, dass Echnaton der Vater und die "younger lady" aus Grab 35 die Mutter von Tutenchamun ist.

DNA-Abgleich
DNA-Abgleich

ZDF: Was war die größte Herausforderung bei den Untersuchungen?

Albert Zink: Aus den Mumien ausreichend gut erhaltene DNA zu gewinnen, um damit eine Verwandtschaftsanalyse durchführen zu können. Gerade Tutanchamun, der mit einer Schicht aus schwarz gefärbter Mumifizierungssubstanz überzogen ist, hat uns vor große Herausforderungen gestellt.

ZDF: Worauf muss man bei der Entnahme der Proben achten?

Zink: Die Proben müssen aus dem Inneren des Knochens kommen, damit oberfächliche Kontaminationen nicht ins Untersuchungsmaterial gelangen.

ZDF: Inwiefern können auch beschädigte beziehungsweise unvollständige DNA-Strukturen aufschlussreich sein?

Zink: In der Mumienforschung haben wir es fast ausschließlich mit degradierter und unvollständiger DNA zu tun. Die Kunst bei unseren Untersuchungen ist es, kurze Abschnitte der DNA zu finden, die trotzdem eine hohe Aussagekraft besitzen. Ein zeitweise schwieriges Unterfangen, das uns aber bei der Analyse der ägyptischen Königsmumien glücklicherweise sehr gut gelungen ist.

ZDF: Wie lange haben die Untersuchungen gedauert?

Zink: Etwas mehr als zwei Jahre, von September 2007 bis Oktober 2009.

ZDF: Gab es Momente, in denen Sie aufgeben wollten?

Zink: Nein, aber es gab gerade zu Anfang lange Durststrecken, bis wir unsere Methoden für die Mumien optimiert hatten.

Stammbaum Tutenchamun
Stammbaum Tutenchamun

ZDF: Wie groß ist die Chance, die Mutter von Tutanchamun doch noch namentlich zu identifizieren?

Zink: Das hängt sehr stark von historischen beziehungsweise archäologischen Quellen ab. Wir können letztendlich nur eine genetische Verwandtschaft nachweisen und brauchen daher die Unterstützung von den Ägyptologen.

ZDF: Wie geht es weiter mit den DNA-Untersuchungen?

Zink: Wir untersuchen gerade im Detail die beiden weiblichen Mumien aus dem Grab KV21 und die beiden Feten aus dem Grab Tutanchamuns. Wir erhoffen uns dadurch weitere Rückschlüsse auf Tutanchamuns Frau und möglicherweise auch weitere Hinweise auf den Namen seiner Mutter.

ZDF: Sind mit dem DNA-Abgleich wirklich die letzten Zweifel ausgeräumt, dass die Mumie aus Grab 55 Echnaton ist?

Zink: Unsere Untersuchungsergebnisse sind eindeutig und haben gezeigt, dass die Mumie aus Grab 55 der Sohn von Amenhotep III. und der Vater von Tutanchamun ist. Zusätzlich konnten wir mit Hilfe der radiologischen Untersuchung das Alter der Mumie auf 35 bis 45 Jahre bestimmen. Zusammen mit den ägyptologischen und archäologischen Befunden von Dr. Hawass konnte die Mumie letztendlich als Echnaton bestimmt werden.

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