Erkundungsfahrt im Südschacht

Blick hinter geheimnisvolle Steinplatte

Die Cheops-Pyramide birgt immer noch viele Geheimnisse. Dies verraten allein die kleinen Schächte der Königinnenkammer. Für die alten Ägypter müssen sie eine besondere Rolle gespielt haben, denn sie sind aufwendig konstruiert.

Verbergen sich hinter ihrem Abschluss vielleicht Dokumente alter Hochkultur? Der ehemalige Leiter des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo, Rainer Stadelmann vermutet hinter der Steinplatte ein Papyrus, da es für viel mehr gar keinen Platz gibt.

Roboter auf Entdeckungsreise

Im März 1993 erforscht der deutsche Ingenieur Rudolf Gantenbrink erstmals einen rätselhaften Schacht mit einem ferngesteuerten Miniatur-Fahrzeug in der Königinnenkammer. Sein Roboter UPUAUT kämpft sich Meter um Meter vor. Die sonst grob behauenen Wände sind plötzlich sorgfältig geschliffen. Er stößt auf eine Sensation: eine Steinplatte mit zwei Kupfergriffen. Was verbirgt sich dahinter?

Neun Jahre später, im September 2002, soll das Geheimnis um die Steinplatte gelüftet werden. Zum ersten Mal sind Fernsehzuschauer in weit über hundert Ländern bei einer solchen Entdeckungsreise live dabei. Wochenlang laufen dafür die Vorbereitungen in der unteren Königinnenkammer. Ein Team von Archäologen und Technikern hat einen Roboter für seine spannende Mission präpariert.

Hindernisparcours

Mit etlichen Kameras und spezifischen Werkzeugen ist das High-Tech-Mobil für seine Fahrt in die ewige Finsternis ausgestattet. Es soll in den mysteriösen Schacht vordringen, die Öffnung misst nur 20 mal 20 Zentimeter. Fast 60 Meter geht es hinauf. Auf den Rover warten am Ende des Ganges fesselnde Aufgaben. Und bis dahin ist der Schacht zumindest ein heimtückischer Hindernisparcours für den Rover. Doch als der Rover etwa drei Viertel des Weges zurückgelegt hat, scheitert die Mission beinahe an einer großen Stufe.

Die Techniker geben nicht auf. Eine Rampe wird auf kompliziertem Wege installiert. Der Rover wird mit einem Bohrer ausgerüstet. Nach fast 55 Metern taucht der Schlussstein endlich auf. 16 Meter sind es nach dem Abschlussstein noch bis zur Außenwand. Millionen von Zuschauern soll damit der Blick hinter die geheimnisvolle Steinplatte ermöglicht werden. Was verbirgt sie? Was haben diese Kupfergriffe zu bedeuten? Wilde Spekulationen kommen auf. Man spricht immer von Seelenkorridoren, konnten diese aber blockiert sein? In einem normalen ägyptischen Grab gibt es Scheintüren oder den Nachbau einer Tür, um in die andere Welt hinüberzugehen. Auch wenn die Tür nur aus Stein nachgebildet ist, dann besteht auf magische Weise Verbindung zum Jenseits - so die Vorstellung.

Heiliger Bereich?

Der Rover bohrt das Loch, eine kleine Kamera wird hindurchgeführt. Ein Hohlraum mit einer weiteren beweglichen Platte wird sichtbar. Diese Entdeckung hat offensichtlich viel größere Bedeutung als bislang angenommen. Viele Indizien sprechen dafür, dass man es mit einem heiligen Bereich zu tun haben könnte. Eine Geschichte, die 700 Jahre nach Cheops Regentschaft verfasst wurde, berichtet davon, dass man nach der geheimen Kammer des Thoth, des Wächters der Weisheit gesucht hat. Vielleicht hatte Cheops solche Geheimkammern angelegt, vielleicht verstecken diese Art Türen auch die Grabkammern des Königs.

Nur die beiden oberen Schächte, die von der Königskammer abgehen, führen bis zu den Außenwänden. Die anderen Schächte, die von der tiefergelegenen Königinnenkammer abgehen, stellen wirklich ein Rätsel dar. Es gibt keine andere Pyramide mit den Schächten dieses Typs. Die Schächte waren raffiniert verborgen und wurden erst 1872 entdeckt. Damals hatte der Forscher Dixon gegen die Wand geklopft und einen Hohlraum gehört hätte, den er aufschlagen ließ. Von Scheintüren konnte keine Rede sein. Die Gänge waren unauffindbar, sowohl für die Lebenden, als auch für den Toten. Wenn die Seele des Pharaos aber den Eingang zum Südschacht nicht fand, dann könnte die Blockierung am oberen Ende des Korridors eine ganz andere Bedeutung erhalten. Auch der zweite Stein könnte die Theorie von den Seelenkorridoren entkräften.

Andere Theorie im Fokus

Die Fakten: Hinter der ersten Tür folgt eine weitere Steinplatte. Auch sie wurde bearbeitet, wie Meißelspuren zeigen. Eine Rille, die unter der Tür durchführt und erkennbare Seitenkanten sprechen für eine bewegliche Anordnung. Damit rückt eine noch ganz andere Theorie in den Fokus. Das Allerheiligste wird immer von drei Verschlussblöcken gesichert, so genannten Porticulli. Schauen wir etwa auf zwei von ihnen? Könnten hinter dem dritten Stein ein Grab verborgen sein? Etwa das der Hetep-Heres, der Mutter des Cheops, wie spekuliert wurde?

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