Erlösendes Attentat

Mit ihrem Tod wird Sisi vom Mythos zur Legende

Ein tiefer Schatten fällt auf ihr Gemüt, als sich der Thronfolger Rudolf am 30. Januar 1889 mit seiner Geliebten erschießt. Der Tod ihres Sohnes bedeutet einen weiteren Einschnitt in Sisis Leben. Immer öfter hegt sie Selbstmordgedanken. Doch ein Attentäter kommt ihr zuvor. Aus einem Mythos wird eine Legende.

Zeitung berichtet über Sisis Tod Quelle: ZDF

Nach dem Tod des Kronprinzen ist Sisi außer sich vor Trauer. Wenig später sterben ihre Schwester Helene und auch ihr treuer ungarischer Freund Gyula Graf Andrássy. Als schließlich ihre Lieblingstochter Marie Valerie ihren Verlobten heiratet, fühlt sich die Kaiserin völlig verlassen. Da auch ihre Schönheit langsam verschwindet, verliert ihr Leben jeden Sinn. Sie wird lebensmüde und depressiv. Sie verschenkt ihre bezaubernden Kleider und trägt nur noch schwarz.

Sisi trägt ein schwarzes Kleid (Spielszene) Quelle: ZDF

Immer auf der Flucht

Sisi hat in den letzten Jahren ihres Lebens immer wieder mit einem Selbstmord gespielt. Einmal wollte sie sich in den Starnberger See werfen, um dort zu ertrinken wie Ludwig II. Sie schreibt in einem ihrer Gedichte: "Die Stunde der Versuchung ist gewichen. Ein feiger Hund bin ich nach Haus geschlichen." Sie hat sich nicht getraut. Doch niemals verliert Elisabeth ihren zwanghaften Bewegungsdrang. Bis zu zehn Stunden am Tag martert sie sich. Dabei ist sie ständig auf der Flucht. Denn niemand soll ihr Gesicht mehr erblicken. Das provoziert die Sensationsgier der Journalisten. Wie mag sie im Alter ausgesehen haben, die Diva, die ewig jung bleiben wollte?

Paparazzi-Foto von Sisi und Kaiser Franz Quelle: ZDF

In der österreichischen Nationalbibliothek werden Fotoplatten mit "Paparazzi"-Bildern der Kaiserin aufbewahrt. Von einem Kuraufenthalt mit dem Kaiser in Bad Kissingen gibt es Schnappschüsse. Die Fotos haben Seltenheitswert und dokumentieren, dass Sisi stets Fächer und Sonnenschirm griffbereit hielt, um sich vor neugierigen Blicken und Kameras zu schützen. Sie hat Angst, den Mythos ihrer feenhaften Schönheit zu verlieren. Das hat sie geschafft, sie ist als schöne Frau in die Geschichte eingegangen.

"Gefährliche Königsmörderbrut"

Im September 1898 hält sich die mittlerweile 60-jährige Elisabeth in Genf auf. Schutz durch Schweizer Polizeiagenten lehnt die Kaiserin ab. Sie reist inkognito, doch die wahre Identität der "Gräfin Hohenembs" bleibt kein Geheimnis. Die Kaiserin ist in ungewöhnlich gelöster Stimmung. Sie isst Veilcheneis, das sie so liebt, trinkt Champagner - und spottet über das großzügige Asylrecht der Schweizer für Anarchisten: "Schweizer, ihr Gebirg ist herrlich, Ihre Uhren gehen gut!", reimt Elisabeth. "Doch für uns ist höchst gefährlich, ihre Königsmörderbrut."

Als Sisi sich auf die Fähre nach Montreux begeben will, wartet ein italienischer Anarchist namens Luigi Lucheni auf die Chance seines Lebens. Doch sein eigentliches Opfer, der Thronprätendent von Frankreich, ist nicht wie geplant nach Genf gekommen. Der Zufall rückt Elisabeth in sein Visier. Lucheini ist durch eine Zeitungsmeldung auf sie aufmerksam geworden. Er hasst alle Aristokraten, und die Ermordung der Kaiserin wird Schlagzeilen und seinen Namen berühmt machen. Lucheni stößt ihr eine Feile mitten ins Herz. Sisi stürzt zunächst zu Boden, richtet sich aber mit Hilfe ihrer Begleiterin wieder auf. "Was wollte dieser Mensch?" fragt sie irritiert. Erst auf der Fähre schwankt sie erneut und sackt dann schließlich in sich zusammen. Nachdem das Schiff wieder angelegt hat und Sisi ins Hotel gebracht wird, kann der herbeigerufene Arzt nur noch den Tod feststellen.

Das restliche Leben verblasst

In den Zeitungen überschlagen sich die Meldungen. Ihr Begräbnis beschreibt der Schriftsteller Mark Twain: "Das erste Mal zog Elisabeth als Braut in Wien ein, an jubelnden Menschen entlang. Das zweite Mal in ihrem Sarg. Aber diesmal herrschte Schweigen, unterbrochen vom Weinen alter Frauen, die ihre Ankunft miterlebt hatten." Ihr Wunsch war es, am Meer die letzte Ruhe zu finden. Aber nun kann sie sich nicht mehr wehren und niemanden mehr verärgern. Wien hat seine Kaiserin zurück. Mit ihrem Tod wird Sisi vom Mythos zur Legende. Man erinnert sich vor allem an das 16-jährige unschuldige Mädchen, das der verliebte Franz Joseph einst in Wien empfing. Ihr restliches Leben verblasst. Fast zwei Jahrzehnte nach dem Tod stirbt der Kaiser am 21. November 1816. Es ist das Ende einer Ära.

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