Erschwerte Bedingungen

Herculaneum liegt unter einer modernen Stadt

Gemeinsam mit den italienischen Behörden arbeitet der Archäologe Andrew Wallace-Hadrill an der Zukunft Herculaneums. Die Ausgrabungen ruhen zur Zeit, absoluten Vorrang hat die Konservierung der Ruine. Das Ziel: ein Weltkulturerbe vor der endgültigen Zerstörung zu bewahren.

Ercolano, Vorort von Neapel Quelle: ZDF

Auch die letzten Opfer der Katastrophe, die 1982 entdeckt wurden, sind noch immer nicht geborgen. Neuen Ausgrabungen steht Andrew Wallace-Hadrill daher kritisch gegenüber.

Ein einziger Zugang

Bis heute liegen zwei Drittel Herculaneums unter den Lavamassen begraben. Der einzige Zugang zu den verschütteten Teilen der Stadt sind die alten Grabungstunnel Alcubierres. Andrew Wallace-Hadrill hat die unterirdischen Gänge erforscht. Entlang der Tunnel finden sich ganze Säulen-Reihen, die auf eine Basilika hindeuten, ein wichtiges öffentliches Gebäude. In ihr wurden wertvolle Statuen und Inschriften entdeckt. Es wäre spannend weiter zu graben, aber zur Zeit ist das nicht möglich: Über der antiken Stadt hat sich "Ercolano" ausgebreitet, ein Vorort von Neapel mit rund 55.000 Einwohnern.

Die Ruinen des antiken Herculaneum liegen unter dem Zentrum der Stadt. Für jede weitere Grabung müssten unweigerlich Häuser abgerissen werden. Unter der Erde befinden sich noch gänzlich unerforschte Wohngebiete, das antike Theater und die Basilika, die für die Wissenschaft Nachrichten aus der Zeit ihres Untergangs bergen. An ihrem ursprünglichen Ort sind nur noch wenige außergewöhnliche Fresken und Mosaike erhalten. Viele sind Sonne, Wind und Wetter ausgesetzt. Unter der Leitung von Wallace-Hadrill werden aufgebrochene Mosaike und verblasste Wandmalereien der einst farbenfrohen Antike aufwendig restauriert und konserviert.

Restauriertes Mosaik Quelle: ZDF

Besonders problematisch für die Konservatoren sind die vielen Tauben. Ihr Kot ist ätzend und verursacht irreparable Schäden. In Herculaneum werden Falken eingesetzt. Die Raubvögel sind natürliche Feinde der Tauben und haben deren Anzahl bereits drastisch reduziert.

Multi-Spektral-Analyse Papyrus Quelle: ZDF

Wie verbranntes Laub

Eine weitere große Herausforderung stellt die Restaurierung der Papyri aus der Villa dei Papiri dar. Heute lagern sie in der Nationalbibliothek von Neapel. Ein internationales Konsortium von Wissenschaftlern arbeitet an ihrer Entzifferung. Mit allergrößter Vorsicht, denn die Texte haben die Konsistenz von verbranntem Laub. Eine Berührung - und sie zerfallen zu Staub. Dass nach mehr als 250 Jahren erst zwei Drittel der Papyri entziffert sind, liegt nicht nur daran, dass beim Entrollen Teile weg gebrochen sind.

Manche Texte sind so stark verkohlt, dass sie ohne moderne Technologien nicht gelesen werden können. Zahlreiche Fäden der Papyrus-Forschung laufen an der Universität Oxford zusammen. Zur Entschlüsselung der Schriftrollen wird ein Verfahren eingesetzt, das sensationelle Ergebnisse bringt: Die Multi-Spektral-Analyse nutzt minimale Unterschiede in der Licht-Reflektion von Tinte und Papier. Nach zweitausend Jahren können die verkohlten Texte aus der Villa dei Papiri wieder gelesen werden.

Heftiger Streit um die Fortsetzung

In Herculaneum gibt es vielleicht noch mehr literarische Schätze zu bergen. Bei erneuten Grabungen stellte Antonio De Simone fest, dass die Villa weitere, gänzlich unerforschte Untergeschosse besitzt. Die Hoffnung der Wissenschaftler: in den verschütteten und bislang noch nicht untersuchten Geschossen könnten sich noch weitere Papyrus-Rollen befinden. Um die Fortsetzung der Ausgrabungen ist ein heftiger Streit entbrannt.

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