Erste Erfolge mit Schwefel

Hoffnung durch verbesserte Rezeptur

Charles Goodyear bleibt nicht verborgen, dass in England das Geschäft mit dem Kautschuk floriert. Hancocks India Rubber Manufactury stellt Rohre und Feuerwehrschläuche, wasserdichte Planen für Kutschen und Regenkleidung für die Fahrgäste her. Doch Goodyear kommt erst mit einer List hinter das Geheimnis formbeständigen Kautschuks.

Der englische Unternehmer Thomas Hanckock hat einen schottischen Chemiker namens Charles Macintosh zu seinem Partner gemacht. Der hat den "double texture" erfunden: einen zweilagigen Stoff mit einer Kautschukschicht in der Mitte.

Run auf wasserdichte Produkte

So wird verhindert, dass der klebrige Rohstoff mit der Kleidung des Trägers in Berührung kommt. Im milden regnerischen England reißen sich die Leute um Hanckocks wasserdichte Produkte. Doch in den extremen Klimazonen Amerikas ist unbehandelter Kautschuk so nicht einzusetzen. Die Industrie liegt am Boden. Denn keinem ist es gelungen, dem Kautschuk dauerhaft die schlechten Eigenschaften zu nehmen.

Im Januar 1835 ist es wieder mal so weit. Über 4000 Dollar Schulden hat Goodyear angehäuft. Mit der Miete ist er mehrere Monate im Verzug da lassen die Gläubiger Goodyear verhaften. Und seine junge Familie wird wieder einmal vor die Tür gesetzt. Goodyear ist bereit fast alles zu opfern. Er ist felsenfest überzeugt: eines Tages wird ihm der Erfolg sicher sein.

Zweifelhafter Ruhm

Auf der Suche nach neuen Geldgebern zieht Charles Goodyear nach New York und gelangt dort bald zu zweifelhaftem Ruhm. Eine Zeitung schreibt über den besessenen Kauz: "Wenn ihr einen Mann seht, mit einem Hut, Mantel und Schuhen aus Kautschuk ohne einen Cent in der Tasche, dann habt ihr Charles Goodyear vor euch." Seine Familie lebt nach wie vor auf dem Land, nur die kleine Tochter Ellen ist bei ihm. Seine Frau Clarissa hat weder genügend Geld, die Kinder zu ernähren, noch ihren Mann in New York zu besuchen. Eine winzige Dachkammer ist Wohnraum und Labor zugleich.

Weg ins Pfandhaus

Eines Tages will Goodyear eine Kautschukprobe reinigen. Dazu verwendet er Salpetersäure. Plötzlich erscheint die Oberfläche des Kautschuks nicht mehr klebrig. Ist das der lang ersehnten Durchbruch? Goodyear experimentiert in dem engen Raum weiter mit den giftigen Dämpfen, bis er schließlich ohnmächtig zusammenbricht. Mehrere Wochen bleibt er ans Bett gefesselt. Doch schließlich gelingt es ihm wieder einmal, neue Geldgeber für seine Ideen zu finden.

Auf Staten Island eröffnet er eine Fabrikation von Gummischuhen und in Manhattan einen kleinen Laden. Dann holt er seine Familie nach. Aber immer öfter muss Goodyear den Weg zum Pfandhaus antreten, einen Löffel oder eine Tasse versetzen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Seinem India Rubber gehört die Zukunft - will das denn außer ihm kein anderer begreifen?

In Massachusetts trifft Charles Goodyear auf einen gewissen Nathaniel Hayward. Schon in New York hatte er von dem ehemaligen Stallbesitzer gehört. Der hatte sein Geschäft verkauft, um sich ausschließlich einer einzigen Aufgabe zu widmen: dem Kautschuk. Ist Hayward auf der Suche nach der Formel einen Schritt weiter? Vier Jahre hat Goodyear wie ein besessener geforscht, hat wie ein Bettler gelebt. Undenkbar, wenn der ungebildete Hayward vor ihm am Ziel sein würde.

Geheimnis Schwefel

Die beiden vergleichen ihre Proben und Goodyear bemerkt sofort das Hayward ihm tatsächlich voraus sein muss. Sein Kautschuk ist formbeständiger, klebt kaum an der Oberfläche. Doch was ist sein Geheimnis? Goodyear hat Schwefel an Haywards Kautschuk bemerkt. Doch Hayward hält sich bedeckt. Da behauptet Goodyear einfach, selbst ein Patent auf die Verwendung von Schwefel beantragen zu wollen und entlockt dem unbedarften Erfinder sein Geheimnis. Die beiden beschließen zusammen zu arbeiten.

Hayward kann weder lesen noch schreiben, deshalb bietet Goodyear ihm an, die Formalitäten beim Patentamt für ihn zu erledigen. Doch dann ändert Goodyear seinen Plan, behauptet, es gäbe Schwierigkeiten mit den Behörden, er müsse das Patent unter seinem eigenen Namen anmelden. Hayward willigt ein und Goodyear erhält das Patent mit der Nummer 1090, das die Verwendung von Schwefel zur Kautschukbearbeitung beschreibt.

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