Erzwungener Thronverzicht

1918 wird in Berlin die Republik ausgerufen

Der englische Ozeanriese, die "Lusitania", spielt eine entscheidende Rolle für den Ausgang des Krieges: Als kaiserliche U-Boote die "Lusitania" vor der britischen Küste mit Torpedos versenken, sterben Hunderte von Zivilisten, darunter auch nordamerikanische Staatsbürger.

Von nun an gilt das Kaiserreich auch in den USA als barbarischer Aggressor.

Nachschub aus Übersee

Die Folge: 1917 treten die Vereinigten Staaten in den Krieg ein. Millionen ausgeruhte Soldaten und unbegrenzter Nachschub aus Übersee drängen die Deutschen endgültig auf die Verliererstraße. Ihr Siegeswille ist gebrochen. Kaiser Wilhelm sieht das Reich jetzt in Gefahr - doch Mitleid mit seinen geschundenen Untertanen äußert er nicht.



Nie mehr wird der Kaiser in seine Sommerresidenz nach Potsdam zurückkehren. Es wird immer einsamer um die einst so mächtige Dynastie der Hohenzollern: Jetzt finden hier keine rauschenden Feste mehr statt. Vor den Toren des Palastes bricht die Versorgung mit Rohstoffen und Lebensmitteln zusammen. Aber Wilhelm klammert sich noch immer an die Träume vergangene Größe - ahnt er immer noch nicht, dass die Epoche der Hohenzollern zu Ende geht.

Himmelfahrtskommando

Militärhistoriker Dr. Gerhard Groß hat die Akten der deutschen Kriegsmarine aus den letzten Kriegstagen untersucht. Die einst hochgeheimen Papiere enthalten die Pläne für ein Himmelfahrtskommando. Um die Kampfkraft der Flotte unter Beweis zu stellen und die Ehre der Admiräle zu retten, sollte das Leben tausender Matrosen geopfert werden.


Der Operationsplan Nr. 19 sieht vor, die Flotte Richtung England zu schicken. Die überlegene Royal Navy soll zur Schlacht gezwungen werden. Das einzige Ziel: Die britische Flotte zu schwächen für die Zeit nach dem Krieg - militärisch völlig sinnlos. Die Schiffsbesatzungen meutern - ihre Waffen richten sie jetzt gegen die Staatsmacht. Als der Kaiser die Abdankung verweigert, kommt es zum Generalstreik. Am 9. November 1918 wird in Berlin die Republik ausgerufen.

Der Zug ist abgefahren


Aus und vorbei! "Mit der Krone ist es wie mit der Jungfräulichkeit," so stellt er bitter fest. "Hat man sie erst einmal verloren, dann kommt sie nie wieder zurück!" - Wilhelm realisiert jetzt, dass man ihn nicht mehr mitspielen lässt. Eigenmächtig hat der Reichskanzler den Thronverzicht des Kaisers und seiner Erben erklärt - ohne ihn zu konsultieren. Umgehend wird der Waffenstillstand vereinbart - ohne ihn. Sein Zug ist abgefahren.

Grausame Ironie

Im Sommer 1918 dient wieder das Schloss von Versailles als Bühne der Weltpolitik. Jetzt sind die Rollen aber anders verteilt: Die Zeichen stehen auf Revanche. Dem Deutschen Reich wird die alleinige Kriegsschuld zugewiesen und ein Friedensvertrag mit äußerst harten Bedingungen diktiert. Mit diesen Unterschriften wird das Feuer an die Lunte des nächsten Krieges gelegt.


Der ganze Stolz des Kaisers ist nur noch wertloser Schrott! Aber der über vierjährige Krieg hat nicht nur Material vernichtet. Er kostete auch über acht Millionen Menschen das Leben, eineinhalb Millionen Menschen waren kriegsversehrt. Männer ohne Beine, ohne Arme, ohne Augen. Der Staat gab ihnen so genannte "Ersatzteile". Grausame Ironie: Die technische Entwicklung von Prothesen machte damals enorme Fortschritte. Die Hilfsmittel konnten vielleicht das körperliche Elend notdürftig lindern - aber nicht die Not durch Arbeitslosigkeit: Noch in den 20er Jahren waren 700.000 Männer in den besten Jahren erwerbsunfähig.

Ob verletzt, oder noch mit heiler Haut entkommen: Das Millionenheer der Frontsoldaten wurde in eine ungewisse Zukunft entlassen. In politisches Chaos, Hunger und Elend. Was aus ihnen geworden ist, wissen wir nur von einem ganz genau. Er wird sich dazu berufen fühlen, Deutschlands Glanz und Gloria wieder aufzurichten. Aber er wird den furchtbarsten aller Kriege entfesseln. Sein Name: Adolf Hitler.

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