Es war einmal in der Sahara

Die Wiege Altägyptens stand in der Wüste

Ägypten wird von Wüste beherrscht. Nur rund vier Prozent der Landesfläche sind kultivierbar. Dennoch begann in der Ostsahara, so vermuten Forscher, die Geschichte des Alten Ägypten: Ausgerechnet hier, in einer der lebensfeindlichsten Gegenden der Erde, sollen die Wurzeln der faszinierenden Hochkultur der Pharaonen liegen.

Sanddüne in der Sahara Quelle: ZDF

Die Sahara westlich des Nil ist knochentrocken und lebensfeindlich. Nachts ist es bitterkalt, tagsüber sengend heiß. Und doch behauptet sich hier das Leben. Ob Wüstenfüchse, Schlangen oder Skorpione, die Bewohner der Sahara haben sich mithilfe unterschiedlicher Strategien an die unerbittlichen Bedingungen dieses Sandmeeres angepasst.

Spuren menschlicher Besiedlung

Felszeichnung Flusspferd Quelle: ARTE


Die Wüste birgt aber noch andere Überraschungen. In der Ostsahara stießen Forscher auf Spuren früher Menschen: einen prähistorischen Siedlungsplatz mitten in der Wüste, übersät mit Tierknochen, Resten von Lagerfeuern und bearbeiteten Steinen. Wie konnten die Menschen hier überleben, fernab von jeglicher Wasserquelle? Weiter westlich, im heutigen Libyen, hinterließen die Menschen der Frühgeschichte noch rätselhaftere Spuren: Felszeichnungen von Krokodilen, Giraffen und Flusspferden. In der durch den "Englischen Patienten" berühmt gewordenen "Höhle der Schwimmer" finden sich sogar Abbildungen von badenden Menschen. Wie ist das zu erklären - Wasser mitten in der Wüste?

Inzwischen geht man davon aus, dass die Ostsahara vor ungefähr 10.000 Jahren eine Savannenlandschaft mit Flüssen und Seen war. Durch üppiges Grasland streiften die Tiere, und die Jäger und Sammler folgten ihnen. Sie begannen Rinderherden zu halten und zogen mit ihnen umher. Um Spuren der ehemaligen Flüsse und Seen zu finden, durchleuchten Forscher den Wüstenboden mit Radarsatelliten. So wurden alte Flussläufe sichtbar, die ein bis zwei Meter unter dem Sand verborgen liegen.

Frühägyptisches Stonehenge

Wissenschaftler folgten ihrem Lauf und machten dabei eine weitere erstaunliche Endeckung: circa 7.000 Jahre alte Grundmauern von Hütten, die einst an einem Seeufer standen. Zahlreiche Funde aus verschiedenen Epochen belegen, dass die Gegend jahrtausendelang von Menschen bewohnt war. Und man stieß auf weitere rätselhafte Spuren aus der Vergangenheit: einen Steinkreis, der ein wenig an Stonehenge erinnert.

Steinkreis Wüste Quelle: ZDF

Amerikanische Forscher stellten hierzu eine Theorie auf: Der Steinkreis ist von zwei Achsen durchschnitten. Eine zeigt nach Norden, die andere nach Nordosten - genau auf den Punkt am Horizont, an dem am längsten Tag des Jahres die Sonne aufgeht. So konnten die Menschen der Frühzeit genau ablesen, wann ein Jahr vergangen war. Dieser Sonnenkalender konnte den Menschen somit zuverlässig anzeigen, wann der Regen zu erwarten war. Computeranalysen stützen diese Theorie, doch es gibt auch Zweifel: Wurden die Steine tatsächlich vor 6.000 Jahren auf die Sonne ausgerichtet? Unstrittig ist, dass die Menschen dieser frühen Kultur astronomisches Wissen besaßen und sich an Gestirnen orientierten.

Pendeln zwischen Wüste und Savanne

Grafik Monsungrenze Sahara Quelle: ZDF


Wie aber kam es auf dem Gebiet der heutigen Sahara zu Regenfällen? Die Erklärung liegt in der wechselhaften Klimageschichte der Erde: Vor etwa 11.000 Jahren ging die letzte Kaltzeit zu Ende. Aufgrund einer leichten Schwankung der Erdachse änderte sich die Position der Erde zur Sonne. Das Klima auf der Nordhalbkugel wurde wärmer. Große Mengen Wasser verdunsteten über dem Ozean und bildeten schwere Regenwolken. Innerhalb kurzer Zeit verschob sich die Wolkenfront des Sommermonsuns von der Sahelzone bis weit hinauf in den Norden Afrikas. Er brachte den Regen, der die Wüste erblühen ließ.

Regenwasser verdunstet, Wüste Quelle: ZDF


Doch vor etwa 7.000 Jahren begannen die Niederschläge zurückzugehen, die Savanne verdorrte allmählich zur Wüste. Durch einen Rückkopplungseffekt soll die Austrockung noch beschleunigt worden sein: Je stärker die Vegetation schwindet und je mehr Kies- und Sandflächen sich ausbreiteten, desto stärker reflektiert die heller werdende Oberfläche die Sonnenstrahlung. Dadurch kühlt die Luft über der Wüste stärker ab, und es bilden sich weniger Regenwolken. Inzwischen glauben manche Forscher, dass es als Folge der menschgemachten Erderwärmung zukünftig in der Sahara wieder mehr regnen könnte. Die Wüste würde sich dann allmählich in eine grüne Savannenlandschaft zurückverwandeln.

Neue Heimat am Nil

Dort, wo sich das Wasser aus den seltenen Regenfällen sammelt und in Schluchten vor Verdunstung geschützt ist, gibt es in der Ostsahara noch einige wenige Wasserstellen, die Gueltas. Nomaden kennen sie seit Generationen, sie dienen den Dromedaren als Tränke. Die bekannteste unter ihnen ist das Guelta d'Archei. In seiner unmittelbaren Nähe leben Relikte aus den feuchten Zeiten der Sahara: Verwandte des Nilkrokodils. Ihre Vorfahren wurden wahrscheinlich vor Jahrtausenden isoliert, als die Verbindung zum über tausend Kilometer entfernten Nil versiegte. Drei Tiere blieben übrig - Ihr Schicksal gilt als besiegelt.

Die Wüste rückte unerbittlich weiter vor. Vor über 5.000 Jahren hatten sich die Lebensbedingungen in weiten Teilen der Ostsahara so sehr verschlechtert, dass die nomadisch lebenden Menschen ihre Heimat verließen. Viele von ihnen zogen nach Westen, an den einzigen verlässlich fließenden großen Fluss, den Nil. Wahrscheinlich schufen sie damals mit ihrem Wissen und ihren Fertigkeiten die Basis, auf der sich die Hochkultur der Pharaonen entwickeln konnte.

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