Essener und Yahad

Kein Beweis für gemeinsame Identität

Was aber wissen die Experten eigentlich über die Essener? Die fromme Gemeinschaft taucht um 150 vor Christus auf. Mit dem Einmarsch der Römer 68 nach der Zeitenwende verschwindet sie wieder im Nichts. Die Glaubensgemeinschaft der "Yahad" wurde lange Zeit mit den Essenern gleichgesetzt.

Zur Zeit Jesu gehören die Essener mit etwa viertausend Mitgliedern zu den größten Religionsparteien im Land. Sie leben verstreut über ganz Judäa, vor allem aber in Jerusalem. Ihre Gründung geht vermutlich auf die politische Situation damals zurück.

Angriff auf den jüdischen Glauben

Jerusalem um 160 vor Christus. Im Mittelpunkt der Stadt steht der prachtvolle Tempel, das Haus Jahwes - Zentrum des jüdischen Glaubens. Mit brutaler Gewalt hatten die Seleukiden das Land unterworfen und ihm griechische Kultur aufgezwungen. Die Eroberer schändeten das Heiligtum. Jüdischer Opferkult, Beschneidung und Sabbatfeier waren bei Todesstrafe verboten. Fortan sollte Zeus Olympios der höchste Gott sein. Ein Angriff auf den jüdischen Glauben, wie es ihn nie zuvor gegeben hatte.

Im Jahr 152 vor Christus geschieht ein weiterer Frevel. Jonathan aus dem Stamm der Makkabäer reißt das Amt des Hohepriesters an sich. Sein legitimer Vorgänger muss fliehen. War er der rätselhafte "Lehrer der Gerechtigkeit", von dem manche Höhlen-Texte künden? Waren es Essener, die ihm in die Wüste folgten? Die Schriftrollen berichten von den "Söhnen des Lichts", die Jahwe zu neuem Ansehen verhelfen wollen.

Gütergemeinschaft

Die Region, in die sie sich aufmachten, galt als furchterregend. Die antiken Historiker erzählten Schauermärchen von den giftigen Salzen und schwefligen Ausdünstungen des Toten Meeres. Seine Ufer sind, so Plinius und Strabon, ein höllischer Platz. Dort ließ Gott die sündigen Städte Sodom und Gomorrha im Ascheregen versinken, erzählt die Bibel.

Die Mitglieder der Yahad - wie die überlieferte Gemeinderegel aus Höhle 1 dokumentiert - lebten in Gütergemeinschaft und kannten keinen persönlichen Besitz. Sie betrieben Landwirtschaft, hielten Tiere und ernteten die wenigen Früchte, die auf dem salzhaltigen Boden wuchsen - vor allem Datteln. Ihre kargen Mahlzeiten nahm die Gruppe stets gemeinsam ein.

Kultische Requisiten

Auch kultische Requisiten wie Gebetsriemen und Kapseln, die Verse der Heiligen Schrift enthalten und an der Stirn getragen werden, entdeckten die Forscher in Qumran - und zwar ausschließlich in den Schrifthöhlen. Ob die Yahad mit den Essenern identisch ist und einst in der Siedlung lebte, bleibt allerdings fraglich. Denn dafür gibt es keinen einzigen Beweis - weder archäologisch noch historisch.

Wer der straff organisierten Yahad beitrat, legte den Eid ab, ihr Geheimwissen niemals preiszugeben. Das oberste Gebot aber lautete Reinheit - in jeder Hinsicht. Fließendes, "lebendiges" Wasser speiste das Ritualbad - die Miqwe. Mehrmals am Tag, vor jedem Gebet und jedem Gottesdienst stiegen die Männer hinein.

Ihre eindringlichen Reden über Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe erinnern an die christliche Bergpredigt. Kein Wunder, dass Jesus immer wieder in Zusammenhang mit der religiösen Vereinigung gebracht wurde. Die eingeschworene Gemeinschaft beobachtete die Natur, las die Zukunft aus Donner und Blitz und bereitete sich auf die Endzeit vor.

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