Euphorie und Ernüchterung

2000 Volt lassen das "Kabel der Visionen" schmelzen

Am 5. August 1857 war es soweit: Mit großem Aufsehen startete das Unternehmen. Doch nach fünf Meilen riss das Kabel in der Auslegemaschine. Kein gutes Omen, auch wenn es repariert wurde.

In der Mitte des Atlantiks sollte es mit dem Kabel des zweiten Schiffes verspleißt werden. Ständig wurde per Telegraf Kontakt mit der Landstation gehalten, die Funktion des Kabels überprüft. Zehn Tage lief alles nahezu reibungslos, doch dann passierte die Katastrophe: Nach 330 Seemeilen riss das Kabel erneut. Ein Ingenieur hatte die Verlegemaschine zu heftig abgebremst, noch versucht, eine Boje am Kabel zu befestigen. Umsonst. Field und seiner Mannschaft stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben: eine halbe Million Dollar, versunken im Atlantik.

Wie ein Wunder

Bereits ein Jahr später brach er wieder auf. Im tosenden Sturm trafen sich die beiden Schiffe diesmal in der Mitte des Atlantiks. Sie wollten die Telegrafenkabel verspleißen, dann sollte die Agamemnon nach Irland und die Niagara nach Neufundland fahren, aber sie waren vom Pech verfolgt. Kaum war die Verbindung gelungen, riss das Kabel. Immer wieder mussten die Schiffe zurück an ihren Ausgangspunkt. 20 zermürbende Tage lang begannen die Männer, wieder und wieder von vorn. Schließlich gelang es, eine dauerhafte Verbindung herzustellen, und die Schiffe begannen mit der Verlegung.

Wie ein Wunder wurde es eine Fahrt ohne Unterbrechung: Über 1800 Kilometer Kabel verlegte jedes Schiff. Am 5. August erreichte die Agamemmnon unter dem Donner irischer Geschütze die Küste bei Valentia, am gleichen Tag berichtete die Niagara von der Anlandung des Kabels in der Trinity Bay, Neufundland. Zum ersten Mal in der Geschichte waren Alte und Neue Welt durch die Telegrafie verbunden.

Bejubelte Helden

Die Euphorie kannte keine Grenzen. Tagelang feierte man mit Paraden und Banketten Die Reste des Kabels vermarktete der berühmte Juwelier Tiffany in kleinen Scheiben, gefasst als Broschen, mit einem Echtheitszertifikat des gefeierten Unternehmers Cyrus Field.


Field und seine Mitstreiter waren über Nacht von verlachten Fantasten zu bejubelten Helden avanciert. Die britische Regierung konnte nun telegrafisch einen Marschbefehl für Truppen von Kanada nach Indien zurücknehmen und durch Fields Kabel ein Vermögen sparen.

Fatale Entscheidung

Doch während Field sich noch feiern ließ, schien das Kabel nicht mehr einwandfrei zu funktionieren. Schon die Übertragung der Glückwünsche der Queen an den amerikanischen Präsidenten dauerte mehr als 16 Stunden. Die Qualität der gesendeten Signale wurde von Tag zu Tag schwächer. Field war in größter Sorge. Nur 270 Nachrichten waren versendet. Weniger als ein Monat war vergangen, da ahnte Field, dass sein leitender Ingenieur, ein ehemaliger Chirurg Namens Whitehouse, offenbar Fehler bei der Konstruktion des Kabels gemacht hatte. Da traf der Autodidakt Whitehouse eine fatale Entscheidung. Er glaubte, je höher die angelegte Spannung, desto stärker müssten die Impulse werden.

Schließlich jagte er 2000 Volt durch den labilen Draht. Der Stromstoß gab dem ersten Transatlantikkabel den Rest: durchgeschmort auf dem Grund des Meeres. Die öffentliche Meinung über Field und sein Projekt schlug nach dem Versagen des Kabels radikal um. Plötzlich galt er als Scharlatan und Spekulant, eine Zeitung berichtete gar, das Kabel sei nie verlegt worden und alles nur eine Erfindung von Field, um an der Börse Geld zu machen. Doch die Wahrheit war: Seine Telegraph Company war bankrott.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet