Europas Supermacht

Kampf um Bodenschätze begünstigt Roms Aufstieg

2500 Jahre vor unserer Zeitrechnung erfolgt ein weiterer Angriff auf Europas Wälder - aggressiver als jemals zuvor. Er erreicht bisher unberührte Regionen. Die Steinzeit geht zu Ende, eine neue Epoche beginnt: die Zeit der Metall-Herstellung - und anschließend die des römischen Imperiums.

Vom Balkan und von Zypern breiten sich erst Kupfer- ,später dann Bronzehütten bis in die fernsten Winkel Europas aus. Unmengen Holz verschwinden in Bergwerken, Schmelzöfen und Schmieden. Bereits vor 4000 Jahren bricht Zyperns Kupferindustrie zusammen. Erz gäbe es noch genug, aber der Wald ist restlos verbraucht.

Unterwerfung des wilden Europa

Metall bedeutet Reichtum und Macht. Erzlagerstätten werden zum Anreiz für Eroberungen. Der Kampf um Bodenschätze zur treibenden Kraft des Aufstiegs von Europas größter Supermacht. Schon 600 Jahre vor Christi Geburt setzt sich Rom in Bewegung. Ziel des Imperiums ist in den nächsten Jahrhunderten nicht nur die Herrschaft über neue Territorien, sondern auch die Unterwerfung eines noch immer wilden Europas.


Die römischen Legionen erobern immer neue Länder mit Schwert und Spaten. Die Militärmaschinerie ist das größte Straßenbauunternehmen aller Zeiten. Rom wirft ein Netz von Straßen über den Kontinent, von Italien bis nach Britannien, von Kleinasien bis Spanien. "Via est Vita" lautet ein römisches Sprichwort. Und tatsächlich bedeutet die Straße Leben. Ein ständiger Strom von Herden, Handelsgütern und Ideen zwischen Rom und den fernsten Provinzen formt Europas Kulturen und Landschaften für viele Epochen.

Maultiere als wichtigstes Transportmittel



Schlachtvieh und Getreide strömen in die antike Metropole. Mediterrane Tiere und Pflanzen verbreiten sich weit nach Norden. Das römische Reich reist auf dem Rücken von Maultieren. Die gezüchteten Vierbeiner sind das wichtigste Transportmittel des Imperiums. Endlose Karawanen versorgen den Norden mit Olivenöl, Käse, Wein und Waffen, den Süden mit Rohmetall. Zinn ist vermutlich mit der wichtigste Grund, weshalb die Römer eine der unwirtlichsten Regionen Europas erobern. Die Zinnminen von Cornwall, berühmt in der Antike, bleiben bis in die Neuzeit ergiebig.

Ein halbes Jahrtausend systematischer Rodung hat die sichtbare Grenze römischer Zivilisation weit nach Norden verschoben. Aber das Land der Barbaren jenseits von Rhein und Donau ist noch von weiten Wäldern bedeckt. Hier gibt es noch echte Wildnis. Im Gegensatz zu Rom haben die Germanen den Wald nie als Ödland gesehen, sondern als wichtigen Teil ihres Daseins. Deshalb leben hier noch Tiere, die innerhalb der römischen Reichgrenzen längst ausgerottet sind. Doch selbst in diesen Wäldern sind Wildtiere nicht mehr sicher. Auf große Raubtiere ist ein hoher Preis ausgesetzt, der Handel mit Wildtieren schon damals ein lukratives Geschäft.

Gier nach frischem Blut

Roms langer Arm reicht weit über die Grenzen des Imperiums hinaus, bis nach Schottland und Skandinavien. Sogar bis Afrika reicht der Einfluss der mächtigen Herrschaft. Von überall dort liefern Tierhändler Zehntausende Bären, Wölfe und Löwen an eine gigantische Unterhaltungsindustrie. Viele der Tiere überleben den Transport nicht.


Bereits im ersten Jahrhundert nach Christus ist der Braunbär in Europas Wäldern vom Aussterben bedroht. In Dutzenden Amphitheatern des römischen Reiches und im Kolosseum der Hauptstadt johlen die Massen jeden Tag nach frischem Blut. Selbst das kleinste Militärlager hält die Truppen mit Zirkusspielen bei Laune. Tag für Tag vergießen Gladiatoren im gesamten Reich das Blut Tausender Wildtiere.

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