Sie sind hier:

Evans' Mutter-Gottheit

Minoische Geschichte nach eigenen Vorstellungen

Anders als sein berühmter Kollege Heinrich Schliemann arbeitet Sir Arthur Evans methodisch und genau. Jeden Schritt der Ausgrabung hält er fest. Um die vielen Fragmente zu rekonstruieren gewinnt Evans die Hilfe eines Schweizer Künstlers: Emile Gillieron. Dessen Vater hatte schon mit Schliemann in Troja und Mykenae gearbeitet.

Altar-Bild mit Marmor-Kreuz und zwei Statuen
Altar-Bild mit Marmor-Kreuz und zwei Statuen Quelle: ZDF

Fasziniert nimmt Emile Gilliéron die Herausforderung an. In Gilliéron hat Evans den richtigen Partner gefunden. Mit seiner Hilfe wird er die Welt der Minoer wieder zu Leben erwecken. Aber es gibt auch Fragen, bei denen Mythen und künstlerische Phantasie nicht weiterhelfen. Wer waren die Minoer, woran glaubten und warum verschwanden sie? In den Ruinen des Palastes haben Evans Arbeiter ganze Bibliotheken von Lehmtafeln mit geheimnisvollen Schriftzeichen gefunden.

Schriftzeichen der Minoer
Schriftzeichen der Minoer Quelle: ZDF

Ursprung allen Seins

Könnte Evans sie lesen, wüsste er die Antworten. Die Informationen über die Schriften der Minoer behält er für sich. Er alleine will den Ruhm ernten, sie entziffert zu haben, doch er bemüht sich vergeblich. Bis er sie lesen kann muss Evans neben den Mythen seine Phantasie benutzen. Die Gefahr ist, dabei einen Schritt zu weit zu gehen. Evans glaubt fest daran, dass prähistorische Kulturen einer einzigen Mutter-Gottheit huldigten - als Ursprung allen Seins. Aber bislang hat niemand einen Beweis dafür gefunden.

Evans Arbeiter haben eine in den Boden eingelassene Kammer entdeckt, die mit einem schweren Stein verschlossen ist. Ein Kreuz aus Marmor - für die Arbeiter ein christliches Symbol. Aber Evans kennt es auch als ein uraltes ägyptisches Zeichen. Dann erscheinen die Fragmente von zwei Figuren aus Keramik. Die kleinere hält Schlangen in ihren Händen. Die andere trägt eine Schlangenkrone, und Schlangen winden sich um ihre Arme.

Marmor-Kreuz
Marmor-Kreuz Quelle: ZDF

Symbol die minoische Kultur

Vielleicht gibt es ein verborgenes Motiv für Evans Suche nach einer tröstenden Mutter-Gottheit. Frauen haben in Evans Leben eine wichtige und tragische Rolle gespielt. Seine Mutter starb, als er noch ein Kind war. Und seine junge Frau verlor er nach nur wenigen Jahren Ehe. Diese Verluste hat er nie verwunden. Nun hat er eine Göttin gefunden. Kühn gibt er ihr ein Gesicht und einen Namen: die Schlangengöttin. Um zu verkünden, dass er in Knossos den ersten Beweis für eine archaische Mutter-Gottheit gefunden hat, errichtet Evans einen minoischen Altar: Wohl wissend, dass er mit christlichen Symbolen spielt. Ein Fotografen-Team ist vor Ort. Das Altar-Bild geht um die Welt, und mit ihm wird Evans' Schlangengöttin zum Symbol für die verlorene und nun wiederentdeckte Kultur der Minoer.

Minoisches Fresko
Minoisches Fresko Quelle: ZDF

Der Palast von Knossos wächst und wächst. Evans gräbt auf einer Fläche von 30.000 Quadratmetern. Seine Entdeckungen haben in Europa und Nordamerika zu einer stürmischen Begeisterung für alles Minoische geführt. Die Fresken zeigen das Leben in Knossos vor 4000 Jahren: Eine friedliebende Gesellschaft, in der die Frauen eine wichtige Rolle spielten: hoch organisiert, voll Liebe zur Natur und zu den Künsten.

Eine neue Schlangengöttin taucht auf

Auf dem Höhepunkt der Begeisterung erscheint eine neue und sehr viel wertvollere Schlangengöttin. Aber nicht in Knossos, sondern in den USA. Es heißt, dass kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs ein Immigrant mit kostbarer Konterbande in seinem Koffer nach Amerika kam. Eine Schachtel mit den Fragmenten einer Figur aus Gold und Elfenbein. Ein Museum in Boston erwirbt sie für eine erhebliche Summe und zeigt sie stolz als das bedeutendste minoische Kunstwerk, das je gefunden wurde. Nach ihrer Echtheit fragt man nur hinter vorgehaltener Hand.

Schachtel mit Fragmenten einer Figur aus Gold und Elfenbein
Schachtel mit Fragmenten einer Figur aus Gold und Elfenbein Quelle: ZDF

Evans glaubt fest, dass die Minoer eine mächtige Schlangengöttin anbeteten. Deshalb erklärt Evans die Figur für echt als sie auf dem Kunstmarkt auftaucht. Er fragt nicht nach ihrer Herkunft, denn sie ist der Beweis für seine Theorie. Doch ihr Gesicht scheint seltsam vertraut, es ist viel lebendiger und moderner, als alle Bilder von Frauen, die man aus der Antike kennt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Abo beendet