Ewiges Fortleben im Jenseits

Vorstellungen der Pharaonen vom Leben nach dem Tod

Die Bedeutung des mysteriösen Tunnels im Grab von Pharao Sethos I. ist noch nicht geklärt. Es fehlen jegliche Inschriften und die Suche nach Indizien ist schwierig, denn Teile der Decke sind herunter gebrochen. Um die Idee hinter dem Tunnel zu verstehen, müssen die Archäologen andere Königsgräber einbeziehen. Der Wunsch nach Unsterblichkeit gehört zu den Grundpfeilern der ägyptischen Religion. Die Gräber sind das Mittel zum Zweck.

Grabkammer von Pharao Sethos I.
Grabkammer von Pharao Sethos I. Quelle: ZDF

In Abydos erkundet der deutsche Archäologe Günter Dreyer die ältesten Vorstellungen der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Seit 30 Jahren erforscht Dreyer die ältesten Königsgräber Ägyptens. Eines davon ist das Grab des Djer aus der sogenannten 1. Dynastie. Fast zwei Jahrtausende vor Sethos glaubten die Ägypter bereits an ein Leben nach dem Tod.

Hunderte Menschenopfer

Eingemauerte Vorratstöpfe zeigen, dass dem Verstorbenen auch Verpflegung mitgegeben wurde: Versorgung für das Jenseits. Dazu gibt Hinweise auf Menschenopfer. Die Archäologen vermuten, dass die frühen Pharaonen ihre Diener töten ließen, damit sie den König ins Jenseits begleiten. Pharao Djer war einer der letzten, der diese Menschenopfer praktizierte.

Dazu vermutet Dreyer: "Zu jedem Königsgrab gehörte eine ganze Reihe von Nebenbestattungen und Magazine für besondere Beigaben. Und bei Djer sind es besonders viele. Fast 300." Hunderte Opfer, die für den Pharao starben und ihm in die Unterwelt folgten.
Das Grab war als Palast für das Jenseits angelegt. Das beweist die Nischengliederung der Wände, ein eindeutiges Merkmal des königlichen Wohnsitzes. Eines Wohnsitzes, den der Pharao mit Hilfe einer Scheintür verlassen konnte um sich mit den Göttern zu vereinen.

Palast fürs Jenseits
Palast fürs Jenseits Quelle: ZDF

Die wichtigste Vereinigung nach dem Ableben eines Pharao ist die mit dem Herrscher der Unterwelt - dem Gott Osiris. Jeder Ägypter will das Schicksal des mumienförmig dargestellten Gottes teilen. Denn auch Osiris lebte einst auf der Erde, wurde ermordet und durch Zauberkraft wiederauferweckt. Der Hauptkultort der Ägypter war das Grab des Pharao Djers. Da die alten Ägypter Osiris als den ersten göttlichen König ansahen, suchten sie sein Grab bei den menschlichen Nachfolgern. Berge von Scherben zeugen von den Pilgern. Jeder wollte sich die Gunst des Osiris sichern, denn in der Unterwelt entscheidet er über Leben und Tod. Das Grab des Osiris wurde zum wichtigsten Wallfahrtsort Ägyptens.

Veränderte Jenseitsvorstellungen

Die Ägypter hingen an ihrem Leben. Sie liebten das Land am Nil, den Gleichklang der Tage, der von immer wiederkehrenden Zyklen geprägt ist. Überschwemmung und Trockenheit. Aussaat und Ernte. Tag und Nacht. Niemand wollte sich davon trennen. Beweise dafür finden sich auf einem der ältesten Friedhöfe Ägyptens: Sakkara. Im Grab des Pharao Ninetjer sucht Professor Dreyer die ersten Veränderungen in den königlichen Jenseitsvorstellungen.

Die Gänge, die Dreyer erforscht, liegen bis zu sechs Meter tief unter der Erde. Riesige Kalkstein-Blöcke versperrten ursprünglich den Eingang. Der König wollte keine ungebetenen Besucher. Während Pharao Djer in Abydos sich mit einem relativ kleinen Grab begnügte, verfügt Ninetjer bereits über 4000 Quadratmeter. Die Korridore sind gut passierbar. Sie sind bis zu 2,20 Meter breit und mindestens 1,70 Meter hoch, so dass man fast überall aufrecht gehen kann. Allein der Hauptkorridor hat eine Länge von über 33 Meter, und die Forscher haben bereits mehr als 100 Kammern entdeckt.

Nachbildung einer Residenz

Mit Vorratskammern waren bereits die früheren Pharaonengräber ausgestattet, doch das Grab des Ninetjer bietet weit mehr als reine Versorgung. Einige der Korridore erinnern an die überdachten Gassen ägyptischer Dörfer. Mit Häuserfassaden und Scheintürschwellen. In einem anderen Bereich liegen Kammern, in denen schmale Tische aus dem Fels gehauen sind oder Modellbetten und Bänke, auf denen die Menschen einst schliefen. Aber keine einzige Hieroglyphe oder ein einziges Relief geben Aufschluss darüber, was genau sich im Grab des Pharao Ninetjer nach dessen Tod abspielen sollte. Die Forscher müssen sich auf ihre Intuition verlassen. Aus der Tatsache, dass es im Grab mehr Korridore als Kammern gibt, schließt Dreyer, dass der Pharao sich in seinem Grab nicht nur die Nachbildung eines Palastes bauen ließ, sondern eine ganze Residenz inklusive umliegender Häuser und Gassen.

älteste Pyramide hatte Stufen
älteste Pyramide hatte Stufen Quelle: ZDF

Nur 60 Jahre nach Ninetjer lässt Pharao Djoser eine Stufenpyramide errichten, das berühmteste Grab in Sakkara und die älteste Pyramide überhaupt. Sie stammt aus dem 3.Jahrtausend vor Christus und zeugt bereits von dem Wunsch des Pharaos, dass seine Seele zu den Göttern in den Himmel aufsteigt. Aber tief im Inneren der Erde, unter dem Pyramidenmassiv verborgen, finden sich auch hier Korridore, Kammern und kilometerlange Gänge. Auch Djoser wollte im Jenseits über eine vollständige Residenz verfügen.

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