Expandierender Katholizismus

Jesuitengründer Franz Xaver und sein Erfolgsgeheimnis

Der Nürnberger Jesuitenpater Günther beschäftigt sich seit langem mit der Geschichte der Missionierung in Goa, vor allem mit dem Wirken des Mitbegründers seines Ordens, Franz Xaver. Bis heute ist Goa für die Jesuiten von zentraler Bedeutung.

Kirchen im Dschungel von Goa Quelle: ZDF,Resa Asarschahab

In der Sakristei der Basilika Bom Jesus befindet sich ein gläserner Schrein. Dort verwahren die Missionare ihre begehrtesten Schätze: Knochen von ermordeten Jesuiten. Der Kampf um die Seelen wurde auch blutig geführt. Die Reliquien, an deren Echtheit man einfach glauben wollte - damals wie heute - werden verehrt als Quelle der Macht Gottes. Im Glauben an ihre erlösende Wirkung wetteiferte man in einer wahren Sammelleidenschaft um deren Besitz. Das wertvollste Kleinod waren die Körperteile von Märtyrern. Für den Glauben zu sterben, das höchste Ziel vieler junger Männer.

Basilika Bom Jesus Quelle: ZDF

Zweite Bestattung

Franz Xaver erlag einem Fieber bei dem Versuch, nach Japan auch in China zu missionieren. Einsam starb er auf der Insel Sancian und wurde mit Kalk bedeckt in fremder Erde verscharrt. Als Christen davon erfuhren, gruben sie ihn aus und bestatteten ihn ein zweites Mal. Und wieder wurde er freigelegt und schließlich nach Goa gebracht.

Reliquie Franz Xaver Quelle: ZDF

Obwohl er zwei Jahre begraben war und sein Leichnam monatelang in tropischer Hitze auf hoher See war, ist Franz Xaver zwar mumifiziert, aber bis heute nicht verwest. An seinem silbernen Schrein suchen täglich Hunderte - Christen wie Hindus - Trost und Erlösung. Die Kraft von Reliquien ist hier unmittelbar zu spüren.

"Wunderarm" eines Missionars

Statue Franz Xaver Quelle: ZDF

Im Jahre 1614 brachten Reliquienjäger Franz Xavers rechten Arm nach Rom, der Papst wollte das Wunder mit eigenen Augen sehen. In Il Gesù, der Mutterkirche des Jesuitenordens, ist der Taufarm des Mitbegründers ausgestellt. Auch der Arm verwest nicht. Das Geheimnis der Erhaltung wird wohl nie gelöst werden. Eine Untersuchung des "Wunderarms" ist für die Jesuiten völlig indiskutabel. Für sie ist die Reliquie ein Zeichen ihres Gottes.

Das Archiv der Jesuiten befindet sich im Machtzentrum der katholischen Kirche, im Vatikan. Gut gesichert lagern hier unter anderem. die vom Papst 1540 genehmigten Satzungen der "Gesellschaft Jesu" und die Antwort auf die Frage. Wie gelang es dem jungen Orden innerhalb weniger Jahre so rasch zu wachsen? Nach einem zwischenzeitlichen Verbot wegen des Vorwurfes der Habgier und Machtbesessenheit, hat der Orden heute wieder gut 19.000 Mitglieder und unterrichtetet weltweit zwei Millionen Schüler. Der indische Pater Peter Schelke studiert Originalhandschriften von Franz Xaver. 1500 Briefe sandte der Missionar nach Europa. Darin offenbart er sein Erfolgsgeheimnis.

Flugblatt-Produktion Quelle: ZDF

Massenwirksam formuliert

Die Jesuiten nutzten das neue Massenmedium Buchdruck zur Propaganda in eigener Sache. Franz Xavers zum Teil bewusst massenwirksam formulierten Briefe wurden tausendfach verbreitet. In ganz Europa meldeten sich begeisterte Freiwillige zum Missionsdienst. Für viele hieß das Ziel Goa, Schaltstelle des Kolonialreichs, wichtigster Außenposten des expandierenden Katholizismus. Auch die erste Druckerpresse Asiens wurde in Goa installiert.

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