Expansion nach Osten

Inkafestung am Amazonas

Sind die Inka auf bereits bekannten Routen ins Tiefland vorgedrungen? Der Quiputext aus dem Jahre 1790 spricht von einer schnellen Expansion des Inkaherrschers Topac Yupanqui nach Osten. Er schuf in kurzer Zeit ein Reich, das von zehn Millionen Menschen bewohnt wurde

An seiner Expedition zum Amazonas sollen mehrere tausend Krieger teilgenommen haben. Pachacute nannte sich Yupanqui später, das heißt so viel wie: "Der, der die Erde verwandelt".

Feindliche Welt

Für die Inka war der Amazonas eine feindliche Welt. Kriegerische Stämme mussten besänftigt werden. Deshalb wurden Botschaften vorausgeschickt und Allianzen angeboten. Die lokalen Stammesfürsten durften die Macht über ihr Volk behalten, mussten sich allerdings den Gesetzen der Inka unterwerfen. Wenn sie das nicht taten, wurde der Stamm umgesiedelt und durch inkatreue Vasallen ersetzt.

Dem finnischen Archäologen Siiriänen ist klar: dort wo er die zwei zusammenfließenden Ströme gesehen hatte, muss er weitersuchen. Dort könnte sich die Festung des Inka Yupanqui befinden. Auf dem Fluss "Madre de Dios" geht die Suche weiter. Fluss der Schlangen, heißt er bei den Indios, weil er sich wie eine Schlange durch die Landschaft windet. Begleitet wird Siiriänen vom bolivianischen Archäologen Juan Faldín. Ein Holzboot auf dem Fluss entpuppt sich als Goldwäscherei. Man begegnet ihnen zu tausenden auf den Flüssen von Peru, Bolivien und Brasilien.

Einfache Technik

"Ich wasche hier Gold, das aus den peruanischen Bergen kommt", erzählt Umberto, der Besitzer. Zwischen 25 und 35 Gramm ist die beachtliche tägliche Ausbeute. Dafür muss die Dieselpumpe den ganzen Tag laufen. Die Technik ist einfach: der schlammige Boden des Flusses wird mit Hilfe eines dicken Schlauches auf eine grosse Filzmatte gepumpt. Dort setzt sich ein mit feinem Flusssand vermischter Goldstaub fest. Die Matte wird viele Male ausgewaschen. Später findet dann der mühsame Prozess der Trennung von Gold und Sand mit Hilfe von Quecksilber statt. Kein gesunder Job, weder für die Arbeiter, noch für die Umwelt.

Weiter nördlich, in der Nähe des Zusammenflusses des Madre de Dios und des Rio Beni, werden die Archäologen erwartet. Einheimische haben von Steinkonstruktionen berichtet. Archäologie im Urwald ist keine einfache Aufgabe. Die Vegetation hat Mauern und Städte überwuchert. Zusätzlich haben die Flüsse oft genug ihr Bett verändert und die Reste historischer Siedlungen zeitweise überschwemmt. Malaria, Denguefieber, giftige Pfanzen und Tiere und die lästigen Mückenschwärme erschweren die Arbeit.

Mächtige Anlage

Die Archäologen entdecken eine eingefallene Mauer. Gehört sie zu einem größeren Siedlungskomplex oder ist sie gar die Wehrmauer der gesuchten Festung? Nach und nach werden immer mehr Teilstücke entdeckt. Später stellt sich heraus, dass sie 600 Meter lang ist und eine mächtige Anlage umschließt. Die Festung liegt 400 Kilometer östlich der bisher bekannten Grenzen des Inkareiches. Am Zusammenfluss zweier Ströme, wie die Chronik schon sagte.

Ein künstlicher Hügel ist bereits von Grabräubern geplündert. Sie haben nichts hinterlassen außer ein paar Scherben. Die Archäologen legen eine Reihe von Testgruben an. Die Gegend hier muss dicht besiedelt gewesen sein, denn in jeder Grube werden pro Quadratmeter etwa zwei Kilogramm Keramik ausgegraben. Juan Faldín findet eine Scherbe mit einer Zeichnung, die untypisch ist für die Amazonasregion. Stammt sie aus den Anden? Auf welchen Wegen ist sie hergekommen?

Die Erforschung der Festung im Amazonasgebiet steht erst am Anfang. Doch schon jetzt sind die Beweise eindeutig: Die Inka sind bis hierher gekommen und vielleicht noch weiter. Die Karte des Inkareiches muss neu gezeichnet werden.

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