Expansion nach Syrien

Kampf für eine politische Vision

Wahllos soll er zu geschlagen haben und junge Männer gezwungen, in seinen Namen zu töten. Solche Geschichten über Hasan-e Sabbah, den Herrn von Alamut, gehören ins Reich der Legende. So standen Zivilisten nie auf der Todesliste, sondern ausschließlich politisch Verantwortliche. Aber Hasan machte den Fida'ii glaubhaft: Die Hoffnung auf eine gerechtere Welt heiligt die Mittel - und danach handelten sie.

Viel ist nicht über das tägliche Leben in der Burg bekannt. Fest steht, es gab strikte Regeln. Mit Nachsicht und Milde konnte keiner rechnen.

Hasan war auch ein exzellenter Wissenschaftler. Ein gebildeter Mann, der sich in allen Bereichen auskannte. Selbst in der Astronomie. Für die Beobachtung der Gestirne verließ er sogar zweimal seine Klause. Es sollten die beiden einzigen Ausflüge bleiben in den 34 Jahren seiner Herrschaft auf Alamut - bis zu seinem Tod im Jahre 1124. So zumindest lautet die Überlieferung. Die meiste Zeit aber verbrachte der Einzelgänger in seinen Studier- und Experimentierstuben - abgeschlossen von der Außenwelt.

Berauschende Wirkung

Erzählungen zufolge widmete er sich der Herstellung von Naturmedizin und probierte verschiedene Rezepturen aus. Sicherlich auch von Pflanzen mit berauschender Wirkung. Berichtet wurde von Drogen, die er seinen Getreuen angeblich regelmäßig verabreichte. Ein Gerücht, das eng mit ihm und seiner Organisation verknüpft ist, das sich über Jahrhunderte hartnäckig hielt und in Europa für Aufruhr sorgte.

Hasan-e Sabbah verfolgte zielstrebig seine politische Vision. Um gegen die herrschende Partei erfolgreich anzukämpfen, brauchte er ein weitverzweigtes Netz aus Verbündeten - auch jenseits der Grenzen. 1102 schickte er Emissäre ins ferne Syrien, um dort eine weitere Machtbasis zu etablieren. Denn seit alters her gab es auch dort eine ismailische Gemeinschaft. Zunächst reisten die Abgesandten nach Aleppo im Norden des Landes. Hoch über der Stadt ragte die Zitadelle in den Himmel.

Syrische Krise

Hinter den Mauern von Aleppo residierte der mächtige Emir Ridwan. Er herrschte über die bedeutende Handelsmetropole und das nahe Umland. Syrien steckte in der Krise. Das Reich war in kleine Stadtstaaten zerfallen. Die Fehden zwischen den Stammesfürsten fanden kein Ende. Blutige Kleinkriege waren keine Seltenheit. Hasans Männer boten sich Ridwan als Bündnispartner an und halfen, seine Rivalen zu beseitigen. Die Zweckgemeinschaft war für den Emir ein Vorteil, der seine Macht stärkte. Im Gegenzug erlaubte er den ismailischen Einwanderern, in Aleppo Propaganda zu betreiben.

Auch für Syrien lautete ihre Devise, Festungen in Besitz zu nehmen und die Bevölkerung gezielt zu missionieren. Die wilde Berglandschaft im Norden schien für den Zweck geradezu ideal. Doch es sollte drei Jahrzehnte dauern, bis die Ismailis Fuß fassten. Erst um 1132 konnten sie eine Burg kaufen: Qadmus - erstanden von einem muslimischen Großgrundbesitzer. Weitere folgten. Die Strategie, die sich schon in Persien bewährt hatte, griff auch in Syrien: eindringen, verschanzen, angreifen. An wichtigen Punkten stationierten die Assassinen, wie sie im Land hießen, mannstarke Kommando-Einheiten.

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