Expansionsdrang der Hetither

Effektiver Militärapparat und strenge Disziplin

Die historischen Fakten offenbaren Einzelheiten über diplomatische Vereinbarungen, politische Winkelzüge und die Kriegsführung der Hethiter. Mächtige Nachbarn setzten ihnen zu. So prägte nicht nur die Sicherung des Reiches, sondern auch der Vorstoß in neue Territorien die Strategie der Herrscher.

Marschierende Soldaten der Hethiter Quelle: ZDF

Die Hethiter entwickelten einen effektiven Militärapparat, doch der Vater des Erfolgs war ihre strenge Disziplin. Trainingspläne diktierten, wie man einen Rekruten zu einem unerschrockenen Krieger aufbaute. Die besten Soldaten spezialisierten sich auf den Kampf im Streitwagen. Ihre Pferde trimmten sie auf Schnelligkeit und Ausdauer. Schwache Tiere wurden sofort aussortiert. Aufrührer bestraften die Vorgesetzten mit Blendung. Das Bespitzeln und Verraten von Kameraden gehörte sozusagen zum Ehrenkodex der Armee.

Ausdehnung des Reichs der Hethiter Quelle: ZDF

Biologische Kriegsführung

Mit den besten Waffen ihrer Zeit zogen die Truppen los, die Welt zu erobern. Nach und nach dehnte sich das Imperium in alle Himmelsrichtungen aus. Zahlreiche Fürstentümer und Königreiche ergaben sich freiwillig oder wurden im Kampf besiegt. Meist gliederten die Herrscher die Kleinstaaten ein, ohne ihre Kultur zu unterdrücken. Aber sie konnten auch anders. Ein Text berichtet von einem Hethiter-König, der eine Stadt plünderte und zerstörte. Zuletzt säte er vergiftete Samen aus, damit der Ort nicht wieder besiedelt wurde. Dies könnte man als eine frühe Form biologischer Kriegführung betrachten.

Der Expansionsdrang der Hethiter traf auch das Weltreich Babylon. Die Zerstörung der Metropole verschaffte Hattusa nachhaltigen Prestigegewinn. Der Führungsrolle als militärische Supermacht stand nur noch Ägypten im Weg. Dort regierte Ramses der Große, der legendäre Pharao des 13. Jahrhunderts vor Christus. Ein außergewöhnlicher Staatsmann, der das Land zu höchster Blüte führte. Um jeden Preis wollte er den Vormarsch der Fremdländer stoppen und sie in die Schranken weisen.

Karte Kadesch Quelle: ZDF

Kampf um Kadesch

Das ägyptische Herrschaftsgebiet erstreckte sich vom Nil bis ins heutige Syrien. Die strategisch wichtige Region an der Mittelmeerküste war stets heiß umkämpft. Die Stadt Kadesch lag genau im Grenzgebiet der beiden kampfbereiten Erzrivalen. Wer Kadesch kontrollierte, galt als mächtigster König im gesamten Vorderen Orient. Der Ort war also der Zankapfel zwischen Ägyptern und Hethitern.

Mit etwa 20.000 Mann - eingeteilt in vier Divisionen - marschierte Ramses II. dem Feind entgegen. Die schlagkräftige Truppe war mit wendigen Streitwagen und einem Arsenal an Waffen ausgerüstet. Der Feldherr selbst setzte sich an die Spitze des Zuges. Kurz vor Kadesch begann der Pharao jedoch einen strategischen Fehler. Mit nur einer Division plante er den Angriff. Prinz Hattusili hingegen wollte Ägypten das Fürchten lehren. Als General befehligte der Bruder von König Muwatalli 37.000 Infanteristen und 3500 Streitwagen. Die Riesenarmee sollte aus dem Hinterhalt kommen und den Gegner überrollen. Sein Trumpf war ein technisch verbesserter Streitwagen. Die neue Superwaffe übertraf das ägyptische Modell bei weitem.

Revolutionierte Kriegsführung

Schon einige Zeit vor der Schlacht von Kadesch führten die Hethiter ihre Neuerung bei den Streitwagen ein. Sie verlegten die Räder vom Ende in die Mitte des Wagens. Und das führte zu einer einschneidenden Veränderung. Denn die Korrektur revolutionierte die Kriegsführung. Auf der umgebauten Kampfkutsche konnten zwei Schützen eingesetzt werden. Mit dem Lenker fuhren also drei Soldaten auf jedem Gefährt. Die Folge: Mehr Stabilität für den Wagen und erhöhte Schlagkraft.


Als das Gemetzel schließlich begann, saß Ramses in der Falle. Denn er wähnte Hattusili noch weit entfernt. So zumindest haben es ihm Spione glaubhaft gemacht. Ein Irrtum, der den Herrscher fast das Leben kostete. Die Schlacht von Kadesch im Jahr 1274 vor Christus ging unentschieden aus. Doch Ramses lässt das Desaster als Erfolgsbericht in die Wände seiner Tempel meißeln. Nur wenige Keilschrifttafeln belegen: Der Ruhm gebührt eigentlich den Hethitern. Sie festigen ihren Einfluss in Syrien und drängen die Ägypter zurück in den Süden. Bis es zu dem berühmten Friedensvertrag zwischen den Kontrahenten kam, sollten noch 15 Jahre vergehen.

Der erste Friedensvertrag

Schon bald überstürzten sich die Ereignisse. König Muwatalli starb. Sein Sohn Mursili III. besteigt den Thron. Der Jüngling herrscht fortan über eines der größten Reiche des Altertums. Der Wechsel trifft das Volk völlig unerwartet. Und der Bruder des Verstorbenen, der siegreiche Hattusili, hat das Nachsehen. Der Konflikt ist programmiert.

Spielszene Mursili III. und Hattusili Quelle: ZDF

In den folgenden sieben Jahren treibt der Zwist zwischen dem Helden von Kadesch und seinem Herrscher den Staat an den Rand eines Bürgerkriegs. Am Ende verliert Mursili sein Amt. Der Nachfolger heißt Hattusili. 1259 vor Christus schließt er mit Ramses II. den ersten Friedensvertrag der Weltgeschichte. Ein notwendiger Schritt nach fast hundertjähriger Feindschaft mit den Ägyptern. Denn längst hatte die Macht der Hethiter den Zenith überschritten. Bei allen Göttern schworen sich die Bündnispartner bedingungslose Bruderschaft und die Einhaltung der Waffenruhe bis in alle Ewigkeit.

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