Expedition Erde (2/5): Ozeane

Vergängliche Architekten des Planeten

Die Ozeane der Welt sind fast so alt wie die Erde selbst. Schaut man auf das Meer, kann man einen Blick genießen, der sich seit Milliarden Jahren nicht verändert hat. Doch die Ozeane sind viel mehr als ein
uraltes Wasserreservoir. Sie formen und verändern den Planeten.

Thomas Reiter an der Küste Quelle: ZDF,Michael Habermehl

An den Küstenlinien der Erde kann man sehen, wie ihre enormen Kräfte das Land abtragen und so die Form eines jeden Kontinents bestimmen. Die Weltmeere sind für das Klima verantwortlich und in ihren Tiefen soll sogar das Leben entstanden sein.

Verzweigte Strömungssysteme

Die Reise von Thomas Reiter beginnt auf dem offenen Ozean. Dort verfolgt er den Weg der Wellen, die sich weit draußen auf den Meeren bilden, die Energie des Windes einfangen und weitertragen bis sie schließlich auf Land treffen. Der uralte Kampf zwischen Ozeanen und Kontinenten wird mit Zeitrafferaufnahmen eindrucksvoll veranschaulicht.

Eine weitere uralte Kraft, durch die die Ozeane die Welt beeinflussen, sind die vielfach vernetzten und verzweigten Strömungssysteme. Thomas Reiter erklärt die neueste Forschungsrichtung, die einen kuriosen Ursprung hat: Gummientchen.

Gummienten revolutionieren Forschung

Gummienten Quelle: ZDF


Die schwimmfesten Tiere waren bei einem Schiffsunglück in den Pazifik gefallen und hatten von dort aus eine unglaubliche Reise um die Erde angetreten. Sie lenkten die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler auf ein weltumfassendes Strömungssystem, das heute als "Globales Förderband" bezeichnet wird. Diese gewaltige Strömung ist für den Wärmeaustausch auf der gesamten Erde von enormer Bedeutung.


Dass die Ozeane genauso wie die Kontinente einem ständigen Wandel unterliegen, zeigt die Forschung von Tim Wright. Der Geologe untersucht Erdspalten in Äthiopien, die erst vor kurzem entstanden sind. Diese ständig wachsenden Risse in der Oberfläche Ostafrikas interpretiert der Wissenschaftler als erste Prozesse, die zur Bildung eines Meeres führen. "Das ist der einzige Ort der Welt, an dem man die Geburt eines neuen Ozeans beobachten kann", kommentiert Wright den Befund.

Tim Wright Quelle: ZDF

Das Mittelmeer wird sterben

Neue Meere entstehen, andere sterben. Das Mittelmeer verliert schon jetzt durch Verdunstung mehr Wasser als Regen und die großen Fluss-Systeme wieder auffüllen können. Glücklicherweise wird es einige Millionen Jahre dauern bis sich dort, wo sich heute Wassermassen ausdehnen, eine Salzwüste bildet.

Die Entstehung einer solchen Salzwüste ist zwar kein schönes Ereignis, aber Dr. Lee Kump von der Pennsylvania State University berichtet von weit gefährlicheren Szenarien bei der Austrocknung eines Meeres. Am Ende das Perm sollen beinahe alle Lebewesen des Planeten ausgelöscht worden sein, weil giftige Chemikalien vom Meeresboden in die Atmosphäre verdunsteten. Wie es wahrscheinlich damals am Grund von Gewässern ausgesehen hat, zeigt er bei einem Tauchgang im Greenlake im Staat New York/USA.

Temperaturanstieg = Artensterben

Goldquallen Quelle: ZDF


Doch bevor die Meere austrocknen, droht ihnen vor allem noch die Gefahr der Erwärmung. Für viele Arten ist ein Anstieg der Wassertemperatur von nur wenigen Grad Celsius bereits existenzbedrohend. So hat der Forscher Dr. Patrick Colin über Jahre die sogenannte Goldqualle beobachtet, die nur in einem abgeschotteten Salzwassersee auf einer Insel des pazifischen Inselstaates Palau lebt. Abermillionen von Quallen bevölkerten den See. Als in einem Jahr die Temperatur schließlich stieg, verschwanden die Nesseltiere fast völlig. Erst ein Temperatursturz des Seewassers ließ die Tiere zurückkehren.

Was also passiert, wenn sich unsere Ozeane dauerhaft erwärmen und ihr Gleichgewicht aus den Fugen gerät, ist kaum abzusehen. Thomas Reiter und das Team von Expedition Erde sind auch im dieser Folge wieder den Urkräften der Erde auf der Spur.

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