Expedition in die "grüne Hölle"

Schauplätze der Ebola-Epidemien

Der Regenwald des Kongo ist gefürchtet als "Grab des weißen Mannes". In den Geschöpfen des Dschungels lauern tödliche Krankheitserreger. Darunter das gefährlichste Virus der Welt: Ebola ist hochansteckend und noch kaum erforscht.

Der Epidemiologe Matthias Borchert ist dem Killervirus auf der Spur. Wo versteckt sich Ebola? Wie sucht es seine Opfer? Wie können wir uns schützen? Der Heidelberger Forscher sucht auf einer lebensgefährlichen Expedition ins Reich eines unsichtbaren Killers nach Antworten. Schon Albert Schweitzer war in seinem Urwald-Krankenhaus in Gabun manches tropische Fieber ein Rätsel. "Viele unerklärliche Todesfälle", so berichtet er, "werden zu Unrecht als Vergiftungen angesehen." Matthias Borcherts Reise führt zum Schauplatz einer der jüngsten Ebola-Epidemien nach Uganda, in die Kleinstadt Masindi. Dort erforscht er, wie sich hochansteckende Viren verbreiten und wie es zu Epidemien kommt.

Virus ohne Gegenmittel

Während des Ausbruchs der Krankheit war er Mitglied des internationalen Ärzte-Teams vor Ort. Jetzt kehrt er zurück, um die Spur des Killervirus wieder aufzunehmen. Er besucht die Großfamilie von Patrick Lumumba. Früher hatte sie 70 Mitglieder, 16 starben an Ebola. Vor allem unter den jungen Erwachsenen wütete die Seuche. Von den Kindern wurden 26 zu Halbwaisen, vier Kinder verloren beide Eltern. Das Werk eines Fiebers, gegen das es keine Impfung und kein Heilmittel gibt. Das Virus lässt seine Opfer innerlich verbluten. Bis zu 90 Prozent der Kranken sterben binnen weniger Tage.

Kein Ort auf dieser Welt ist sicher vor den Todesviren. In Marburg sterben 1967 sieben Menschen an einem bis dahin unbekannten Virus, eingeschleppt von Laboraffen aus Uganda. Der Erreger erhält den Namen Marburg-Virus - er ist Ebolas engster Verwandter. In Hamburg kommt 1974 erstmals das extrem ansteckende Lassa-Virus nach Deutschland. Ein Entwicklungshelfer hatte sich in Nigeria infiziert. Für seine Heimreise werden ein Flugzeug umgerüstet und ein Krankenhaus evakuiert. Man fürchtet eine Epidemie. Der Patient überlebt. Doch sein Fall alarmiert die westliche Welt.

Aufwendige Forschung

Nur am Ort des Ausbruchs lässt sich erforschen, wie sich das Virus seine Opfer sucht. Matthias Borchert befragt alle Familienmitglieder. Wer erkrankte zuerst? Wo hat er sich möglicherweise angesteckt? Zurzeit arbeitet der Heidelberger für das Tropeninstitut Antwerpen, in enger Partnerschaft mit dem Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg. Die aufwendige Ebola-Forschung ist ein Gemeinschaftsprojekt. Nach einigen Stunden entsteht ein bedrückender Stammbaum der Familie. Die Großmutter, soviel steht nun fest, starb zuerst.

Doch einige haben die Infektion überlebt. Sie müssten dem Wissenschaftler wertvolle Informationen liefern können. Offenbar besitzen sie Abwehrkräfte gegen das Virus: Antikörper gegen Ebola. Vielleicht liegt hier der Schlüssel zu einer Schutzimpfung. Borchert bittet um eine Blutprobe. In Uganda ein unheimlicher, Angst einflößender Vorgang. Viele Afrikaner fürchten, mit dem Blut ihre Lebenskraft zu verlieren. Die Familie vertraut dem Deutschen nur, weil er während der Epidemie im Herbst 2000 ein zupackender Helfer war.

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