Expedition ins Neuland

Bruno Baumann ist der erste Fremde seit 70 Jahren

Shambala soll nordwestlich des heiligen Berges Kailash liegen. Deshalb will Baumann dem Sutlej folgen. An seiner Quelle liegt ein Kloster, doch auch die Mönche wissen nicht genau, wo Shambala liegt. Irgendwo im Nordwesten, sagen sie. Baumann ist deshalb überzeugt, dass der Fluss den Weg weisen wird.

Wasser ist der Quell des Lebens. Wenn Shambala Realität war, haben dort Menschen gelebt. Und Menschen brauchen Wasser.

Militärisches Sperrgebiet

Bis vor kurzem war die Region am Sutlej militärisches Sperrgebiet. Bis dorthin schaffte es vor einigen Jahren eine BBC Expedition, dann musste sie aufgeben. Auch der Forscher Charles Allen suchte leidenschaftlich nach Shangri La. Schmerzhaft ahnte er damals, dass ihn nur wenige Kilometer von der Erfüllung seiner Träume trennten. Baumann ist jetzt seit mehr als 70 Jahren der erste Fremde in diesem Gebiet. Warten archäologische Juwelen auf ihn? Oder doch nur die leere Gebirgswüste? Tatsächlich gelingt es ihm, die unsichtbare Grenze, zu überschreiten, an der alle bisherigen Expeditionen gescheitert sind.



Wenige Kilometer später will er überprüfen, wie viel Wasser die Nebenflüsse des Sutlej führen. Aber dann traut er seinen Augen nicht: Sind das Mauerfundamente? Überreste einer Siedlung? Noch unterdrückt er seine Erregung. Kann es wirklich sein, dass nur knapp hinter der einstigen Militärsperre eine solcher Schatz auf ihn gewartet hat. Nur nicht zu früh freuen. Doch es sind tatsächlich die Reste einer alten Siedlung. Kein Archäologe hat dieses Ruinenfeld je zu Gesicht bekommen. Baumann ist wie vom Donner gerührt.

Rituelle Steinsetzungen




Mitten zwischen den Gebäuderesten stehen Steinstelen, so genannte Dorings, rituelle Steinsetzungen, die es weltweit als frühe Religiösität der Menschen gibt.





Die unglaubliche Entdeckung ist ein erster Erfolg. Aber - wer hat die Ruinenstadt gebaut? In der Nähe soll es ein Bön-Kloster geben. Ob die Anhänger der uralten Religion Baumanns Fragen beantworten können? Ob sie Shambala kennen?

Als fünfte Schule anerkannt

Heute ist die älteste tibetische Religion kaum vom Buddhismus zu unterscheiden. Der so genannte neue Bön wurde vom Dalai Lama sogar als fünfte Schule seines Glaubens anerkannt. Nur wenig ist von den ursprünglichen Elementen erhalten. Vor 1300 Jahren tobten in Tibet blutige Kämpfe zwischen einem Bön Großreich und buddhistischen Königtümern.



Wie ein Schwalbennest liegt das Kloster Gurugyem an den Fels geschmiegt. Sein Höhlenlama soll viele Geheimnisse des alten Bön kennen, heißt es. Wissen, das wohl mit ihm sterben wird. Der Weg zur Erkenntnis ist lang und steinig. Falls Baumann das vergessen haben sollte, während des Aufstiegs zum Kloster wird er daran erinnert. Baumann wird sofort vorgelassen. Gastfreundschaft ist ein hoher Wert in allen tibetischen Klöstern - und die Herzlichkeit der Geistlichen ist zutiefst beeindruckend. Der Höhlenlama leiht ihm geduldig sein Ohr.

Asiatisches Atlantis

Die Siedlung sei sehr alt, älter als das Bön Reich, das es hier einst gegeben hat. Die Dorings sollen auf Königsgräbern errichtet worden sein, das hat ihn einst sein Oberlama gelehrt. Von Shambala hat er natürlich schon gehört. Aber die Buddhisten haben es doch erst durch die Bön Mönche kennen gelernt. Eigentlich heißt es Olmolungreng, das Paradies der Bön Religion. Die Buddhisten haben ihm nur einen anderen Namen gegeben. Dass es in der Nähe liegt, glaubt er nicht. Aber etwas weiter flussabwärts gibt es noch mehr Ruinen, eine ganze Stadt. Ruinen des Shang Shung Reiches. Er schreibt die Namen der Ruinen auf: Nyungalkar Karpo. Das Silberschloss im Garuda Tal.

Wenn der alte Höhlenlama Recht hat, wartet flussabwärts eine Sensation. Das Shang Shung Reich ist sozusagen das asiatische Atlantis. Wissenschaftler sagen, Shang Shung sei nur ein Mythos, ein Märchen. Könnte es möglich sein, dass der Lama Recht hat? Und sind die geheimnisvollen Ruinen, von denen er berichtet, auch der Ursprung der Shambala Legende? Ist Shambala mythische Erinnerung an ein prachtvolles Bön-Reich? Hat es einen realen Hintergrund in der Nähe des Kailash? Und wenn ja, warum ist es untergegangen?

Offene Kämpfe

711 nach Christus gerät der Buddhismus in seinem Ursprungsland Indien in Bedrängnis. Islamische Krieger rücken erstmals nach Osten vor. Sie töten jahrhundertelang wehrlose Mönche, zerstören Klöster. Die Inder fliehen nach Norden, über den Himalaja nach Tibet. In das Land der Bön Mönche. Sie missionieren mit großer Kraft. Der alte Glaube gerät ins Hintertreffen. Alte Bön Reiche und neue buddhistische Königtümer bekämpfen sich offen. Nach 300 Jahren triumphiert schließlich das buddhistische Königreich Guge. Es wird zur unbestrittenen Führungsmacht der Region.

Die Ruinen von Guge gehören zu den wichtigsten Kulturdenkmälern Tibets. Wandmalereien beweisen: Trotz der Kriege, die teilweise bis zur Ausrottung geführt werden: Die alte schamanistische Kultur existiert weiter, überlebt in verwandelter Form. Im tibetischen Buddhismus ist das Erbe des Bön aufgehoben und bewahrt.

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