Expertenstreit um die Osterinsel

Besiedelung durch Polynesier oder Inkas?

Als der holländische Admiral Roggeveen die Insel am Ostersonntag 1722 wieder entdeckte, waren die Steinaltäre zerstört, die meisten Statuen gestürzt. Eine Revolution hatte die Zeugnisse der Vergangenheit hinweg gefegt. Doch wer besiedelte die Insel: Polynesier oder ein Inka-Fürst?

Thor Heyerdahl unternahm zwei Expeditionen zu dem Eiland - auf der Suche nach verlorener altperunaischer Kultur.

Suche nach Beweisen

In der Bucht von Anakena ließ er graben. Dort soll der Überlieferung nach ein fremder König gelandet sein. Er legte das Fundament eines Ahus frei. Große Blöcke - perfekt zusammen gefügt. Der Forscher war überzeugt, dass Steinmetze der Inka das Monument erbaut haben. Den Beweis für die These erbrachte er nicht. Dennoch glaubte Thor Heyerdahl unbeirrt, dass die Osterinsel von Südamerika aus besiedelt wurde.


Thor Heyerdahls Pionier der Südsee, der Inka-Ahne Kontiki Viracocha, bleibt eine mythische Figur. Heyerdahl hat Mühe, ihn geschichtlich einzuordnen.

    Historiker José A. del Busto über einen überflüssigen Streit:
    "Ich verstehe nicht, warum die klassische Osterinsel-Forschung die peruanischen Bezüge nicht wahrnimmt. Es steht doch fest: Die Inka sind auf die Osterinsel gekommen - so wie Polynesier in früher Zeit nach Südamerika gelangten. Für mich ist das ein überflüssiger Streit. Denn für diese Annahmen liegen zahllose Beweise vor."

Ankunft des Königs

Wo endet der Mythos und wo beginnt die Geschichte? Jedes Jahr - am Ende des Sommers - feiert die Osterinsel die Ankunft eines legendären Königs. Die Bewohner nennen ihn Hotu Matua. Er soll von Westen gekommen sein - aus dem fernen Polynesien. Hotu Matua brachte seine besten Krieger, Bauern und Fischer mit. Und seine Lieblingsfrau, so heißt es. Die Einwanderer machten die Insel urbar, bauten Altäre und huldigten ihren Göttern. Die neuere Forschung belegt, dass es tatsächlich Polynesier waren, die als erste auf der Osterinsel siedelten. Thor Heyerdahl hatte sich geirrt.

Ein farbenprächtiger Korso erinnert an die Inselgeschichte. Exotische Tänzerinnen wiegen sich in Südsee-Rhythmen. Vogelmenschen in bizarren Posen. Menschenfresser erschrecken die Gäste: Erinnerungen an die dunkle Frühzeit. Keine andere Insel im weiten Pazifik hat eine reichere Tradition. Und keine andere stellt die Archäologen vor größere Rätsel. Im Korso wird eine geheimnisvolle Figur des Vogelmenschen mitgeführt: Sinnbild aus dem alten Peru - wie kam es hierher?

Rätsel der Vogelmenschen

Der Kultplatz Orongo liegt hoch über den Klippen - aus der Spätzeit der Inselkultur. Die Felsen sind übersät mit Petroglyphen: auch hier Darstellungen von Vogelmenschen. Eine in Stein gemeißelte Hinterlassenschaft der Inka? Eine Botschaft der Priester des Tupac Yupanqui?

    Historiker José A. del Busto über einen überflüssigen Streit:
    "Ich verstehe nicht, warum die klassische Osterinsel-Forschung die peruanischen Bezüge nicht wahrnimmt. Es steht doch fest: Die Inka sind auf die Osterinsel gekommen - so wie Polynesier in früher Zeit nach Südamerika gelangten. Für mich ist das ein überflüssiger Streit. Denn für diese Annahmen liegen zahllose Beweise vor."

Datum:

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet