Fälschungen als Instrumente der Macht

Eine klare Rechtsordnung gab es im Mittelalter noch nicht

Unzählige Dokumente aus dem Mittelalter sind gefälscht. Meist beabsichtigten die Fälscher, an sich vorhandene tatsächliche Rechtstitel bzw. Gewohnheitsrecht in eine vorzeigbare schriftliche Form zu bringen. Denn immer wieder gingen Originalfassungen aus irgendwelchen Gründen verloren. Fälschungen des Mittelalters waren aber auch Instrumente der Macht. Der Historiker Prof. Dr. Dr. Ulrich Knefelkamp von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder klärt auf.

Altes Buch vor Buchregal. Quelle: ZDF Quelle: ZDF

Ob ein Dokument aus dem Mittelalter eine Fälschung ist oder nicht, lässt sich nur mithilfe von Experten sagen. Denn viele angebliche Fälschungen sind keine, sondern nur Zeugnisse einer lange bestehenden Rechtssituation. Bei der Einordnung spielen der Grad der Schriftlichkeit und der Überlieferung sowie die Kodifizierung, d.h. die Zusammenfassung der Rechtsbestimmungen in einem Gesetzbuch, und Umsetzbarkeit von Recht eine wichtige Rolle.

Angelegenheiten ins rechte Licht gerückt

Schreiben im Mittelalter Quelle: ZDF


Eine Tatsache war, dass nur wenige Menschen bis zum 14. Jahrhundert überhaupt schreiben konnten. Im Wesentlichen waren das die Angehörigen der Kirche. Das ist auch der Grund, warum sie zu den meisten heute bekannten Fälschern gehören. Sie übten vor allem in Klöstern, bei Bischöfen, Päpsten und weltlichen Herrschern bis zum Kaiser die Schreibtätigkeit aus.


Eine gute und ziemlich kontinuierliche Verwaltung hatte besonders der Papst in der Kurie. Könige und Kaiser, deren Recht im Reich als übergeordnet galt - aber auch erst mal durchgesetzt werden musste -, holten diesen Vorsprung erst im 13./14. Jahrhundert allmählich auf.

Unsichere Rechtslage

Klöster erlitten allerdings oft einen Überlieferungsverlust durch Brände und Überfälle. Daher wurden viele Angelegenheiten durch spätere "Fälschungen" zurechtgerückt. Auch in den Städten, in denen die Verwaltung allmählich im späten 13. Jahrhundert begann, verursachten Brände große Verluste.

Urkunden mussten daraufhin von Stadtschreibern neu geschrieben werden. Und dies alles geschah vor dem Hintergrund einer unsicheren Rechtslage. Denn es herrschte im Deutschen Reich in der Regel das Gewohnheitsrecht bzw. das Recht des Stärkeren.

Rechtsordnung erst ab 1532


Erst im zwölften Jahrhundert gab es Juristenschulen in Italien. Und erst aus dem 13. Jahrhundert sind schriftlich fixierte Rechtsbücher erhalten wie der Sachsenspiegel und der Schwabenspiegel. Dazu kommen dann die schon gut ausgearbeiteten Stadtrechte, die den Alltag und das Zusammenleben der Menschen auf engem Raum regelten.

Eine Rechtsordnung für das ganze Reich im Bereich des Strafrechts wurde aber erst unter Karl V. 1532 erlassen: die Constitutio Criminalis Carolina. Sie diente als Richtlinie. Allerdings lag die Macht und somit die Umsetzung des Rechts immer noch vor allem bei den einzelnen Territorialherren.

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