Fahren ohne Fahrer

Interview mit Entwickler Markus Maurer, zweiter Teil

2057 werden Autos leichter und effizienter sein. Öl wird nicht mehr zwingend der wichtigste Energieträger sein. Markus Maurer, Leiter der Entwicklung Fahrerassistenzsysteme bei Audi, schildert im zweiten Teil des ZDFonline-Interviews zudem, warum Autos in der Zukunft ohne Fahrer auskommen.


ZDFonline: Ob es 2057 tatsächlich fliegende Autos geben wird, wie im Film, ist fraglich. Ist es aber zumindest vorstellbar, dass Autos dann ganz ohne Fahrer auskommen?


Markus Maurer: Ja, technisch wird das machbar sein. Es gibt ja bereits Bereiche, in denen Fahrzeuge ohne Fahrer auskommen. Schienengebundene Bereiche zum Beispiel oder Transportfahrzeuge in Fabriken. Aber das ist nicht das primäre Ziel unserer Entwicklungen.


ZDFonline: In Deutschland hat sich im Vergleich zu Amerika nicht einmal die Automatik-Schaltung durchgesetzt, weil wir anscheinend einfach selbst die Kontrolle über das Fahrzeug haben wollen. Wollen die Kunden überhaupt ein intelligentes Auto, das für sie mitdenkt?


Maurer: Ob und wie Fahrerassistenzsysteme akzeptiert werden ist stark kulturabhängig. Audi geht davon aus, dass Fahrer weiter aktiv fahren möchten. Aber auch bei uns gibt es Technologien, die heute bereits zu 100 Prozent angenommen werden, zum Beispiel ESP. Es gibt einfach Situationen, in denen uns die Fahrer sehr dankbar sind, dass es diese Systeme gibt. Wo das selbstfahrende Auto auf jeden Fall akzeptiert werden wird, sind Situationen, in denen das Fahren überhaupt keinen Spaß macht. Bei Staus zum Beispiel. Da wird das sicherlich kommen.


ZDFonline: Kann ein Fahrzeug eine Verkehrssituation jemals so exakt wahrnehmen wie der Mensch?


Maurer: Das hängt von der Situation ab. Viele Situationen können technische Systeme bereits heute präziser interpretieren als ein Mensch. Es gibt aber auch Situationen, in denen die Interpretations- und Transferleistungen eines aufmerksamen Fahrers noch lange unerreicht bleiben werden. Es ist eine regelrechte Genieleistung, auch komplexe Situationen richtig zu interpretieren.

(Infobox: Donald D. Hoffmann, "Visuelle Intelligenz", 331 Seiten, dtv-Verlag (Januar 2003), ISBN-10: 3423330880.

In den neuesten Assistenzsystemen werden verschiedene Sensoren kombiniert, um die Leistungsfähigkeit des aufmerksamen Fahrers in möglichst vielen Situationen zu erreichen. Der Zuwachs an Rechenleistung hilft der maschinellen Bildverarbeitung gegenüber dem Menschen aufzuholen. Aber es ist ja auch das Ziel von Assistenzsystemen, den Fahrer mit einem Mehr an Informationen zu unterstützen, also zu assistieren im klassischen Sinn.


ZDFonline: Was wird sich in den kommenden zehn Jahren im Fahrzeugbau ändern - und wie wird es in 50 Jahren aussehen?


Maurer: Es wird zwei Trends geben. Der eine, das sind die Fahrerassistenzsysteme, da sind wir gerade dabei, aus dem "dummen fahrbaren Untersatz" ein intelligentes Auto - quasi einen Scout für den Fahrer - zu entwickeln.

Der zweite Trend wird von der entscheidenden Frage bestimmt: Wo kommt eigentlich die Energie für das Mobil her? Wenn man nicht weiter fossile Energien einfach verbrauchen kann, dann wird das eine ganz andere Bedeutung haben.


ZDFonline: Werden wir auch nach dem Ende des Öls noch Auto fahren?


Maurer: Ja. Die individuelle Mobilität ist so wichtig, dass sie weiter bestehen wird - auch in Form des Autos. Höher, größer weiter: Das ist das archaische Moment, warum das Auto so erfolgreich ist. Individualität, Mobilität und Unabhängigkeit ohne Rücksicht auf physische Konstitution - das macht die Bedeutung des Automobils aus.

Aber Autos werden viel leichter und effizienter werden. Es wird dann bestimmt bemannte und auch unbemannte Transportmechanismen geben. Denn obwohl die Menge der verfügbaren fossilen Brennstoffe sinkt, bleibt der Mobilitätsbedarf. Und auch hier wird der Mensch wieder Wege finden, die riesige Menge an Energie, die wir tagtäglich von der Sonne bekommen, zu erschließen und nutzbar zu machen.

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