Fahrt zum Schwarzen Meer

Die Goldschätze von Byzanz

Kiew hinter sich lassend machten sich die Wikinger auf zum gefährlichsten Teil ihrer Reise - zum Schwarzen Meer über die Stromschnellen des Dnjepr. Aus 20 Kilometer Entfernung war ihr grollendes Tosen zu hören. Nur die Mutigsten wagten es, sie zu durchfahren.

Die Gier der Wikinger nach Silber war stärker als die Angst. Doch so mancher fand in den Stromschnellen sein "nasses Grab". Von einem weiß man sogar den Namen: Rafn hatte sich zu weit in den Aifor, den "immer heftigen" vorgewagt, ist auf einem Runenstein in Gotland zu lesen. Damit war die gefährlichste Stelle gemeint.

Alte Wikingertugenden

Hinter den Katarakten lauerten die Pecenegen, kriegerische Nomaden, die es auf die Schätze der Wikinger abgesehen hatten. Das bewaldete Ufer bot ihnen Deckung. Die Boote der Nordmänner waren ein leichtes Ziel. Jetzt mussten die Händler aus dem Norden auf ihre alten Wikingertugenden zurückgreifen: den furchtlosen Kampf mit der Streitaxt.


Der Weg von den Warägern zu den Griechen - von der Ostsee zum Schwarzen Meer - war lang, gefährlich und todbringend. Doch wer ihn heil überstand, auf den warteten die Schätze Byzanz.

Schwierigste Passage

Das Ende der schwierigsten Passage auf dem Dnjepr markiert Chortiza, die "Warägerinsel". Alle Nordmänner machten vor der letzten Etappe hier Station. Sie opferten ihren Göttern zum Dank für überstandenes Unheil und für einen guten Ausgang der Reise.

Der Reisende Ibn Fadlan berichtet, wie einer den höchsten Gott, Odin anruft:

Die Fahrt zum Gold von Byzanz führt über die Dnjepr-Mündung. Auf der kleinen Insel Berezan haben Archäologen einen weiteren Beweis für die Reiseroute der Wikinger gefunden: einen Runenstein. Auf ihm steht geschrieben: "Grani machte dieses Grabmal nach Karl, seinem Kameraden". Das einsame Grab von Berezan ist der letzte Markstein auf dem Weg ins Schwarze Meer, und von dort nach Byzanz. Karl hat das glanzvolle Ende der Reise in den Orient also nicht mehr erlebt. Dafür ist sein Partner Grani wahrscheinlich umso reicher belohnt worden.

Tonnenweise Schätze

Die Waren der Wikinger wurden von den Arabern in Gold und Silber aufgewogen. Und so kamen nach einem langen Rückweg tonnenweise Schätze nach Gotland, wo sie heute - 1000 Jahre später - von den Archäologen freigelegt werden. 80 Prozent aller Funde auf der Insel deuten nach Osten.

Als Händler haben die Wikinger ihren phantastischen Reichtum gewonnen und als kluge Politiker zumindest mitgeholfen, das russische Reich zu gründen. Diese strittige Frage werden zukünftige Archäologen-Generationen endgültig beantworten können, ohne von ideologischen Schranken behindert zu werden. Das Tabu ist gebrochen.

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