Farbenpracht aus der Wüste

Pigmente: Seltener Naturstoff

Mit Farbpigmenten schmückten die Ägypter ihre Tempel und Gräber aus. Sie stammen aus dem "Reich des Todes".

Mit akribischer Präzision brachten die Zeichner die Bilder und Inschriften zu Papier. Auch die Arbeit des Fotografen war unverzichtbar für die Dokumentation des Fundplatzes. Die Fotos halfen den Spezialisten später bei der genaueren Auswertung der einzigartigen Botschaften aus der Vergangenheit. Fest steht, dass der Felsen unter zwei Regenten des Alten Reiches eine regelmäßige Anlaufstelle war. Diente sie als Durchgangslager für Karawanen auf dem Weg nach Afrika oder gar als Endstation pharaonischer Expeditionen? Und was führte die Ägypter in die Gluthölle, an den "westlichsten Rand des Himmels"?

Pigmente für den Prunk der Pharaonen

Bis spät in die Nacht tüftelten die Ägyptologen an der Übersetzung der zahlreichen Hieroglyphen. Denn erst der gesamte Text löste endlich das Rätsel: Die Soldaten des Pharao zogen in die Region, um aus dem Wüstengestein Farbpigmente zu gewinnen. Der seltene Naturstoff war ein begehrtes Produkt. So genannte Pastenreliefs belegen den enormen Verbrauch.


Die Herrscher am Nil schmückten außer den Gräbern auch ihre Tempel mit üppigen Farben. Die unscheinbaren Partikel lockten Hunderte von Männern ins "Reich des Todes". Für die Ausgestaltung von Innenräumen und Fassaden brauchten Künstler Tonnen des kostbaren Rohstoffs. Zunächst zu feinem Pulver zerrieben, entstand die endgültige Mixtur in der Werkstatt der Maler.

Neue Rätsel

Die bunten Schätze aus der Wüste werfen ein völlig neues Licht auf die organisierte Ausbeutung ihrer Ressourcen im Namen des Pharao bereits um 2500 vor Christus. Reibschalen, Überreste eines Freiluftateliers, lassen erkennen, dass die Schreiber, die auf jeder Expedition dabei waren, die Pigmente gleich vor Ort bearbeiten ließen. Sie könnten die Künstler gewesen sein, die ihre Auftraggeber Cheops und Djedefre in der Felswand verewigten, bevor die Truppe, geführt von erfahrenen Scouts, mit dem kostbaren Gut abrückte.

Auf der Terrasse des Berges stellten tief in den Fels gehauene Nischen das deutsche Team vor neue Rätsel. Platzierten die Ägypter darin ihre mitgebrachten Götterfigürchen? Besuchten sie täglich die Stelle, um den Schutz der Wanderheiligen zu erbitten? Vielleicht lagerten in den Wandtresoren auch nur die Lederbeutel mit dem Farbpulver.

Die Überraschung

Ein Schreiber des Pharao hinterließ eine Datumsangabe in Stein. Das ist der eigentliche Clou für die Wissenschaft. "Im Jahr nach dem 13. Mal des Zählens der Rinder und des Kleinviehs von Unter- und Oberägypten des Cheops." Tiere wurden aus Steuergründen alle zwei Jahre gezählt. Demnach muss Cheops mindestens 27 Jahre lang Pharao gewesen sein. Der Turiner Königspapyrus, die einzige zuverlässige Quelle für ägyptische Regierungszeiten, spricht ihm aber nur 23 zu.

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