Südsee: Paradies am Abgrund

Faszination Erde - mit Dirk Steffens

Dokumentation | Terra X - Südsee: Paradies am Abgrund

Die Inseln im Südpazifik gelten als Paradies auf Erden. Doch sie sind bedroht – durch Wirbelstürme, Überfischung und Korallensterben. Dirk Steffens begleitet den Kampf von Schildkröten, Haien und anderen Südseebewohnern gegen die zerstörerischen Kräfte. …

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.11.2017, 19:30
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Wie verstreute Perlen liegen Tausende von Inseln in der Weite des Südpazifiks. In dieser gigantischen Meeresregion verteilt sich eine Landmasse, die einem Drittel der Fläche Deutschlands entspricht, mit den Territorien von 22 unabhängigen Staaten. Einer von ihnen, Vanuatu, umfasst 83 Inseln, die sich über eine Länge von 1300 Kilometern aneinanderreihen.

Gefährliche Zyklone

Zyklone im Südpazifik (Grafik)
Mit der Klimaerwärmung werden in der Südsee noch mehr Zyklone auftreten. Quelle: ZDF

Eine traumhaft schöne Inselwelt, und doch ist man hier der Hölle, so scheint es, näher als dem Paradies. Auf der Liste der am stärksten von Naturkatastrophen bedrohten Länder im „World Risk Index“ nahm Vanuatu 2015 den Spitzenplatz ein. Die größte Gefahr geht von tropischen Wirbelstürmen aus: Zwischen November und Mai brauen sich über dem Südpazifik gigantische Zyklone zusammen. Sie ziehen Tausende Kilometer über das warme Wasser und rauschen in Orkanstärke über die Inseln. Je wärmer das Meer, desto mehr Wasser verdunstet und desto höher steigt die feuchte Luft auf. Die Corioliskraft, die auf die Erdrotation zurückgeht, lenkt die Luft auf einem Band von etwa 500 Kilometer Entfernung vom Äquator ab – genau dorthin, wo sich die meisten Südseeinseln aufreihen. Die kleinen Inseln haben den Zyklonen nichts entgegenzusetzen.

Mit der Klimaerwärmung könnte die Bedrohung zunehmen: Wird das Meerwasser häufiger über 26 Grad warm, werden noch mehr Zyklone die Region heimsuchen. Die Klimaveränderung lässt nicht nur die Zyklongefahr wachsen. Seit Beginn der Industrialisierung ist der Meeresspiegel weltweit um durchschnittlich 20 Zentimeter gestiegen. Aktuell kommen pro Jahr rund drei Millimeter hinzu. Mehreren neuen Studien zufolge könnte sich der Anstieg des Meeresspiegels aber so stark beschleunigen, dass die Südseeinseln schon in 100 Jahren vom Meer verschluckt werden könnten.

Mangroven als Küstenschutz

Mangrovenbäume am Meeresufer
Das Wurzelwerk der Mangroven verhindert die Erosion der Küsten. Quelle: Getty Images

Die realen Bedrohungen durch Stürme und den Meeresspiegelanstieg machen einen effektiven Küstenschutz überlebenswichtig. Viele Südseeinseln profitieren von einer natürlichen Barriere: den Mangroven. Mangrovenbäume gedeihen im Brackwasser. Ihr verzweigtes Wurzelwerk verhindert die Erosion der Küsten, es hat aber noch eine weitere wichtige Funktion: als Brutstätte der Unterwasserwelt. Bakterien aus dem Schlamm ernähren den Krill, kleine Krebse, und diese wiederum dienen als Futter für junge Fische.

Der Fischnachwuchs ist in den Mangroven vor Räubern gut geschützt. Denn große Fische gelangen nicht in das Wurzelgestrüpp. Für den Küstenschutz haben Umweltschutzorganisationen in den vergangenen Jahren Tausende von Mangroven gepflanzt. Die Aufforstung ist aber schwierig, weil die Jungpflanzen erst einmal einige Jahre lang ungeschützt der Kraft der Stürme trotzen müssen. Durchschnittlich schafft es nur etwa ein Viertel der Setzlinge.

Thunfischfang in der Südsee nach der traditionellen Methode
Thunfischfang mit der Angel - arbeitsintensiv, aber nachhaltig Quelle: bbc

Jedes Jahr landen schätzungsweise 250.000 Meeresschildkröten als Beifang in Fischernetzen. Die Tiere müssen zum Atmen an die Oberfläche. Gefangen im Netz, ertrinken sie elendig. Der Tod der Schildkröten ist ein Symptom der Überfischung, unter der die gesamte Region leidet. Dabei haben die Insulaner ihre traditionellen Fangmethoden. Sie sind nachhaltig und funktionieren sogar in größerem Maßstab. So werden Hunderte von Thunfischen pro Tag auf speziellen Schiffen mit der Hand geangelt. Kleinere Fische lassen die Angelcrews dabei wieder vom Haken, damit der Fortbestand gesichert ist. Beifang gibt es nicht. Doch diese Methoden haben einen Nachteil: Sie sind arbeits- und personalintensiv.

Für die international agierende Fischindustrie ist das Fischen mit der Angel nicht effizient genug. Deshalb durchpflügen riesige schwimmende Fischfabriken die Südsee und sammeln in kilometerlangen Netzen bis zu 200 Tonnen Fisch am Tag ein. Die Thunfischbestände gehen seither in der Südsee dramatisch zurück. Zudem bedroht das Problem des Beifangs den Bestand noch ganz anderer Arten. Eigentlich sollte die 200-Meilen-Zone um jede Insel andere Fischereinationen auf Distanz halten. Aber dazwischen gibt es Lücken – etwa eine Million Quadratkilometer ungeschützte Gebiete.

Eine unbekannte Welt

Besiedlung der Südsee (Karte)
Von Generation zu Generation weiteten die Einwanderer ihr Siedlungsgebiet aus. Quelle: ZDF

Die Verteilung der Landflächen im riesigen Südpazifik nimmt sich aus wie auf einem Fußballfeld verteilte Perlen. Es grenzt an ein Wunder, dass es Menschen überhaupt gelungen ist, zu den abgelegenen Inseln vorzudringen. Die ersten Siedler kamen vor etwa 3000 Jahren aus Asien und weiteten von Generation zu Generation ihr Siedlungsgebiet aus. Bevölkerungswachstum, Not und auch Abenteuerlust waren dabei treibende Faktoren. Die Familie, die eine Insel zuerst besiedelte, stellte den Häuptling.

Für die Europäer war die Südsee lange ein legendenumwobenes Terrain – bis der britische Seefahrer Captain James Cook im 18. Jahrhundert diese unbekannte Welt erkundete und durch seine Expeditionen Weltruhm erlangte. Er unternahm drei Reisen in die Südsee und war zusammengerechnet etwa zehn Jahre unterwegs. Mit an Bord: ein junger deutscher Naturforscher namens Georg Forster. Seine Aufzeichnungen bestimmen unser Bild von der Südsee bis heute maßgeblich. Zusammen mit seinem Vater studierte Forster die fremde Tier- und Pflanzenwelt. Sie stießen dabei in Gegenden vor, die noch kein Europäer betreten hatte. Georg Forsters detaillierte Zeichnungen vermittelten in der Heimat zum ersten Mal ein Bild von der Vielfalt und Exotik der Südseenatur. Später inspirierten die Berichte sogar den großen Naturforscher Alexander von Humboldt dazu, ferne Länder zu erkunden.

Vulkane – Erbauer und Zerstörer

Insel im Südpazifik mit Korallenring
Ein Vulkankegel in einem Ring aus Korallen: Rund 200 Inseln im Südpazifik sehen so aus. Quelle: bbc

Die Kulturen auf den Tausenden Inseln sind extrem vielfältig. Viele Inseln liegen so weit voneinander entfernt, dass es lange Zeit kaum kulturellen  Austausch gab. Doch die im Südpazifik verstreuten Paradiese haben einen gemeinsamen Ursprung: Vulkanismus. Immer wieder einmal wachsen vom Meeresboden überraschend neue Berge empor. Erreichen sie die von Sonnenlicht durchfluteten Regionen, bieten ihre Flanken ideale Wachstumsbedingungen für Korallen – der Ursprung eines neuen Südseeparadieses. Bei etwa 200 Inseln bildet ein Vulkankegel den Mittelpunkt, die von seinen Hängen emporgewachsenen Korallen haben mit der Zeit einen schützenden Ring gebildet. Andere Inseln sind reine Atolle aus Korallenriffen, die nur drei Meter aus dem Wasser ragen.

Korallen wachsen nur wenige Zentimeter pro Jahr. Dennoch sind diese winzigen Tierchen die Baumeister der größten von Lebewesen erschaffenen Strukturen. Doch Vulkane sind nicht nur der Ursprung der Südseeinseln, sondern oft auch ihr Ende. Denn der Vulkangürtel des Pazifischen Feuerrings zieht sich quer durch die Südsee. Unter den 119 Südseevulkanen zählt der Yasur auf Vanuatu zu den aktivsten Vulkanen der Welt, er bricht alle zwei bis 20 Minuten aus. Mit einem Geologen hat sich Dirk Steffens zwischen zwei Eruptionen in den Vulkankrater hinabgewagt, um von einem frisch ausgeschleuderten, noch glühenden Lavabrocken eine Probe nehmen. Denn darin finden sich Hinweise auf Veränderungen im Vulkan, die auf einen eventuell bevorstehenden gefährlichen Ausbruch schließen lassen können.

Dirk Steffens mit Atemmaske vor dem feuerspeienden Vulkan Yasur

Dokumentation | Terra X - Höllenschlund mitten im Paradies

Die Schläge sind so laut wie Kanonenschüsse. Alles, was wir dabeihaben, ist komplett voller Asche. Dirk Steffens' kühne Expedition zum feuerspeienden Vulkan Yasur.

Datum:

Seit jeher wurde die fragile Inselwelt von Naturkatastrophen heimgesucht, dennoch blieben die Südseeinseln das Traumziel vieler auf der Suche nach dem Paradies auf Erden. Die Südsee hat heute mit vielen zum Teil vom Menschen gemachten Problemen zu kämpfen: den Auswirkungen des Klimawandels, der Überfischung und der Verseuchung der Meere. Aber die Südseeinsulaner kämpfen an vielen Stellen für den Erhalt ihres Paradieses und lassen sich weder ihren Optimismus noch ihre Traditionen nehmen.

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