Die Macht des Schicksals

Bestimmen Himmelserscheinungen über unser irdisches Los?

Jeder ist seines Glückes Schmied, sagt ein Sprichwort. Dennoch gibt es Momente, in denen wir uns dem Schicksal ausgeliefert fühlen. Und dieses Gefühl hat eine lange Tradition. Die großen Sagen der Antike sind voll von Helden, die auszogen, um ihrem Schicksal die Stirn zu bieten. Entfliehen konnten sie ihm nicht. Der Mensch war Spielball höherer Mächte. Nur wer die Zeichen erkannte, Orakel befragte oder die Sterne deutete, konnte mehr über sein Schicksal erfahren. Bis heute ist der Glaube an einen vorgezeichneten Weg lebendig.

Die Astrologie hat es bis ins Weiße Haus geschafft: Sterndeuter sollen die Entscheidungen des einst mächtigsten Mannes der Welt beeinflusst haben, des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan. Seine Ehefrau, so heißt es, ließ ihren Mann keinen Termin wahrnehmen, ohne zuvor ihre Astrologin befragt zu haben. Reagan selbst hat dies immer bestritten. Dabei befände er sich mit seinem Verhalten in bester Gesellschaft: Seit jeher war der Himmel für die Mächtigen von Bedeutung. In der Geschichte nahmen Sterndeuter immer wieder Einfluss auf die Entscheidungen große Herrscher.

Missionare und Astronomen

Im alten China gab es schon vor 4000 Jahren detaillierte Beschreibungen von Himmelsphänomenen. Insbesondere das Ereignis einer Sonnenfinsternis galt als schicksalhaft. Zum einen konnten die Hofastronomen die Exaktheit ihrer Berechnungen am Sternenhimmel überprüfen. Zum andern war die Sonnenfinsternis eine Zäsur in der Regentschaft des Kaisers. Der Zeitpunkt, an dem der Drache die Sonne verschlingt, so die Legende, ist ein Prüfstein für den Kaiser. Kann er diesen Zeitpunkt exakt vorhersagen, festigt der Kaiser in den Augen des Volkes seine Macht.

Vier Jesuiten beobachten eine Sonnenfinsternis in China
Die Jesuiten beobachten das Ereignis durch geschwärzte Glasscherben.

Auch die katholische Kirche berechnete im 17. Jahrhundert den Himmel. Besonders der Jesuitenorden hatte sich der Astronomie verschrieben. Im damaligen Weltbild kreiste noch die Sonne um die Erde. Dennoch ließen sich die Bahnen der Planeten und des Mondes verlässlich berechnen. Die Sternkunde öffnete den Jesuiten so manche Tür auf ihren Missionsreisen. 1618 begibt sich eine Gruppe von Jesuiten, darunter Adam Schall von Bell, auf den Weg ins Reich der Mitte. Der Kaiser von China hat einen Wettbewerb zur Berechnung einer bevorstehenden Sonnenfinsternis ausgerufen. Die Jesuiten, die ihre Chance ahnen, stellen sich der chinesischen Konkurrenz – und gewinnen. Sie können nicht nur den Zeitpunkt der Finsternis, den 21. Juni 1629, exakt vorhersagen, sondern auch den Bedeckungsgrad der Sonne.

Himmlische Botschafter

Diese Leistung beeindruckt den Kaiser zutiefst. Er gewährt Schall von Bell Zutritt zu seinem Hof. Die astronomischen Kenntnisse sind für den Jesuitenpriester der Schlüssel zum Erfolg seiner Mission. Im Laufe der Zeit nimmt er chinesische Lebensgewohnheiten und Bräuche an und behauptet sich auch nach einem Machtwechsel am kaiserlichen Hof. 1630 wird er zum Direktor des Kalenderamts ernannt. Aber die Sterne bleiben ihm nicht gewogen. Nach über 30 Jahren erfolgreicher Arbeit als Hofastronom wirft man ihm Hochverrat vor. Er soll absichtlich wichtige Termine falsch berechnet und damit auch den Tod des neuen Kaisers verschuldet haben. Der Jesuit wird eingekerkert und in einem Schauprozess zum Tode verurteilt. Doch das Schicksal hat offenbar andere Pläne: Ein Komet rettet ihm das Leben. Für die Chinesen ist die Himmelserscheinung eine Botschaft: Das Urteil war unrecht. Schall von Bell wird im letzten Moment begnadigt.

Die uralte Verknüpfung von astronomischer Beobachtung und astrologischer Deutung gibt es heute nicht mehr. Früher waren alle Himmelserscheinungen Zeichen magischer Kräfte. Kometen zum Beispiel galten seit jeher als Verkünder bedeutender Ereignisse oder auch als Unglücksboten – je nach Interpretation.

Die Gesetze der Himmelsmechanik

Da bis ins späte Mittelalter das Himmelszelt als unveränderlich galt, musste alles, was sich am Firmament änderte, Teil der Atmosphäre darunter sein – auch die Kometen, die wie aus dem Nichts am Himmel erschienen. Erst im 16. Jahrhundert erkannte man, dass die Schweifsterne in Wahrheit sehr weit von der Erde entfernt sind. Denn wenn Kometen wie Wolken nahe der Erde entstünden, müssten sie an verschiedenen Orten der Erde vor einem jeweils anderen Sternenhimmel erscheinen – sie müssten eine Parallaxe aufweisen. Tatsächlich aber sind sie von überall immer vor dem gleichen Hintergrund zu sehen. Im 17. Jahrhundert erkannte Isaak Newton, dass dieselbe Kraft, die Äpfel auf den Boden fallen lässt, auch die Himmelskörper auf ihren Bahnen hält: die Schwerkraft. Zwei Kometenerscheinungen, 1680 und 1682, stellten seine Theorie der Himmelmechanik auf den Prüfstein.

Nach Newtons Vorstellungen bewegen sich Kometen auf einer parabelförmigen Bahn (Animation)
Nach Newtons Theorie beschreiben Kometen eine parabelförmige Bahn.

Sein Kollege Edmond Halley, ebenfalls von den Kometen fasziniert, wollte das Phänomen näher verstehen. Als er Newton in 1684 Cambridge besuchte, begeisterte er sich für Newtons Erkenntnisse und studierte dessen Aufzeichnungen. Wie die meisten seiner Zeitgenossen vertrat Newton die Meinung, ein Komet bewege sich auf einer offenen Parabelbahn. Halley hingegen glaubte, die Bahn könne auch geschlossen sein. Das hieße allerdings, dass Kometen immer wiederkehren müssten. Auf der Suche nach einem Beweis für seine Theorie durchforstete Halley Aufzeichnungen früherer Kometensichtungen. Und tatsächlich: Schon zweimal zuvor, 1531 und 1607, war der Komet von 1682 aufgetaucht – immer im Abstand von knapp 76 Jahren. Also musste der Komet, so Halleys Prognose, in 76 Jahren wiederkommen. Er behielt Recht: Bis heute kehrt der Halley’sche Komet immer wieder, zuletzt war er 1986 zu sehen. Es ist derselbe Komet, von dessen Erscheinen im Jahr 1066 der Teppich von Bayeux erzählt. Und der Renaissancemaler Giotto di Bondone, der den Kometen 1301 gesehen hatte, verewigte ihn in seinem Fresko „Anbetung der Könige“ als „Stern von Bethlehem“.

Unser kosmisches Schicksal

Blickt man in den Nachthimmel, so entsteht der Eindruck, im Kosmos würde wenig Überraschendes passieren. Planeten ziehen ruhig ihre Bahnen, die Milchstraße leuchtet als großes, helles Band voller funkelnder Sterne. Dabei ist im Universum alles in Bewegung und ständigen Umwälzungen unterworfen – manche davon könnten über unser Schicksal entscheiden: Sterne explodieren, Sternleichen treiben ihr Unwesen, und Schwarze Löcher verschlingen alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Auf der Suche nach solchen Unheilsbringern scannen Astronomen den Himmel. Kürzlich ist eine neue Gefahr in ihren Fokus gerückt: galaktische Kollisionen. Und ausgerechnet unserer Milchstraße steht ein solcher Crash der Giganten bevor.

In vier Milliarden Jahren soll die Milchstraße mit unserer Nachbargalaxie Andromeda verschmelzen, und ein ganz neuer Sternenhimmel wird entstehen. Sollten dann noch Menschen auf der Erde leben, werden sie Zeugen eines einmaligen Schauspiels am Nachthimmel.

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