Feldherr in Not

Verrat und heimtückische Krankheit

Wallenstein will seine Armee nicht aufs Spiel setzen, als der Kaiser ihn zu einem Winterfeldzug zwingen will. Seine Offiziere stehen mit ihrem Eid hinter ihm. Doch wie weit geht ihre Loyalität?

Einer von ihnen sollte Wallensteins Lage zu nutzen wissen, um selbst den Platz an der Spitze des Heeres einzunehmen. Octavio Piccolomini glaubt, die wahren Pläne des Generalissimus zu kennen.

Denunzianten-Brief nach Wien

Piccolomini ist Kommandant von Wallensteins Leibgarde und seiner Elite-Reiter, einer der wenigen, denen der misstrauische Feldherr vertraut. Piccolomini schickt Wallensteins Kürassiere mit einem Denunzianten-Brief nach Wien. Das Schriftstück ist bis heute verschollen. Doch ein Bericht gibt Auskunft über die schweren Beschuldigungen gegen Wallenstein. Es ist ein Schreiben eines Hofrates, dem Piccolomini selbst enthüllt hat, was er über den Friedländer erfahren haben will.

Ins Unermessliche wächst die Angst, der Generalissimus könnte seine Truppen gegen den Kaiser mobilisieren. Wie gefährlich ist Wallenstein wirklich? Es wird immer schwieriger ihn zu durchschauen. Seine Verhandlungen enden in einem Labyrinth falscher Hoffnungen und Versprechen - Folge einer mysteriösen Krankheit? An den Rand seines Horoskops notiert er seine Leiden: Gicht, Pest und eine Art Malaria. Wissenschaftler aber spekulieren bis heute darüber, ob sein Geist von der Lustseuche Syphilis besessen war.

Diagnose: Syphilis

Anhand von Knochen aus früheren Epochen kann man die Spätfolgen der Syphilis untersuchen, mit denen zunächst die Gicht und die höllischen Schmerzen des Generalissimus erklärt werden können. Heute gibt es solche Fälle nicht mehr, die Krankheit ist heilbar. Von den Gebeinen Wallensteins existieren auch Fotos. Bereits 1975 hat ein Prager Anthropologe seine sterblichen Überreste untersucht. Diagnose: Syphilis. Ist der bis heute umstrittene Befund aus der Sicht moderner Wissenschaft haltbar?

Das Syphilis-Bakterium greift nach Jahren auch das Gehirn der Erkrankten an und setzt die progressive Paralyse in Gang. Die massive Zerstörung des Nervensystems kann Denkstörungen, extreme Reizbarkeit und Gewaltneigungen zur Folge haben - und Größenwahn. Rund zehn Jahre nach der Infektion müssen sich bei ihm die Anzeichen der Paralyse bemerkbar gemacht haben.

Mentale Störung

Die Unterschriften des Feldherrn aus unterschiedlichen Lebensjahren sprechen für eine mentale Störung. Aus der einst kunstvoll geschwungenen Signatur ist gegen Ende seines Lebens ein unscheinbares Gekritzel geworden. Besonders dramatisch sind die Veränderungen der Schrift in den Jahren 1633 und 34 - in der Zeit seiner Verhandlungen. Als Vertragspartner dürfte der schwerkranke Generalissimus wohl nicht mehr zurechnungsfähig gewesen sein. Wissenschaftler gehen davon aus, dass er kaum noch einen klaren Plan verfolgen konnte.

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