Festung Alamut

Hasans autonome Gemeinschaft

In Persien verbreitete Hasan-e Sabbah die Lehre des Propheten, so wie die Ismailis sie seinerzeit auslegten. Als einer ihrer Da'is - als geistlicher Führer - zog er im Frühjahr 1090 durchs nördliche Bergland auf der Suche nach einem Hauptquartier.

Hasan-e Sabbah missionierte Muslime zum Glauben an den von Gott geleiteten Imam - eine der Häuptsäulen ismailischer Tradition. Ebenso wie die mündliche Erklärung der einzelnen Suren. Hasan ließ nichts unversucht, die Einheimischen für seine Sache zu gewinnen. Bei den Menschen in den entlegenen Gebieten fand er aufmerksame Zuhörer. Seiner Überzeugungskraft konnte sich kaum einer entziehen.

Ideales Versteck

Die schwer zugängliche Region präsentierte sich als ideales Versteck. Dort hielt Hasan Ausschau nach einem geeigneten Hauptquartier für sich und seine Leute, einer Basis für den Kampf gegen die anderen Religionsparteien. Im Herzen des Elbursgebirges fand der Da'i endlich das, wonach er gesucht hatte. Vor seinen Augen erhob sich der Felsen von Alamut - 2175 Meter hoch. "Aluh Amut - die Erkenntnis des Adlers". Den Namen erfand einst ein König, als sein dressierter Raubvogel auf dem Plateau landete. Der Herrscher erfasste sofort die strategisch günstige Lage des Massivs und ließ dort eine Festung errichten.

Schnell baute der schlaue Stratege in dem weiten Bergland eine verlässliche Infrastruktur auf. Dank einer ausgeklügelten Nachrichtenübermittlung konnten sich die Verbündeten mühelos miteinander verständigen, selbst über weite Distanzen. Von den unterschiedlichen Außenposten sendeten sie eine Art Morse-Code per Lichtsignal. Vor allem in Zeiten der Gefahr ein nützliches Frühwarnsystem.

Staat im Staat

70 Burgen nannte der ismailische Freiheitskämpfer schon bald sein eigen - erobert, erworben oder erschlichen. Hoch oben im Norden Persiens entstand ein autarker Staat im Staat - ein einzigartiges Netzwerk aus Gleichgesinnten. Gelenkt von einem religiösen Führer mit politischen Ambitionen. Sein Ziel, die Ismailis im Land auf eine Linie einzuschwören, war endlich in greifbare Nähe gerückt. Von Norden nach Süden, von Westen nach Osten - in alle ismailische Gemeinden reichte der schützende Arm von Hasan-e Sabbah.

Seit kurzem steht der Felsen von Alamut im Visier der Wissenschaft. Auf der so genannten Unterburg gräbt ein Archäologenteam aus Teheran. Im Schatten des Plateaus lagen einst Werkstätten und Wirtschaftsräume der Anlage. Unter der Leitung von Dr. Hamide Choobak erfolgt die erste staatlich unterstütze Erforschung des geschichtsträchtigen Ortes. Die Ausgräber haben Gefäße aus Bronze, schwere Zierbeschläge, massive Ketten aus Eisen und jede Menge Münzen entdeckt. Die Geldstücke tragen den Prägestempel von Alamut. Wichtiges Indiz für die Existenz eines autonomen Staates zur Zeit Hasans.

Atemberaubener Anblick

Nur wenige der Mauern auf dem Gipfel haben die Zerstörung durch die Mongolen überdauert. Tief im Gestein liegt der Hauptteil der Ruinen - Überreste von Räumen. Die Felswände außen verkleideten die Architekten Hasans geschickt mit einem Backsteinmantel. In jenen Tagen muss die Trutzburg einen atemberaubenden Anblick geboten haben. Hoch oben lebten nur etwa 200 Männer. Die Bauern im Tal sorgten aus freien Stücken für die tägliche Verpflegung der Gipfelbewohner.

Am Ende der fruchtbaren Ebene, etwa 34 Kilometer von Alamut entfernt, besaßen Hasans Leute einen weiteren Kontrollpunkt. Wie die Hauptburg - hoch gelegen und uneinnehmbar: die Festung Lamasar. Das Bollwerk leistete den Mongolen im 13. Jahrhundert erbitterten Widerstand, konnte sie aber letztlich nicht aufhalten. Die Archäologen aus Teheran wollen die Ruinen demnächst gründlich untersuchen. Auch die anderen Burgen aus Hasans Zeit sollen wissenschaftlich dokumentiert werden.

Frei von Unterdrückung

Von Alamut aus steuerte Hasan-e Sabbah erfolgreich die Geschicke der Gemeinschaft. Inspiriert durch das tägliche Studium des Koran und weiterer philosophischer Schriften. Berühmt wurde seine umfangreiche Bibliothek, die er in dem weitläufigen Gemäuer einrichtete. In der stillen Abgeschiedenheit arbeitete er an der Umsetzung eines idealen Staates. Eines Staates, der frei ist von Unterdrückung durch die Seldschuken und Sunniten.

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