Filmen aus dem Helikopter

Interview mit Kameramann Peter Thompson

Hubschrauber-Kameramann Peter Thompson über seine Arbeit und seine Erkenntnisse über Deutschland.

Helikopter-Kameramann Peter Thompson
Helikopter-Kameramann Peter Thompson Quelle: ZDF

ZDF: Was ist das Besondere an der Arbeit eines Kameramanns im Hubschrauber?

Peter Thompson: Eigentlich ist fast alles anders. Man hat es immer mit einer dreidimensionalen Bewegung der Kamera zu tun, denn die Kamera hängt ja außen, am Bauch des Hubschraubers, und wir fliegen durch die gesamte Szenerie. Das verändert alles, was man auf dem Boden als Kameramann gewöhnt ist. Außerdem steht man ja nicht neben seiner Kamera, sondern man bedient alles ausschließlich über ein Bedienfeld und einen Joystick. Das erschwert die Orientierung ungemein.

ZDF: Wie schaffen Sie es, dass die Bewegungen der Kamera sanft und schwebend wirken?

Thompson: Im Prinzip ist eine mehr oder weniger normale, sehr hoch auflösende HD-Kamera außen am Hubschrauber angebaut. Sie ist fünffach gelagert in einem so genannten Gyro-System. Diese Lagerung federt alle Schwingungen und Vibrationen und alle Luftstöße in einem permanenten Rechenprozess ab. Das System, das ich benutze, heißt Cineflex. Es ist von einem kalifornischen Ingenieur, John Coyle, entwickelt und gebaut worden, der inzwischen übrigens ein Nachbar von mir in Queenstown in Neuseeland ist. Wir entwickeln das System gemeinsam weiter.

ZDF: Welche Schwierigkeiten birgt das Filmen aus dem Hubschrauber?

Thompson: Leider gehen - trotz der sehr guten Technik - immer eine Menge Dinge schief. Das System ist sehr komplex, und es muss in jeden Hubschrauber, mit dem wir fliegen, immer wieder neu eingebaut werden. In viele Helikopter kann man das System jedoch gar nicht einbauen, und manchmal funktionieren die Komponenten nicht miteinander. Manchmal hapert es an der Stromversorgung, ein Kabel ist hinüber usw. - es gibt jede Menge Fehlerquellen. Wenn man dann in der Luft ist, gibt es oft Probleme mit dem eingeschränkten Winkel, den die Kamera erfassen kann.

Schwierige Orientierung

Helikopter mit "Cineflex"-Kamera
Helikopter mit "Cineflex"-Kamera Quelle: ZDF

Thompson: In den optimalen Hubschraubern kommen die Kufen nur selten störend ins Blickfeld, man hat also vielleicht 280 bis 300 Grad Rundumsicht. Allerdings kann man nicht aufwärts schauen - nur seitwärts in allen Varianten und natürlich nach unten. Für mich als Kameramann ist das Hauptproblem, dass ich nur auf meinen Bildschirm schaue, um das Bild zu gestalten, das ich schieße. Dabei verliert man die Orientierung für den Gesamtraum. Pilot und Regisseur sehen die Welt draußen durch die Fenster und haben viel mehr Überblick und Orientierung. Da kommt man mit der Kamera oft nur schwer hinterher.

ZDF: Sie sind in mehr als 50 Ländern geflogen. Was war für Sie bisher am beeindruckendsten?

Thompson: Meine Heimat, Neuseeland, ist schon besonders beeindruckend, weil es sehr viele verschiedene Landschaften gibt. Vor allem relativ unberührte.

ZDF: Für den Kinofilm "Home" von Yann-Arthus Bertrand haben Sie die Umweltzerstörung der Erde gefilmt. Was war der schlimmste Drehort für Sie?

Thompson: Ganz sicher die Region um den Aral-See in Kasachstan, in der ehemaligen Sowjetunion. Das Ausmaß dieser Umweltkatastrophe wird aus der Vogelperspektive noch viel bedrückender. Auch sonst war Kasachstan nicht gerade der Ort, wo man gerne sein möchte.

ZDF: Sie haben jetzt mehrere Monate lang immer wieder Deutschland von oben gesehen. Hat Sie etwas überrascht?

Thompson: Man erwartet von Deutschland, dass es ein industrielles Land ist. Das ist das internationale Image. Ich muss nun sehr zu meiner Überraschung sagen: Ja, es mag auch industriell sein, aber Deutschland hat sich auch seine Flächen für die Natur erhalten und sie geschützt. Das ist teilweise wirklich sehr verblüffend, zum Beispiel im Wattenmeer, im Elbtal, im Alpen-Vorland. Wie heißt der Fluss noch? Die Isar - sie erinnert mich mit den Griesflächen an Neuseeland. Ungedämmte Flüsse - das erwartet man von Kanada, Neuseeland, Alaska. Die Vielzahl der alten Städte überrascht mich auch. In Neuseeland erinnert nichts ans Mittelalter. Da gab es unser Land noch nicht.

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