Fischer und Seeräuber

Tauchfahrt in die Vergangenheit - Die Korsaren von Saint-Malo

Die vorbereitende, technische Phase der Grabung ist abgeschlossen, nun kann der eigentliche Teil der Arbeit beginnen. Das Gebiet wird in zwei Zonen unterteilt. Im westlichen Teil liegt eine große versteinerte Masse, im Osten die Mehrzahl der Kanonen. Anhand von geborgenen Fundstücken soll das Wrack genauer bestimmt werden.

Schwer bewaffnet

Nach und nach werden Wrackteile an die Oberfläche geholt, jedes Detail kann aufschlussreich sein. Es kann Hinweise auf die Art des Schiffes geben, auf seine Herkunft und die Mannschaft. Erste Anhaltspunkte liefern die insgesamt 26 Kanonen: das Schiff war schwer bewaffnet. Wie durch ein Wunder ist der Bug erhalten, er lässt Rückschlüsse auf die Länge des Schiffes von ungefähr 40 Meter zu. Das Maß stimmt mit historischen Texten und Stichen überein, die von den Korsaren handeln. Um die ersten Fundstücke nach der Bergung vor der Seeluft zu schützen, wickeln die Forscher sie sorgfältig ein. Hunderte Musketenkugeln, Säbelgriffe und Pistolenteile sollen zur Identifikation des Schiffes dienen. Die Art der Waffen könnte auf einen Korsaren hindeuten.

Reichtum durch Fischerei

Für die Archäologen ist ein weiterer Fund jedoch aussagekräftiger: Eine auffallend große Ansammlung von Holzschaufeln. Sie sind ein wichtiges Indiz dafür, dass das Wrack tatsächlich ein Korsarenschiff war. Das Ende der Schaufeln ist nicht mit Eisen beschlagen, damit es nicht rosten kann. Mit solchen, vor 300 Jahren typischen Werkzeugen wurde Salz geschaufelt, das damals einzige Konservierungsmittel für Fisch. In Friedenszeiten verdankte die Stadt Saint-Malo ihren Reichtum vor allem der Fischerei. Die Forscher sehen ihre Vermutung bestätigt: auf dem Meeresgrund liegt ein Fischerboot, das vor Waffen nur so strotzt. Wenn sie nicht gerade feindliche Schiffe angriffen, fingen die Korsaren vor Neufundland Kabeljau. Die Fischerei war ihre eigentliche Aufgabe - nur in Kriegszeiten wurden sie Räuber. Im 17. und 18. Jahrhundert lagen die Seemächte Europas nahezu ständig miteinander im Krieg.

Lukrative Kaperfahrten

Vorsichtig holen die Archäologen ihren Schatz aus seiner schützenden Ummantelung. Die Taucher bergen weitere Funde: Büchsen und Pistolen und Musketenkugeln. Sie stammen alle aus der gleichen Ausgrabungszone - möglicherweise ein Waffendepot. Weil sie an Land nicht genug zu essen hatten, fuhren die Männer von Saint-Malo zur See. Noch lukrativer als die Fischerei waren die Kaperfahrten. Folglich wurden sie Korsaren, auch für die beteiligten Reedereien ein ertragreiches Geschäft.

Heuer im voraus

Einige Malouiner waren mehr als sechs Monate auf dem Atlantik unterwegs, um an den Bänken vor Neufundland zu fischen. Ihren Fang verkauften sie an der Mittelmeerküste. Andere segelten für zwei Jahre nach Südamerika oder Indien, um dort Handel zu betreiben. In beiden Fällen verhielten sie sich am Ziel ihrer Reise wie harmlose Fischer und Händler. Manchmal jedoch verwandelten sich die Seeleute während der Überfahrten in die gefürchteten Freibeuter. Anders als die Matrosen auf den Kriegsschiffen Ludwig XIV. erhielten die Korsaren im voraus eine Heuer. Und wenn der Feldzug zu Ende war, stand ihnen oft auch ein Teil der Beute zu.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet