Fit für den Großen Tanz

Wie das Volk der San in der Kalahari überlebt

Im Nordwesten Südafrikas erstreckt sich die Kalahari, eine mit spärlicher Vegetation durchsetzte, rotsandige Halbwüste. Hier leben heute noch die San, ein Nomadenvolk. Einst, in prähistorischer Zeit, waren sie als Jäger und Sammler die einzigen Bewohner der gesamten Region.

San-Buschmann mit Wurfspeer
San-Buschmann mit Wurfspeer Quelle: ZDF

In der zerklüfteten Felswelt der Drakensberge, dem höchsten Gebirge Südafrikas, hinterließen die San viele Jahrhunderte lang farbige Zeichnungen, die ältesten sind einige Tausend Jahre alt. Dargestellt sind Tiere und Menschen bei der Jagd und beim Tanz. Bis heute streben die San danach, sich in Ritualen mit den Antilopen zu verbinden und so deren Stärke zu gewinnen. Sie verehren die Antilopen wegen ihrer Ausdauer. Gleichzeitig sind die Tiere für die San wertvolle Beute.

Verdrängung in die Halbwüste

Die San gelten als das ursprünglichste Volk Südafrikas. Einst besiedelten sie im Süden Afrikas ein Gebiet, das die heutigen Länder Südafrika, Namibia, Botswana, Sambia und Simbabwe umfasst. Forscher glauben, dass das Jäger- und Sammlervolk schon vor 20.000 Jahren die Drakensberge durchstreifte.

Grüne Landschaft in den Drakensbergen
Landschaft in den Drakensbergen Quelle: ZDF/Oliver Roetz

Ab dem 15. Jahrhundert drangen afrikanische Stämme von Norden - Khoikhoi und Bantu - mit ihren Viehherden zu den Drakensbergen vor. Und von 1652 an, dem Gründungsjahr Kapstadts, breiteten sich vor allem holländische Siedler in der Kapregion aus. Die Neuankömmlinge verdrängten allmählich die San aus ihrem Jagdgebiet, dem grünen, fruchtbaren Land um die Drakensberge. Ihnen blieb nur der Weg in unwirtlichere Gebiete: Sie zogen in die Kalahari, eine trockene Halbwüste im Nordwesten Südafrikas. Da es in der Kalahari keine Felsen gibt, ging innerhalb von 200 Jahren die Zeichenkunst der San für immer verloren.

Ausdauer ist Trumpf

Um in der Halbwüste zu überleben, haben die Buschmänner gelernt, die kargen Ressourcen klug zu nutzen. Sie sammeln Wurzeln, Nüsse und Beeren. Mit Pfeil und Bogen und mit Wurfspeeren machen sie Jagd auf eine Vielzahl von Säugetieren, Vögel, Reptilien und Insekten. Besonders wertvoll ist das Fleisch von Antilopen. Von einem erlegten Tier kann sich eine kleine Gemeinschaft viele Wochen lang ernähren.

Die Buschmänner haben für die Jagd eine besondere Strategie: Sie stellen den Tieren im Ausdauerlauf nach. Dazu benötigen sie mehrere Stunden, manchmal sogar Tage. Kudu-Antilopen beispielsweise sind sehr schnell und entkommen ihren Verfolgern zunächst. Doch die San sind hervorragende Fährtenleser. Sie versuchen sich in das gejagte Tier hineinzuversetzen und seine Wege vorauszuahnen. Und sie verfolgen es mit enormer Ausdauer. Die Buschmänner können selbst bei großer Hitze bis zu acht Stunden am Stück laufen - ein zweifacher Marathon.

Video: Dirk Steffens misst sich im Ausdauerlauf mit den San-Buschmännern

Effektive Temperaturregelung

Hier offenbart sich, was die Zivilisation meist vergessen lässt: Der Mensch ist von Natur aus ein tödlicher Hetzjäger. Und er hat einen evolutionären Vorteil. Zwei Millionen Schweißdrüsen in der Haut ermöglichen es dem Homo sapiens, seine Temperatur zu regulieren. Der Schweiß sorgt beim Verdunsten für Abkühlung. Antilopen dagegen schwitzen nicht, sie brauchen Schatten zum Abkühlen.

Natürlich ist auch Wasser in der Hitze lebensnotwendig. Während die Jäger der San Wasservorräte mit sich führen, haben die gehetzten Tiere kaum die Möglichkeit, an Wasserlöchern zu rasten und zu trinken. So findet die Jagd ein Ende, wenn das Tier, oft nach Stunden, den Wettlauf verloren hat und erschöpft zusammenbricht. Ein Speerwurf aus kurzer Distanz genügt dann für den Todesstoß. In der Sprache der Buschleute ist damit der "Große Tanz" beendet. Dass die San diesen "Tanz" beherrschen, ist für sie die Voraussetzung, in der Kalahari zu überleben.

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