"Flammen am Himmel"

Zeichen von "oben" helfen gegen Hunger, Not und Elend

Die Route der deutschen Kinder führt von Köln über Koblenz, immer am Rhein entlang. In den ersten Tagen ist es noch ein aufregendes Abenteuer, noch erhalten die Kinder Unterstützung von den Bauern der umliegenden Dörfer.

Sie wandern ohne jedes Gefühl von Zeit und Raum. Wie Kinder eben. Werden sie in einem Monat oder gar in einer Woche ihr Ziel erreichen? Oder Morgen vielleicht? Schon hinter der nächsten Wegbiegung könnte das himmlische Jerusalem auftauchen.

Unter einem schlechten Stern

Nach Koblenz führt der Zug an Worms und Speyer vorbei. Immer Richtung Alpen. Auf dem Weg begegnen sie immer wieder schrecklichen Dingen: an Bäumen hängen tote Kinder. Es gibt Menschen, die den kleinsten Mundraub grausam bestrafen, Bauern die selber hungern. Und die mit kleinen Dieben kurzen Prozess machen. Gerade das Jahr 1212 steht unter einem schlechten Stern. Es begann mit einem nassen Winter, es folgen ein trockener Frühling und ein heißer Sommer. Die Folge sind schlechte Ernten.


Die Kinder sind auf Almosen angewiesen. Doch die Menschen in den Städten und Dörfern haben selbst nichts zu beißen. Plötzlich strömen hungrige Heranwachsende herbei. Wie eine Heuschreckenplage müssen sie den Menschen erschienen sein. Die meisten sind schon entkräftet und unterernährt aufgebrochen. Zum Hunger gesellen sich die Anstrengung des Marsches, die Hitze, die Infektionen, die Krankheiten. Doch all das kann den Glauben an ihre Mission nicht erschüttern. Die Dokumente berichten von wundersamen Himmelserscheinungen. Himmlische Zeichen, die ihnen Mut machten.

Zeichen von Gott


Augenzeugenbericht Rupert: Der Himmel stand plötzlich in Flammen. Gott sprach zu uns allen, das war klar. Es war, als wolle er den Himmel öffnen, herabsteigen aus einer Brunst von Feuer. Wir hatten Angst, doch Nikolaus weinte vor Glück. In dieser Nacht, sagte er uns, hätte Gott ihm ein Zeichen gegeben.

Keine Auffälligkeiten

Was geschah in dieser Aprilnacht im Jahre 1212? Wie sah er aus: der Sternenhimmel in Köln und in Cloyer in jenem Frühling. Gab es Besonderheiten, astronomische Abnormitäten. Sternenkonstellationen, die besondere Himmelsphänomene hervorrufen: Was verbarg sich hinter den ominösen "Flammen am Himmel" von denen die Dokumente sprechen?


Im Planetarium Bochum arbeiten Astronomen an einem der modernsten Sternenprojektoren der Welt. Der Rechner wird auf den Standort Köln, 1212, Mitte April programmiert. Die Himmelsbahnen der Gestirne sind bekannt, ihre Bahnen mathematische Formeln. Die Astronomen können zunächst keine Auffälligkeiten erkennen. Ein weiterer Versuch: Waren es Supernova-Erscheinungen, oder Kometen, die zwischen 1208 und 1220 den Himmel erleuchteten? Auch hier ist das Ergebnis negativ. Doch es könnten Polarlichter gewesen sein, die Nikolaus und Stefan als göttliche Zeichen deuteten. Polarlichter sind ein seltenes, aber ganz natürliches Phänomen. Vor 800 Jahren aber eine religiöse Botschaft.

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