Flöße für den Sonnensohn

Aufbruch bei Neumond

Das heitere Leben an der tropischen Küste mag den Herrscher aus dem Hochland fasziniert haben. Vor allem die Seeleute - ein bunt zusammen gewürfelter Haufen. Hell- und Dunkelhäutige, Gaukler, Feuerschlucker und Prahlhänse, die vorgeben, die ganze Welt zu kennen. Ihre erste Insellandung wird Mangareva sein - die Insel des Sonnenuntergangs.

Tupac Yupanqui hatte in den Monaten zuvor die Stämme an der Küste blutig niedergeworfen. Nun leisten sie ihm Tribut, schicken ihm ihre schönsten Töchter. Besonders liebt er die Spondylusmuschel. Ein Aphrodisiakum - wohlschmeckend wie die Auster.

Jenseits des Meeres

Der Regent Tupac Yupanqui lässt Seefahrer aus fernen Ländern zu sich bringen. Unter ihnen ein Polynesier. Tupac will wissen, woher der Mann kommt, denn die exotischen Gesichtszüge sind dem Sohn der Sonne fremd. Er stamme aus einem Land jenseits des Meeres. Auf dem Weg dorthin lägen viele Inseln. Als Tupac Yupanqui die Worte vernimmt, gibt es für ihn kein Halten mehr. Sofort gibt er den Bau von zahlreichen Flößen in Auftrag.


Die Flößer vor Ort beschwören ihren Vogelgott, er möge die Abenteurer beschützen. Schon beim nächsten Neumond will Tupac Yupanqui mit seinen Getreuen in See stechen. Unter den Einheimischen sucht er die erfahrensten Navigatoren aus. Auch tüchtige Handwerker zum Ausbessern der Flöße dürfen nicht fehlen.

Heyerdahls Beweisfahrt

Seit es Thor Heyerdahl mit der Kon-Tiki schaffte, haben mehr als ein Dutzend Abenteurer versucht, den Pazifik auf einem Floß zu überqueren - ohne nennenswerte Havarie. Warum sollte es also nicht den Inka vor 500 Jahren gelungen sein? 1947 segelt Thor Heyerdahl von Peru Richtung Westen - auf der Route des legendären Kontiki Viracocha. Es heißt, der König sei einst aus seinem Reich am Titicacasee vertrieben worden. Der Flüchtling folgte der Sonne über den Pazifik und gelangte nach Polynesien. Nach 101 Tagen erreicht Heyerdahl das Südsee-Atoll Raroia. Dort wird die Kon-Tiki über das Riff geschleuert und zerbricht. Doch der Forscher konnte beweisen: Ein einfaches Floß schafft es, den Stillen Ozean zu überqueren - dank günstiger Strömungen und Winde.

War der legendäre Kon-Tiki in Wirklichkeit der Inka Tupac Yupanqui? Manches spricht dafür. Auch wenn die alten Chroniken in einem Punkt übertreiben. Sie berichten von 20.000 Soldaten auf Hunderten von Flößen. Die Flotte Tupacs ist eher klein. Auf dem Hauptfloß sitzt der Fürst mit seinen Steuerleuten, Priestern und Konkubinen. Sie gehören zum festen Gefolge und dienen dem Inka. Nahrung lässt sich leicht beschaffen. Den Seefahrern folgen stets Schwärme von Fischen.

Warnung der Götter

In den warmen Gewässern am Äquator lässt der Herrscher nach dem begehrten "roten Gold" tauchen - der wertvollen Spondylus-Muschel, die als Kleinod und Zahlungsmittel in Südamerika hoch im Kurs steht. Die einzig wirkliche Gefahr in jenen Breiten sind die allgegenwärtigen Haie. Zum Schutz vor den Raubfischen reiben die Männer ihre Körper mit giftigen Tinkturen ein. Gibt es in einem Jahr auffällig viele Spondylus-Muscheln, ist dies ein Zeichen, dass sich die Gewässer erwärmen und "El Niño" naht. Die Klimakatastrophe deuten die Inka-Priester und Bauern als Warnung ihrer Götter.

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