Fluch und Segen des Tourismus

Virtuelle Führungen sollen die Gräber vorm Zerfall schützen

Heute geht im Tal der Könige von den Plünderern keine Gefahr mehr aus. Nachtwächter schützen jede einzelne Kammer. Trotzdem sind die berühmtesten Gräber der Welt wieder bedroht. Die Wissenschaftler des "Theban Mapping Project" haben es als Erste gemerkt: Luftfeuchtigkeit und Temperatur in den Grabkammern haben sich in den letzten Jahren dramatisch verändert.

Besucheransturm im Tal der Könige Quelle: ZDF

Verursacht wird das durch die Touristen, für die bei Morgengrauen die Tore geöffnet werden. Mit jeder neuen Busladung wird Feuchtigkeit und Wärme in die Gewölbe transportiert. 8000 Besucher drängen sich pro Tag durch die Gänge. Der Archäologe Kent Weeks gründete das "Theban Mapping Project", um die Gräber zu retten. Zuvor entdeckte er im Tal der Könige ein Grab mit 120 Kammern. Jetzt widmet er sich dem Erhalt der beeindruckenden Nekropole. Sein Team misst morgens und abends die Luftfeuchtigkeit.

Gräber vor dem Kollaps

Am Morgen eines durchschnittlichen Besuchertages liegt die Luftfeuchtigkeit bei 20 Prozent - wenn die Touristen abends die Gewölbe verlassen, hat sie 85 Prozent erreicht. Das Wüstenklima hat die abgeschlossenen Gräber jahrtausendelang konserviert - nun stehen sie plötzlich vor dem Kollaps. Der Putz an den Wänden wird weicher und beginnt abzublättern, die Farben verlieren ihre Kraft, die gesamte Struktur der Gräber ist betroffen, weil die Säulen und Pfeiler irgendwann die Decken nicht mehr halten und zusammenbrechen.

Verputzte Wandlöcher in einem Grab im Tal der Könige Quelle: ZDF

Um das Schlimmste zu verhindern, wurden die gröbsten Löcher der reich verzierten Wände einfach zugespachtelt. Eine Bekämpfung der Symptome. Kent Weeks möchte an den Ursachen arbeiten. Er hat ein Rotationsprinzip durchgesetzt, nachdem die Kammern zur Besichtigung geöffnet und geschlossen werden. Gleichzeitig sorgt er vor, für den Tag, an dem möglicherweise keines der Gräber mehr zugänglich sein wird. Weeks arbeitet an der virtuellen Begehung des Tals der Könige. Interaktive Führungen durch die Grabkammern, die er für jedermann im Internet zugänglich machen möchte. So bliebe auch die letzte Ruhe der Pharaonen gewahrt.

"Masterplan" gesucht

Kent Wells "Büro-Schiff" Quelle: ZDF

Das Büro von Kent Weeks ist sein Schiff. In Sichtweite der antiken Tempel erarbeitet er im Auftrag der ägyptischen Altertumsbehörde einen "Masterplan". Ermittelt wird die kritische Größe der Touristenzahl, die das Tal der Könige verträgt, ohne weiteren Schaden zu nehmen. Der gelernte Archäologe wird zum Berater, aus Grabungsplänen werden Businesspläne.

Die Archäologie hat in Ägypten erst den Boden für den Besucheransturm bereitet. Über sieben Milliarden Euro spülen die Touristen jedes Jahr in die öffentlichen Kassen. Verständlich, dass die Regierung alles dafür tut, den Kult um ihre Vorfahren zu unterstützen.

"Fanmeile" für den Pharao-Transport Quelle: ZDF

Fanmeile für den Pharao

Und so bekommt Ramses II. über 3000 Jahre nach seiner glanzvollen Regierungszeit, wieder einmal einen großen Auftritt. Eigentlich ist es nur der banale Transport seiner Statue. Doch der gerät zum Volksfest, zur Fanmeile für einen Pharao. Ein riesiger LKW wurde so umgebaut, dass der Gottkönig stehend aus dem Smog der Hauptstadt in einen Vorort Kairos geschleppt werden kann. Ramses der Große fesselt die Menschen, heute wie vor 150 Jahren.

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