Fluchtpunkt Ba'ja

Schutz in den Bergen

In der Dschabu-Ebene, nur wenige Kilometer nördlich von Beidha, ist eine Gruppe von Ausgräbern auf dem Weg nach Ba'ja in den jordanischen Bergen - einer weiteren steinzeitlichen Siedlung. Der deutsche Teamchef Hans Georg Gebel und seine einheimischen Arbeiter wollen zu dem Ort, zu dem sich die Bewohner von Beidha einst geflüchtet haben.

Der einzige Zugang zur Siedlung führt durch eine schmale Schlucht. Durch enge Felsspalten - von tosenden Sturzbächen über Jahrmillionen in den Stein gefräst - führt der Pfad steil nach oben: auf ein einsames Plateau in 1100 Metern Höhe über dem Meeresspiegel.

Ideales Versteck

Umschlossen von schroffen Wänden, ein uneinnehmbares Gelände - ideal als Versteck für ein bedrohtes Volk. Dort gründeten die Flüchtlinge ihr neues Zuhause. Sie siedelten auf einer Fläche von kaum eineinhalb Hektar. Die vierzig Meter tiefen Schluchten rundum schützten Ba'ja wie einen Hochsicherheitstrakt. Ein typisches Haus verfügte über 80 Quadratmeter. Etwa zehn Räume verteilten sich auf zwei Geschosse. Das knapp bemessene Areal machte Ba'jas Architekten erfinderisch. Sie setzten auf Höhe: Bis zu drei Stockwerke in einzelnen Gebäuden konnten die Archäologen feststellen.

Rund 600 Einwohner mussten untergebracht werden. Schon bald gab es keinen freien Zentimeter mehr. Die Innenräume der Häuser waren nur noch über Luken von oben zu erreichen. Vor allem auf den flachen Dächern spielte sich das tägliche Leben ab.

Erste Wirtschaftszweige

Mit der Sesshaftigkeit entwickelten sich auch erste Wirtschaftszweige. In Ba'ja blühte schon bald eine einträgliche Schmuckindustrie. Kunstvoll gearbeitete Sandsteinringe waren der Exportschlager der Höhensiedlung. Auf die kleinen Pretiosen stießen Ausgräber sogar im 200 Kilometer entfernten Jericho. In der Steinbearbeitung glänzten die Handwerker von Ba'ja als wahre Meister.
Modeaccessoires und Knöpfe waren das Kurzwarensortiment der Jungsteinzeit vor über 9000 Jahren. Der Wunsch, sich mit edlem Geschmeide zu schmücken, begleitet den Menschen offenbar von Anbeginn. Selbst die Nähnadel - wenn auch aus Knochen - war damals schon erfunden.

Repräsentative Gebäude fehlen in Ba'ja. Daraus schließen Wissenschaftler, dass das Leben im Dorf gleichberechtigte Familienclans regelten. Einen gekrönten Herrscher kannten sie nicht. Allenfalls einen gewählten Häuptling.

Problem: Wasserversorgung

Die Verpflegung der 600 Einwohner forderte höchsten Einsatz. Die Felder und Weiden lagen unten in der flachen Ebene. Das Hauptproblem aber war die Wasserversorgung. Auf dem Plateau gab es keine zugänglichen Quellen. Die einzige Chance war Regen. Wenn er im Winter in Strömen vom Himmel fiel, konnte das kostbare Nass auf dem trockenharten Boden nicht versickern. In reißenden Sturzbächen schoss es durch die Schluchten. Die Einwohner von Ba'ja - so die Einschätzung des Experten - haben einfache Staudämme errichtet, um sich so einen Vorrat für längere Zeit anzulegen.

Der Alltag auf dem Plateau war perfekt organisiert. Und dennoch: Nach 600 Jahren hörte Ba'ja unvermittelt auf zu existieren - wie fast alle Siedlungen in Jordanien und Palästina um 6900 vor Christus. Dr. Gebel vermutet dahinter ein Veränderung der klimatischen Verhältnisse. Die Niederschläge verringerten sich. Eine unmäßige Abholzung der Wälder sowie Überweidung und Monokulturen im Ackerbau zerstörten die Böden. Fruchtbare Täler wandelten sich in karge Wüstenlandschaften. Das Resultat: die erste, von Menschen selbst verursachte Ökokatastrophe.

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