Folgen des Boxeraufstandes

Alliierte Truppen marschieren in China ein

Die Europäer, die Anfang des 20. Jahrhunderts ins Reich der Mitte kommen, bringen erstmals Filmkameras mit. Sie fangen Bilder aus einer Welt ein, in der die Zeit stehen geblieben ist.

Der Strafvollzug ist so barbarisch wie vor 1000 Jahren: Diebe müssen tagelang am Pranger stehen, mit Holzkragen oder schweren Metallscheiben um den Hals - bevor sie grausam hingerichtet werden.

Zündstoff für Rebellion

Über 90 Prozent der Chinesen leben von der Landwirtschaft. Aber die Bevölkerung wächst schneller als die Anbaufläche: Die Folgen sind katastrophale Hungersnöte. Not und Hunger bilden Zündstoff für Rebellion. Im Jahr 1900 greifen Männer, die sich "vereinigte Faustkämpfer" nennen, zu den Waffen. Ihre Revolte geht als "Boxeraufstand" in die Geschichte ein. Boxer sind Männer, die sich in Geheimbünden zusammenfinden, um das traditionelle China zu retten. Kaiserin Cixi versteht es, die Proteste dieser Traditionalisten vor allem gegen die Ausländer, die Christen zu lenken.



Besonders im deutschen Kolonialgebiet um Tsingtau revoltieren die Boxer im Jahre 1898. Ein Protest, der sich zu einem Flächenbrand ausweitet. Die Boxer marschieren gegen Peking, wo sich viele Ausländer niedergelassen haben. Einer dieser Ausländer ist ein junger Engländer. Er lebt in einem Vorort von Peking. Ein Privatgelehrter mit geheimem Auftrag. Sir Edmund Backhouse zeigt ein auffälliges Interesse für alles, was mit der Kaiserin Cixi zu tun hat.

Unglaubliche Einblicke

Ein Jahr vor dem Boxeraufstand kommt Backhouse nach Peking. Er lebt dort als Privatgelehrter und sammelt historische Texte und Dokumente. Durch seine Kontakte zu Eunuchen erhält er tiefe Einblicke in das Hofleben. Damit beliefert er die internationale Presse. Später verarbeitet er sie zu zwei Büchern: "Berichte und Memoiren vom Hof in Peking" und "China unter der Kaiserin Witwe". Die Bücher sind bewusste Versuche, mit Propagandamethoden die Meinung der Weltöffentlichkeit zu manipulieren.

Am 18. Juni 1900 wird die Eskorte des deutschen Gesandten Baron von Ketteler vom chinesischen Mob auf offener Straße angegriffen. Man beleidigt den Baron und beschimpft ihn. Schließlich fällt ein Schuss. Der Baron stirbt. Ein Vorfall, der Europa entsetzt. Gegen Cixi und ihre Regierung formiert sich der Widerstand der westlichen Welt. Der Konflikt eskaliert und am Kaiserhof entschließt man sich, den feindlichen Ausländern den Krieg zu erklären. Ein Ultimatum wird gestellt. Innerhalb von 24 Stunden haben alle Fremden die Stadt zu verlassen.

Hexenkessel Peking

Für die Europäer zeigt sich China wieder von seiner rätselhaften, unberechenbaren Seite. Peking wird jetzt zum Hexenkessel. Niemand kann entkommen, denn die Stadt ist von aufständischen Boxern umzingelt. Die ausländischen Gesandten geraten in Panik. Eilig lassen sie Baumaterial und Lebensmittelvorräte herbeischaffen. Gegen die Anarchie auf den Straßen vermauern sie Türen und Fenster und lassen Barrikaden errichten.


Westliche Zeitungen berichten von schrecklichen Greueln an ausländischen Zivilisten. Die Berichte sind übertrieben, wie Giles Milton herausgefunden hat. Er hat nach der Quelle geforscht, die der Engländer Backhouse seinen Berichten zugrunde gelegt hat und er hat dabei etwas Sensationelles gefunden.

Die Propagandalüge zeigt Wirkung. Acht Länder setzen ein schwer bewaffnetes Expeditionskorps ein, um die abendländische Zivilisation gegen die blutrünstigen Heiden zu verteidigen. Cixi hatte gehofft, der Zorn der Volksmassen könne die Fremden schnell vertreiben. Aber diese Rechnung ging nicht auf. Im entscheidenden Moment setzt Cixi auf die falsche Karte, auf die fremdenfeindlichen Horden der Boxer. Die Folge ist der Einmarsch der ausländischen Truppen in die Hauptstadt, sogar in den Kaiserpalast. Der Hof muss fliehen. Nie zuvor war der Anspruch des Kaiserreichs auf die Universalherrschaft so ad absurdum geführt worden. Die Dynastie ist praktisch am Ende.

Einmarsch in das Allerheiligste

Unter dem Donner der Kanonen gelingt es Cixi, in letzter Minute zu fliehen. Als einfache Bäuerin verkleidet, flüchtet sie zusammen mit dem Kaiser Guangxu und ihrem Gefolge nach Xi'an. Ein Foto verkündet aller Welt das Ende des Reichs der Mitte. Acht Jahre dauert der lange Leidensprozess, in dem Cixi den Untergang des Reichs nur noch verwaltet. Da niemand anders in der Lage ist, es notdürftig zusammenzuhalten, darf sie in ihren Palast zurückkehren, in dem sie auch sterben wird.

Aber mit einer fast unmenschlichen Willensanstrengung versucht sie noch, den jungen Kaiser zu überleben. Und erst an dem Tag, an dem der Chef-Eunuch ihr die Nachricht vom Tod des Kaisers überbringt, kann sie sicher sein, dass ihre Vorkehrungen für den Machterhalt ihrer Familie respektiert werden. In ihrem letzten Dekret ernennt sie ihren Neffen Pu Yi zum Thronfolger. Noch einmal hat sich Cixi durchgesetzt. Der letzte Kaiser kommt im Alter von drei Jahren auf den Thron, inmitten der Agonie seiner Dynastie. Es gibt für ihn und seine Regenten nichts mehr zu retten. So kann er nur noch die Abdankung unterschreiben. Nach einem Leben als Spielball und Marionette wird schließlich in der Volksrepublik China die Umerziehung des Kaisers zum einfachen Bürger gemeldet.

Geschichte als Kreislauf

Das riesige Mausoleum der letzten glanzvollen Persönlichkeit des Kaiserreichs wird im Jahr 1908 errichtet. Das Grab Cixis im Norden Pekings ist ein Symbol für ein Imperium, das auch an sich selbst zugrunde ging. Nach der Vorstellung der alten Chinesen vollzieht sich Geschichte nicht als Linie, sondern als ein ewiger Kreislauf von Aufstieg und Abstieg, von Tod und neuer Geburt. Das China der Kaiser ging unter. Aber wenn die alten Chinesen Recht haben, dann heißt das nur, dass jetzt die Geburt eines neuen China bevorsteht.

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