Folgen des Erdbeben

Wandel der Gesellschaft

Der Untergang der Stadt Pompeji kündigt sich bereits 17 Jahre vor Ausbruch des Vesuv an. Ein schweres Erdbeben erschüttert 62 nach Christus die gesamte Region. Ein früher Vorbote für den endgültigen Vernichtungsschlag der Natur.

In Panik fliehen die Bewohner von Pompeji auf die umliegenden Hügel. Kein Gebäude bleibt unbeschädigt. Hunderte sterben unter den Trümmern. In dem berühmten Vorzeige-Ort südlich der Hauptstadt herrscht Chaos. Doch schon bald existieren Pläne, die zerstörten Paläste, Straßen und öffentlichen Gebäude wieder herzustellen.

Finanzieller Ruin

In der Zwischenzeit richtet die Bevölkerung auf den zentralen Plätzen provisorische Kultstätten ein, um den Zorn der Götter zu besänftigen. Dort zelebrieren Priester vor den Augen aller die täglichen Opfer. Erst nach und nach können die Architekten die Tempelanlagen vollenden. Denn die Stadt ist auch finanziell ruiniert. Niemand zahlt mehr Steuern. Obwohl Pompeji unter dem Schutz Roms steht, fließt von den Machthabern kein Geld. Von Kaiser Nero im Stich gelassen, müssen die Menschen die aufwändigen Instandsetzungen aus eigener Kraft bewältigen. Für den kleinen Mann ein aussichtsloses Unterfangen.

Und selbst für die begüterte Oberschicht noch eine enorme Belastung. Alt eingesessene Patrizierfamilien verkaufen ihre einst pompösen Villen und ziehen aufs Land. Ihnen bietet das zerfallene Pompeji keine Lebensqualität mehr. Das gemeine Volk indes verlangt nach Brot und Spielen. Und es bekommt sie. Finanziert von Privatleuten, öffnen die Theater bereits wenige Monate nach dem Beben. Und Tausende jubeln den Gladiatoren in der Arena zu.

Herrschaftliche Attitüden

Doch die vornehme High Society ist nicht mehr länger unter sich. Das Erdbeben hat die Gesellschaft auf den Kopf gestellt. Sklaven, die sich nach langen Jahren bei ihren Herren die Freiheit verdient oder erkauft haben, nutzen die Gelegenheit. Manch einer macht Karriere als Händler. Die Geschäfte gehen nicht schlecht. Einige der Aufsteiger werden zum Ärger der Elite sogar reich.


Die Umwälzung offenbart sich am Beispiel von Scaurus Vettius. Kaum dass ihm sein Patron ein großes Vermögen hinterlässt, nimmt er herrschaftliche Attitüden an. Mühelos schlüpft er in die Rolle eines dekadenten Bürgers der Oberschicht. Sein bisheriges Leben als Leibeigener streift er ab wie eine alte Haut. Ein Mann mit zweifelhaftem Ruf, der keine Skrupel kennt - so berichten die Quellen.

Dem cleveren Ex-Sklaven gelingt ein Coup: Von seinem Erbe kauft er zum Spottpreis eine Tuchwalkerei. Eine Goldgrube. Mehr als fünfzig Unfreie schuften unermüdlich für ihn. Scaurus versteht sein Geschäft. Er weiß alles über die aufwändige Prozedur der Stoffveredelung - das Walken. Wie am Fließband bearbeitet seine Truppe das frisch gefärbte Gewebe durch ständiges Klopfen, Stoßen und Reiben. Vor dem letzten Spülgang sollte Urin, die Schmierseife der Antike, die Tücher geschmeidig machen. Der Walker ist auch in Pompeji kein angesehener Beruf. Der neue Besitzer der kleinen Manufaktur lässt kaum eine Gelegenheit aus, seine Angestellten zu brüskieren. Geld allein macht aus einem Proletarier eben noch lange keinen Edelmann.

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