Folgen des Krieges

Der Westfälische Friede

Welches Schicksal hätte man den Menschen ersparen können, wenn man Wallensteins vagen Friedensideen gefolgt wäre? Noch 14 Jahre sollte der Krieg weitergehen. Immer mehr Krüppel prägen das Bild der Straßen, je länger der Krieg währte.

Jene Männer, die für den Krieg nicht mehr taugten, als krank, als "marode" galten, erwartete of ein gewaltsamer Tod.

Verstümmelte Menschen

Ein berühmtes Werk des Malers Jaques Callot erinnert an ihr Schicksal. Es ist bis heute ein Sinnbild für die Abgründe und Schrecken des großen Krieges. Der "Galgenbaum" zeigt eine Hinrichtung verstümmelter Menschen, jener berüchtigten "Marodeure", die ihre Existenz nur noch durch Betteln oder rohe Gewalt sichern konnten.

Unter den Folgen des Krieges litten Land und Leute noch viele Jahre nach seinem Ende. Immer mehr Gegenden wurden von schweren Hungersnöten heimgesucht. Die Menschen aßen, was sie im Wald noch finden konnten - Gräser, Rinden, Eicheln und Wurzeln. Ein Stück Brot bekamen viele nur alle halbe Jahre zu sehen. Längst war das letzte Vieh verzehrt - selbst die Hunde und Katzen. Hunger und Seuchen forderten mehr Opfer als die schrecklichsten Schlachten.

Reißende Bestien

Die Not war so groß, dass die letzten Tabus gebrochen wurden. Auf den Friedhöfen bettelte mancher Verzweifelte um frisch verstorbene Leichen, so die Chronik eines schwäbischen Schusters. Es war die Zeit der Wölfe, die hungrig durch die Dörfer zogen. Jene Zeit, als der Mensch selbst zur reißenden Bestie verkam. Man hörte von Menschen, die das Fleisch der Toten mit ihren Zähnen zerrissen, um das eigene jämmerliche Leben zu retten. Wissenschaftler halten solche Berichte über das unendliche Grauen des Dreißigjährigen Krieges für glaubwürdig.

Meisterwerk der Diplomatie

Mit einer Urkunde wurde der Krieg nach einem sieben Jahre langen Verhandlungsmarathon endlich beendet. In Münster und Osnabrück unterzeichneten die Gesandten aller Parteien den Westfälischen Frieden. Fortan konnte kein Potentat mehr Anspruch auf eine europaweite Alleinherrschaft erheben. Das Abkommen gilt als Meisterwerk der Diplomatie. Erstmals einigte man sich auf ein Prinzip völkerrechtlicher Gleichheit. Im ganzen Reich und in vielen Teilen Europas läuteten die Friedensglocken. Die Menschen feierten das Ende des großen Krieges mit Dankgottesdiensten und Ehrenbanketten, mit Feuerwerken und Kanonensalven.

Mit dem Westfälischen Frieden wurde der Glaubenskrieg in Deutschland für immer beendet. Die Fanatiker wurden entmachtet, nie wieder sollten Kirchen im Namen der Religion in Flammen aufgehen. Es wurde eine konfessionelle Landkarte festgelegt, die bis heute erkennbar ist.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet