Forscher im Kurzporträt

Umfangreiche fachliche Unterstützung

Für die Vorrecherche und die Umsetzung der Dokumentation "Der Neandertaler - Was wirklich geschah" waren Hilfe und Unterstützung einer ganzen Reihe von Wissenschaftlern und Forschern von Nöten.


Privatdozent Dr. Ralf W. Schmitz ist Prähistoriker an der Universität Tübingen und am Rheinischen Landesmuseum Bonn. Der Wissenschaftler ist Deutschlands Neandertaler-Experte Nummer eins und damit die Idealbesetzung für die wissenschaftliche Beratung des Films. Er und sein Kollege Jürgen Thissen stießen bei Nachgrabungen an der Originalfundstelle im Jahr 1997 und 2000 auf weitere Knochenfragmente des Urneandertalers und sind seitdem auf besondere Weise mit ihm verbunden.

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Neandertalerfundes begibt sich Schmitz noch einmal auf eine Reise der besonderen Art. Mit im Koffer: die Knochen seines Schützlings. Zwischen Teilchenbeschleuniger, Reinstraum und Rekonstruktionssstudio versuchen Ralf Schmitz und ein großes Team an Spezialisten, die letzten Rätsel rund um den Neandertaler zu lösen. Das ZDF-Expeditionsteam begleitete den Wissenschaftler auf seiner Reise und berichtet dem Zuschauer aus der Welt des Eiszeitlers.

Rekonstrukteure

Immer wieder begegnen uns Bilder, auf denen der Neandertaler mehr einem Affen ähnelt als einem Menschen. Mit Hilfe der Gesichtsfragmente, die Ralf Schmitz und Jürgen Thissen im Zuge ihrer Nachgrabungen entdeckten, kann nun die Kalotte von 1856 ergänzt und mit dem alten Vorurteil aufgeräumt werden. Endlich ist die Rekonstruktion des Neandertalergesichts möglich. Dazu musste die Hilfe der Rekonstruktionsspezialisten Professor Dr. Christoph Zollikofer und Dr. Marcia Ponce De León in Anspruch genommen werden.


Sie bildeten den Gesichtsschädel auf virtueller Ebene nach. Die Spezialisten für Anthropologie und computergestützte Rekonstruktion von Humanfossilien drehten und spiegelten die Gesichtsfragmente in der virtuellen Realität bis aus dem dreidimensionalen Puzzle eine Gesichtsform entstand, die der menschlichen Form wesentlich mehr ähnelt, als man bisher angenommen hatte.

Ärztliche Unterstützung

Da der Mann aus dem Neandertal sich vermutlich bei einem Unfall in seiner Jugend verletzte, wurde Professor. Dr. Dr. Michael Schultz, Anatom und Urgeschichtler am Zentrum für Anatomie der Universität Göttingen, hinzugezogen. Der "Leibarzt" des Neandertalers ist Spezialist in Veränderungen von Knochensubstanzen, die durch Gewalteinwirkung hervorgerufenen wurden. Er stellte einen Dünnschliff der rechten und linken Elle des Urmenschen her.


Bei einem Vergleich wird deutlich: Während die rechte Elle gesunde Knochensubstanzen aufwies, zeigte die linke Elle krankhafte Veränderungen. Die Folge der schweren Verletzungen war, dass der Neandertaler seinen linken Arm nicht mehr bewegte. Damit ist eins sicher: Der Neandertaler konnte nur mit Hilfe seiner Gruppe das stolze Alter von 40 Jahren erreicht haben.

Ein Blick auf die Speisekarte


Professor Dr. Michael P. Richards vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig untersuchte die Speisekarte des Neandertalers. Anhand von Isotopenvergleichen mit anderen Lebewesen der Eiszeit, so zum Beispiel Wollnashorn oder Wolf, ermittelte Mike Richards die Zusammensetzung des Neandertalermenüs: Auf seinem Speiseplan, so steht am Ende der Untersuchung fest, stand vor allem Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch.


Dr. Georges Bonani ist Datierungsspezialist am Institut für Teilchenphysik der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Durch ihn erhält Ralf Schmitz Aussagen über das Alter des zweiten Individuums, dessen Knochen erst im Jahr 2000 am Originalfundort entdeckt wurden. Bonani hatte bereits die Überreste des Urneandertalers altersbestimmt. Sollte der Vergleich ein ähnliches Alter der Knochen liefern, wäre der Beweis erbracht, dass der Neandertaler tatsächlich in Gesellschaft lebte. Der Spezialist für Radiokarbon-Datierungen kann mit seiner Analyse ein weiteres Puzzelteil zur Geschichte des Neandertalers liefern: Der zweite Knochenfund ist auf das gleiche Alter wie der des Urneandertalers zu datieren.

Kein direkter Verwandter

Der Molekularbiologe Prof. Dr. Dr. Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig will in Zukunft der DNS des Urneandertalers auf die Schliche kommen. Der Paläogenetiker hatte bereits 1997 die mitochondriale DNS des Mannes aus dem Neandertal untersucht. Damals stellte sich heraus, dass der Neandertaler vermutlich nicht zu unseren direkten Vorfahren gehörte.


Jetzt plant Svante Pääbo ein großangelegtes Genomprojekt, bei dem an mehreren Neandertalerexemplaren Kern-DNS entnommen und untersucht werden soll. Langfristiges Ziel des Projektes: die Entschlüsselung des Neandertaler-Erbgutes. Dem Wissenschaftler mit Arbeitsschwerpunkt "alte DNS" schweben bereits Untersuchungen, wie die des FoxP2 Gens, vor. Diese Analyse könnte eine Aussage über die Sprachfähigkeit des Neandertalers liefern.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet