Forscher in Lebensgefahr

Auf Tuchfühlung mit einer "Zeitbombe"

Für die Wissenschaft unserer Zeit ist der Ausbruch des Krakatau vor über 120 Jahren ein wichtiger Meilenstein. Er liefert viele Hinweise darauf, wie Vulkane unseren Planeten beeinflussen. Zum ersten Mal wurde eine große vulkanische Eruption von einer Menge Beobachtern auf der ganzen Welt, auf See und auf Land, dokumentiert.

Durch Augenzeugenberichte alarmiert, beordert die Kolonialverwaltung von Batavia am 22. Mai 1883 ihren Mitarbeiter Willem Beyerinck nach Krakatau. Er soll über das Ausmaß des Vulkanausbruches Bericht erstatten.

Untersuchungen vor Ort

Zusammen mit einem Fischer tritt er am nächsten Morgen seine Reise zum Vulkan an. Doch im dichten Nebel von Schwefelgasen kommen die beiden Männer nur langsam voran. Als sich die giftige Wolke für einen Moment hebt, gibt sie den Blick auf den Feuerberg frei. Beyerinck kehrt sofort um und schickt umgehend seinen Bericht an den Leiter des Observatoriums für Magnetismus und Meteorologie in Batavia. Dr. van der Stok erkennt den Ernst der Lage und informiert noch in der Nacht den Generalgouverneur. Dieser beauftragt Schurrman und van der Stok, den Ereignissen vor Ort genauer nachzugehen.

Unter der Leitung der beiden Wissenschaftler setzt am 27. Mai eine Untersuchungskommission ihren Fuß auf Krakatau. Es ist ein unheimlicher Aufstieg über weitgehend verkohltes Gelände. Die Forscher sind sich sicher, dass der Ausbruch noch im Gange ist. Umso mehr überrascht sie die lähmende Stille, die den Berg wie ein Leichentuch umgibt. Obwohl den Männern wegen der Schwefelgase das Atmen schwer fällt, wollen sie hinauf zum Krater.

Der Gefahr nicht bewusst

In Schuurmans späterem Bericht ist zu lesen: "Bald gab es kein Anzeichen mehr von irgend einer Vegetation und wir sahen nur noch diese brüllende Rauchsäule. Wir kletterten den letzten Hang hinauf und standen plötzlich an der steilen Wand des Kraters." In gewisser Weise zählen Schuurman und van der Stok mit ihrer wagemutigen Expedition zu den ersten Vulkanologen. Allerdings waren sie sich der großen Gefahr, in der sie sich befanden, nicht bewusst.

Heutige Vulkanologen wie Mike Rampino kennen die tödlichen Kräfte genau, die die Vegetation von den Hängen des Krakatau gefegt hatten. "Das Gebiet wurde kurz zuvor von pyroklastischen Strömen, einer Mischung aus heißer Asche und Gasen, total verwüstet", erläutert Rampino. Der erste Ausbruch des Krakatau hat feine Ascheteilchen hoch in die Atmosphäre geschleudert sowie heiße Gesteinstrümmer, die wie ein Wasserfall an den Flanken herabstürzen. Sie lassen alles, was sich ihnen in den Weg stellt, in Flammen aufgehen.

Die Ruhe vor dem Sturm

Ende Mai hat sich die Lage wieder einigermaßen beruhigt, die Menschen an den Küsten Westjavas und Südsumatras kehren zu ihrem Alltag zurück. Nur die Rauchsäule steht allgegenwärtig über dem Berg und ein gelegentliches Grollen ist zu hören. Vorgänge, die Bill McGuire, ein bekannter Vulkanologe und Tsunami-Experte vom University College in London, aus heutiger Erfahrung gut kennt:


"Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich die Aktivitäten des Vulkans nach dem ersten Ausbruch wieder etwas verringern. Die wirkliche Gefahr liegt darin, dass es unmöglich ist, vorauszusagen, wann der Höhepunkt erfolgen wird. Das kann innerhalb einer Woche erfolgen. Im Fall des Krakatau waren es Monate. Da besteht immer die Gefahr, dass die Menschen glauben, das Schlimmste sei vorüber. Sie fühlen sich sicher. Aber das ist oft genug nicht der Fall."

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