Forschung an der Mumie

Bedrohliche Krankheiten

Südlich des modernen Kairo liegen die Pyramiden von Sakkara und Giseh, Ausgangspunkt der Suche nach dem verversunkenen Heilwissen. Pharao Cheops ließ sich vor 4500 Jahren die größte Pyramide bauen. Direkt zu ihren Füßen liegt ein Grab mit großer Kultkammer.

Wer war so bedeutend, dass er ganz nah am göttlichen Pharao seine letzte Ruhe finden durfte? Es ist ein gewisser Seschem-nefer, von dem nur bekannt ist, dass er ein hoher Staatsbeamter war.

Kriminalistischer Spürsinn

Seit 30 Jahren ist die Ägyptologin und Biologin Renate Germer den Geheimnissen der altägyptischen Medizin auf der Spur. In der Kultkammer des Seschem-nefer stößt sie auf Inschriften: Der Sohn des Seschem war Hofarzt und stieg zu höchsten Ämtern auf. Ein klarer Hinweis: Die Leibärzte des Cheops wurden an der prominenten Stelle begraben. Er muss sie und ihre Kunst sehr geschätzt haben. Doch wie sah diese Kunst aus, welche Mittel wandten sie an?

Bei der Bergung dieses Heilschatzes spielt die Mumifizierung eine wichtige Rolle. Durch Natron-Salz wurde dem Leichnam Wasser entzogen, Fleisch und Gewebe somit haltbar gemacht. Balsam und Leinenwicklungen vervollkommneten die Konservierung des Körpers. So präpariert konnte der Verstorbene im Totenreich auf seine Wiedererweckung warten.

"Konservierte Patienten"

Im Mumienkeller des Ägyptischen Museums in Berlin sind die "konservierten Patienten" für die Erforschung der Krankheiten im Alten Ägypten eine wahre Fundgrube. Neben den Mumien mit ihren goldenen Masken, sind manchmal auch pflanzliche Grabbeigaben erhalten. Gibt es eine Verbindung zwischen der Heilwirkung dieser Pflanzen und der Krankheit des Verstorbenen? Dazu muss erst einmal herausgefunden werden, woran der Patient litt.

In einer Klinik soll mit modernsten Untersuchungsmethoden ihre Krankengeschichte nachvollzogen werden. Zerstörungsfrei, ohne die Mumie überhaupt anfassen zu müssen, versucht man am Oskar-Ziehten-Krankenhaus, mittels Computertomographie das Krankheitsbild zu rekonstruieren.

Dies ist nicht gerade einfach, denn den ägyptischen Mumien fehlen die inneren Organe, sie wurden bei der Mumifizierung entnommen. Deshalb müssen sich die Spezialisten auf pathologische Veränderungen an Skelett und Zähnen konzentrieren. Kalkablagerungen in den Gefäßen und Knochenfraß deuten auf eine fortgeschrittene Diabetes hin. Doch viele im pharaonischen Ägypten verbreiteten Krankheiten lassen sich am Skelett nicht feststellen.

Andere Methoden gefragt

Am Institut für Pathologie des Krankenhauses München-Bogenhausen hat sich ein Ärzteteam auf den molekularen Code der "ägyptischen Patienten" spezialisiert. Den Forschern genügen Bruchstücke der DNA, um daraus Krankheitsbilder und sogar Verwandschaftsbeziehungen von Menschen zu ermitteln, die vor über dreitausend Jahren am Nil lebten. Die Molekularbiologie öffnet so ein bisher fest verschlossenes Fenster zur Geschichte untergegangener Völker und Kulturen.

Was waren die häufigsten Krankheiten, woran starben die Menschen im Alten Ägypten? Dazu suchen die Forscher im Gewebematerial nach DNA-Strukturen von Viren, Bakterien oder Pilzen, die Krankheiten ausgelöst haben können. Immer wieder stoßen sie dabei auf den Tuberkel-Bazillus. Tuberkulose als Volkskrankheit? Hatten die Ärzte der Pharaonen dagegen ein Heilmittel?




Tödliche Krankheitserreger bedrohten das Alte Ägypten. Die Menschen suchten Schutz bei ihren Göttern und opferten ihnen.

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