Fort-Knox der Antike gesucht

Indizien sprechen für die Super-Burg auf dem Karasis

Im Krieg um das Erbe Alexanders waren besonders die Heiligtümer mit ihren Schätzen bedroht. Auch in Griechenland wird geforscht: Wie Delphi, das die Kelten 279 vor Cristus plünderten. Doch der wahrscheinlichste Schatzhort ist die Superburg auf dem Karasis.

Schuldlos allerdings sind die Kelten an den umgestürzten Säulen des Athena-Tempels der Griechenstadt Priene, südlich von Pergamon. Er wurde wahrscheinlich Opfer eines Erdbebens. Athena verehrten die Priener als Beschützerin der Stadt. Doch sie waren realistisch genug, um zusätzlich eine ausgeklügelte Wehrmauer zu errichten, das aufwändigste Bauwerk der ganzen Stadt.

Glücksfall für die Ausgräber

Ein Archäologen-Team der Universität Frankfurt unter Leitung von Wulf Raeck untersucht die Entwicklung der Stadt. Zu den Aufgaben der Mannschaft gehören auch Restaurierungsarbeiten, zum Beispiel am Theater. Es wurde wie durch ein Wunder nicht durch eine Naturkatastrophe oder Eroberung zerstört, was die virtuelle Rekonstruktion natürlich vereinfacht.



Obwohl Priene bis ins 14. Jahrhundert besiedelt war, wurde das antike Stadtzentrum kaum überbaut. Ein Glücksfall für die Ausgräber. In der Erde hat sich so eine unverfälschte hellenistische Siedlung erhalten. Sie finden kaum Brandschichten und nur sehr wenige Waffen, also keine Zerstörung durch einen Überfall, sondern eher durch eine Naturkatastrophe, ein verheerendes Erdbeben. Jetzt geht es an die präzise Datierung.

Zu den wichtigsten Funden gehören Münzen. Sie erleichtern die Zeitstellung, und manchmal werden sogar die Bilder der damaligen Fürsten enthüllt. Mit einem richtigen Schatzfund kann auch die Griechenstadt Priene nicht aufwarten. Doch selbst kleine Kupfermünzen sagen den Spezialisten viel über Herrschafts- und Handelsbeziehungen. Seleukidische Prägungen sind hier sehr selten, ein klares Zeichen, dass das legendäre Kyinda-Silber nicht in diese Gegend kam.

Zurück zur Karasis-Burg

Doch wo sind die 200 Tonnen des Seleukos geblieben? Ist nun der Karasis tatsächlich das fieberhaft gesuchte Kyinda? Auf dem Berg im Taurusgebirge verdichten sich die Indizien. Ein Mitarbeiter von Hoffmann hat eine kleine Kammer mit ungewöhnlich dicken Mauern entdeckt. Obwohl das Gebäude nur noch schlecht erhalten ist, kann er aus den Fragmenten deutlich seine einstige Konstruktion herauslesen.

Sein Gewölbe ist im gleichen Stil errichtet wie das Quellenhaus. Die Archäologen haben solch eine Plattenüberdeckung nur in diesen beiden Bauten gefunden. Schützten sie das Wertvollste? Wasser und den Schatz? Seltsam ist auch die Lage des fensterlosen Spezialbaus. Er liegt direkt hinter der großen Residenz. Der Hochsicherheitstrakt des Herrschers?

Bollwerk der Antike

Mittels einer Computerrekonstruktion der Burganlage lässt Thorsten Schwing die Archäologen virtuell über 2000 Jahre in die Vergangenheit reisen. Anhand des Modells lassen sich viele Thesen der Forscher einfach durchspielen. Möglichkeitsstudien zur Funktion der Burg auf dem Karasis bestätigen oder verwerfen. Das versteckte Fort war eines der stärksten Bollwerke der Antike. Seine Entdeckung eine der seltenen Sternstunden der Archäologie.

Die Super-Burg der Seleukiden war uneinnehmbar. Gewaltige Vorräte machten selbst eine jahrelange Belagerung sinnlos. Ist die riesige Burg mit dem kleinen Tresor-Raum tatsächlich das Fort Knox der Seleukiden, das von den antiken Schriftstellern beschriebene Kyinda? Zum endgültigen Beweis müssten die Archäologen nicht nur die Schatzkammer, sondern auch den Schatz selbst finden, doch von dem fehlt nach wie vor jede Spur.

Die Entdeckung der Burg auf dem Karasis hat ein einmaliges Bauwerk dem Vergessen entrissen. Sein Geheimnis ist verknüpft mit dem Streit um das Erbe des großen Alexander. Die Wissenschaftler aus der Türkei und Deutschland werden weiter nach den verwischten Spuren eines legendären Schatzes fahnden.

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