Fortschrittliches Persien

Kulturelle Überlegenheit

Der Weg nach Persepolis allerdings ist für Alexander noch weit. Noch ist die persische Armee nicht endgültig besiegt. Aber die prächtige Stadt lockt wie eine unwiderstehliche Verheißung. Die Trümmer der Metropole lassen kaum mehr erahnen, wie prachtvoll einst alles war.

Aus dem eintönigen Braun des öden Landes stieg dieses Monument der Macht wie ein leuchtender Edelstein empor. Die Farben von einst haben längst Wind und Wetter getilgt.

Modernes Staatswesen

Der Palast, in dem Darius residierte, steht wie ein Symbol für das moderne Staatswesen der Perser. In ihm bildet sich der Vielvölkerstaat ab: Unterschiedlichste Talente und Fertigkeiten - eine Verschmelzung verschiedenster Kulturen. Im Zentrum der Prachtentfaltung befindet sich der Thron des Königs - Garant dafür, dass dieser Multi-Kulti-Staat nicht auseinanderbricht.

Darius und Alexander sind ein ungleiches Paar. Und doch sind ihre Sehnsüchte die Gleichen. Auch Alexander träumt den Traum von grenzenloser Macht. Sein Schlachtfeld soll die ganze Welt sein. Wie stark waren die Widerstände, die sich Alexanders ehrgeizigen Plänen in den Weg stellten?

Archiv des alten Persiens

Bereits der Archäologe Ernst Herzfeld war von dieser Frage fasziniert. 1933 machte sein Team bei Ausgrabungen in Persepolis eine sensationelle Entdeckung: Die Forscher fanden Tausende von beschriebenen Tontafeln - das Archiv des alten Perserreichs. Die Dokumente offenbaren das ganze Leben, nicht nur bei Hofe, sondern auch, was den Alltag der Menschen im alten Persien angeht.

Die Großkönige schufen in ihrem Reich eine hervorragende Infrastruktur: Händler und Reisende zogen über festgelegte und gesicherte Routen. Ein Netz von Karawansereien garantierte den blühenden Warenaustausch im Vielvölkerstaat.

Gigantisches Bewässerungssystem

Der sinnfälligste Beweis für diese kulturelle Überlegenheit der Perser findet sich gute 100 Kilometer von Persepolis entfernt. Pasargadae - die alte Hauptstadt des Imperiums. Von der einstigen Pracht finden sich nur noch ein paar Säulen. Welch blühende Stadt sich hier einst erstreckte, das versuchen Forscher der Universität Lyon zu rekonstruieren.

Mit Tausenden von Luftbildern haben sie das gesamte Gelände zentimetergenau prospektiert - und sie haben auch sichtbar gemacht, was dem Auge zunächst verschlossen bleibt: Verborgene Strukturen im Erdboden. Sie offenbaren das Geheimnis von Pasargadae: Das gigantische Bewässerungssystem, das der staubigen Einöde Leben schenkte.

Mächtige Kanäle

Das Wasser, das Pasargadae zum fruchtbaren Garten machte, kam von den Zakros-Bergen - Schmelzwasser aus eisiger Höhe. Die Großkönige wussten diesen Reichtum der Natur zu nutzen. Durch mächtige Kanäle, so genannte Quanate, strömte die Lebenskraft für Mensch und Pflanze mitten durch die Wüste in das Zentrum der Hauptstadt. In der Stadt Yaazd sind die letzten Zeugnisse dieser Bewässerungstechnik zu bewundern. Eine Stadt mitten in der Wüste wie Persepolis - und doch blühend und lebendig. Heute leben hier 300.000 Menschen.

Die Menschen im Persischen Imperium profitieren von den Vorteilen einer starken Machtbündelung, die Grenzen zwischen Völkern aufhebt. Liberalisierung des Handels, gemeinsame Währung und einheitliche Maßsysteme fördern solides Wirtschaftswachstum.

Duftende Oasen

Prachtvolle Gärten voller Blüten waren der ganze Stolz der Herren von Persepolis. "Paridaita" hießen diese duftenden Oasen. Das Wort Paradies hat hier seinen Ursprung. Aber war das alte Persien wirklich ein Paradies auf Erden? Der Luxus hatte eine Kehrseite. Er weckte Begehrlichkeit. Wie der gefürchtete Sturmgott bricht Alexander über das Riesenreich herein.

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