Foto-Mission im Dschungel

Von seinen Aufnahmen erhoffte sich Maler internationale Anerkennung

Im Jahr 1834 erklomm der US-amerikanische Reiseschriftsteller John Lloyd Stephens die steinernen Monumente der Pharaonen. Stephens war auch nach Ägypten gereist, um die Bauwerke mit den unglaublichen Zeichnungen der spanischen Kolonialisten aus Mittelamerika zu vergleichen. Inspiriert von Stephens Zeichnungen machte sich der deutsche Teobert Maler auf den Weg zu den Maya-Ruinen.

Maler fotografiert Quelle: ZDF

Bislang wurden die Berichte von den Pyramiden im Urwald als Fantasievorstellungen abgetan. Wenn Stephens beweisen könnte, dass es auch in der neuen Welt solche Bauwerke gibt - es wäre eine Sensation. 1837 blickte er im dichten Dschungel von Mittelamerika auf fantastische Tempel. In seinem Tagebuch notierte Stephens triumphierend: Nun ist bewiesen, dass das Volk, das einst den Kontinent Amerika bewohnte, alles Andere als kulturlose Barbaren waren. Der Dokumentarist nahm an, dass noch Hunderte Tempel versteckt im Urwald schlummerten. Stephens Entdeckungen veränderten das damalige Weltbild. Und sie erweckten das Interesse an der Archäologie, einer Wissenschaft, die sich gerade erst entwickelte.

Maler im Dschungel Quelle: ZDF

Erster Entdecker mit Fotografien

1870 kämpfte sich Teobert Maler im Grenzgebiet zwischen Guatemala und Mexiko durch den Dschungel. Seine Ausrüstung wog weit über 100 Kilo, denn er war einer der ersten Entdecker, der die fantastischen Maya-Bauten fotografieren wollte. Von seinen Fotos versprach sich der Mann aus Baden-Baden internationale Anerkennung. Dazu musste er die Maya-Stätten jedoch erst einmal erreichen, denn as war leichter gesagt als getan. Während scheinbar endlosen Gewaltmärschen durch den Regenwald und moskitoverseuchte Sümpfe verirrten sich Maler und seine indianischen Helfern immer wieder.

Fünf Jahre zuvor war Maler als "Cadet" im Freiwilligenkorps Maximilians von Österreich nach Mittelamerika gekommen. Als es nach zwei Jahren mit dem Traum vom mexikanischen Habsburgerreich vorbei war, tauchte Maler unter. Er beschloss, in die Fußstapfen von John Lloyd Stephens zu treten und mit fantastischen Entdeckungen die Welt zu beeindrucken. Leben wollte er vom Erlös seiner Fotografien.

Keine brauchbaren Karten

Oft zeigte Maler seinen indianischen Helfern die Zeichnungen der mysteriösen Paläste, die Stephens veröffentlicht hatte. Doch die Einheimischen hatten die gewaltigen Gebäude noch nie gesehen. Es waren die Bilder des Engländers Frederick Catherwood, die in Teobert Maler das Entdeckerfieber ausgelöst hatten. Catherwood, der Stephens auf seinen Expeditionen begleitet hatte, war ein Bild-Dokumentarist, der die fotografische Ära der Maya-Entdeckungen mit seinen exakten Zeichnungen vorbereitete. Doch weder Catherwood noch Stephens hinterließen der Nachwelt brauchbare Karten.

Maya-Impression des Malers Catherwood Quelle: ZDF

Über 1000 Jahre dominierten die Maya Zentralamerika politisch und kulturell. Ihre Priester predigten auf Tempeln, die in den Himmel zu wachsen schienen. Sie berechneten den Lauf der Sterne und Planeten schon nahezu perfekt, als in Mitteleuropa die Völkerwanderung einsetzte. Doch der Maya Kollaps erreichte das so genannte "Manhattan der Maya" und der Dschungel holte sich zurück, was seine Bewohner ihm mühsam abgerungen hatten. Der Urwald versteckte die Paläste für viele Hundert Jahre, bis sie von den Pionieren der Maya-Forschung nach endlosen Strapazen wieder entdeckt wurden.

Ein genialer Trick

Für den besten Kamerawinkel ließ Teobert Maler klapprige Aussichtstürme errichten. Die Bilder konnten nur gelingen, wenn die Kamera und sein Hochstand so still wie möglich gehalten wurden. Maler brauchte eine lange Verschlusszeit. Denn es gab noch keine Belichtungsmesser. Um die gewaltige Größe der Gebäude deutlich zu machen, bediente er sich wie einst der Zeichner Catherwood eines Kniffs. Stimmungsvoll setzte er seine Helfer vor den antiken Monumenten in Szene.

Wissenschaftler Maler auf wackeligem Foto-Turm Quelle: ZDF

Für seine Aufnahmen benutzte er drei Mattscheibenkameras im Format 12x10, 12x9 und 10x8, mit denen er Negative bis zu einer Größe von 30x40 Zentimetern belichten konnte. Hightech des 19.Jahrhunderts. All seine Ersparnisse gab er für die Fotografie aus. Alles um seinen Traum zu verwirklichen: als größter Dokumentarist der Maya in die Geschichte einzugehen.

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