Fragen an Jörn Hurum

Der Expeditionsleiter im Gespräch mit ZDFonline

Dr. Jörn Hurum, Paläontologe an der Universität und dem Naturhistorischen Museum von Oslo, hat sich einen Namen gemacht als Entdecker bedeutender Fossilien. Sein bislang spektakulärster Fund ist sicherlich "Das Monster von Spitzbergen". Gerne war er bereit, einige Hintergrundfragen zu seinem Lieblingsthema zu beantworten.

Dr. Jörn Hurum während der Ausgabungen auf Spitzbergen.
Dr. Jörn Hurum während der Ausgabungen auf Spitzbergen. Quelle: ZDF

ZDFonline: Warum sind Ausgrabungen im "Svalbart Archipel", zu dem auch Spitzbergen gehört, so erfolgreich?

Dr. Jörn Hurum: Die Svalbart-Inseln sind ein Teil der Sedimente unter der Barentssee. Vor 50 Millionen Jahren wurden sie angehoben, als dieses Gebiet im Zuge der Kontinentaldrift auf den Nordosten Grönlands traf. Dadurch entstanden auch aus dem Meeresboden die Berge an der Westseite des Archipels. Diese Berge wurden im Laufe der Jahrmillionen ausgewaschen, doch da Knochen härter sind als der hier vorherrschende schwarze Schiefer, sind sie relativ leicht auffindbar auf den erodierten Flächen. Ein weiterer Grund ist die fehlende Vegetation, die das Auffinden der Fossile erleichtert.


ZDFonline: Woran ist "das Monster" gestorben?

Hurum: Die Todesursache ist nicht klar. Wir haben an den vielen Skelett-Bruchstücken von erwachsenen Tieren keine Bissspuren oder andere Verletzungen entdecken können. Es kann also sein, dass sie eines natürlichen Todes gestorben sind.


ZDFonline: In welchen Regionen lebte das Reptil?

Hurum: Svalbard lag zu dieser Zeit auf dem Meeresgrund etwa in Höhe des 50. Breitengrades.
(Anmerkung ZDFonline: Auf dem selben Breitengrad liegt heute Mainz)


ZDFonline: Noch hat das Fossil keinen wissenschaftlichen Namen. Welcher könnte es denn werden?

Hurum: Der Name steht noch nicht fest. Er wird erst vergeben, wenn die wissenschaftliche Beschreibung des Fossils komplett ist. Das könnte um die Weihnachtszeit 2009 der Fall sein.


ZDFonline: Hatten die Pliosaurier natürliche Feinde?

Hurum: Nein, nur Artgenossen konnten ihnen gefährlich werden.


ZDFonline: Könnten eventuell noch größere Pliosaurier gelebt haben?

Hurum: Ja, es gibt einige sehr bruchstückhafte Funde in England, die auf die Möglichkeit verweisen, dass es noch größere Exemplare gegeben hat.


ZDFonline: Wie schnell waren die Echsen im Vergleich zu heutigen Meeresbewohnern?

Hurum: Etwa so schnell wie heutige Wale.
(Anmerkung ZDFonline: Wale erreichen zwischen 30 und 50 Kilometer pro Stunde. Der deutsche Schwimmer Thomas Lurz siegte bei der WM 2009 über 10 Kilometer in der Zeit von 1h52'07'', was einer Geschwindigkeit von 5,35 Kilometer pro Stunde entspricht.)

ZDFonline: Wann wird das Pliosaurier-Modell fertig zusammengebaut und zur Besichtigung freigegeben sein?

Hurum: Die Knochen sind zu fragil, um sie zu einem kompletten Skelett zusammenzusetzen. Einige Teile werden gegossen und ausgestellt.

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